07.
02.15
Getreidepreise wieder fester

Getreide Cockpit, 07.02.2015

Bullish
  • Zukünftige Versorgungslage wird enger gesehen
  • weitgehender Ausfall der Schwarzmeerexporte
Bearish
  • Aktuelle Versorgungslage diese Wirtschaftsjahres gur durchschnittlich
  • Reservebestände bei den übrigen Exportstaaten außer Schwarzmeergebiet ausreichend
  • Wechselkursprobleme
  • Ukraine-Konflikt sorgt für Verunsicherungen

Getreidepreise wieder mit festem Boden unter den Füßen – im Gleichgewichtsniveau zur Versorgungslage

Nachdem zunehmend Klarheit darüber besteht, in welchem Maße die Exportbeschränkungen aus dem Schwarzmeergebiet  gehandhabt werden, richtet sich das Augenmerk wieder auf die grundlegende globale Versorgungslage, die sich als gut durchschnittlich präsentiert. Es sind genügend Reserven bei den exportorientierten Staaten vorhanden, die entstandene Angebotslücke aus Russland und der Ukraine zu füllen. Diese Einsichten  haben  zu deutlichen Kurskorrekturen  nach unten geführt, die sich in jüngster Zeit wieder gefangen haben. Das absehbare Kurs-Niveau entspricht den Erfahrungswerten einer bestimmten Zugehörigkeit von Versorgungslage gemessen am „stock to use ratio“ von 21,4 %.

In 1. Linie ist die EU gefragt, die aufgrund der Transportnähe zu den importierenden Mittelmeerstaaten über deutliche Wettbewerbsvorteile verfügt.  Ein schwacher Euro begünstigt die Konkurrenzsituation gegen über den Dollarabhängigen Anbietern. Dennoch zeigt der US-Export lebhafte Absätze, allerdings in andere Gebiete. Letztlich hat auch der dollarnotierte Weizenpreis kräftig an Federn gelassen, so dass die Wettbewerbsfähigkeit auf niedrigem Niveau durchaus vorhanden ist.

In Europa wirkt sich die starke Ausfuhrtätigkeit auf eine zunehmende Preisspreizung zwischen den hafennahen Standorten an Nord- und Ostseeküste und dem weiteren Hinterland aus. Die Hamburger Börsennotierung steht schon seit Monaten deutlich über den Pariser Terminkursen. Die Hamburger Notierungen lassen sich tendenziell auch weniger von kurzfristigen Bewegungen beeindrucken.  Notwendige Nachlieferungen aus dem weiteren Binnenmarkt sorgen aber hier für stabile Preistendenzen.

Im weiteren Verlauf des Getreidewirtschaftsjahres wird sich zunehmend heraus kristallisieren, dass die Endbestände in der EU deutlich kleiner ausfallen als zu Jahresbeginn angenommen wurde. Von den anfänglichen rd. 40 Mio. t werden es wohl nur rd 30 Mio. t werden, immerhin noch eine Größenordnung, die 5 Mio. t bis 9 Mio. t  über den beiden  Vorjahresergebnissen  liegt.

Allerdings relativiert sich diese Einschätzung vor dem Hintergrund der erwarteten EU-Getreideernte 2015. Die ersten Schätzungen gehen davon aus, dass bei durchschnittlichen  Ertragsbedingungen die kommende EU-Ernte um 10 bis 15 Mio. t niedriger ausfallen könnte. Wenn man eine gleichbleibende Nachfrage unterstellen kann, wird sich die Versorgungslage für die kommende  Kampagne nicht wesentlich gegenüber diesem Jahr verändern, in der Tendenz möglicherweise verschlechtern.

Entscheidend werden jedoch die Bedingungen in anderen Erzeugungsgebieten sein. Dabei schaut man mit kritischen Augen auf die Entwicklungen in Russland und der Ukraine, die bereits heute erhebliche schwächere Ernten signalisieren. Auch in den USA erwartet man keine Wiederholung einer Rekordernte wie im ablaufenden Jahr.  Die Anzeichen sprechen weltweit für eine weniger gute Versorgungslage im Jahre 2015/16.

Schon jetzt zeigen die späteren Terminkurse an den Börsen kaum nennenswerte Neigungen nach unten. Allerdings sind noch erhebliche Risiken nach beiden Seiten in die Kalkulation einzubringen.

Gedankenspiele um die Vermarktung der kommenden  Ernte wird man zurzeit eher mit gelassener Aufmerksamkeit  angehen.

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ZMP Live Expertenmeinung

Verunsicherungen infolge der Exportrestriktionen in Russland und der Ukraine sind kalkulierbarer geworden. Reservebestände der übrigen Exportstaaten sind zur Importbedarfsdeckung ausreichend vorhanden. Die aktuellen Notierungen bewegen sich in der Bandbreite von Kursen passend zur Versorgungslage.

Die zukünftige Versorgungslage wird weltweit kritischer eingestuft. Fallende Überhangbestände und erkennbare Ernteeinbußen in bedeutenden Erzeugungsgebieten untermauern diese Einschätzung. Risiken nach beiden Seiten bleiben.

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