Kräftige Steigerung der Schweinepreise für 08./09. KW - 2015
Die ISN-Internetbörse am Di, 17. Febr. 2015 hat zu einem Durchschnittspreis von 1,51 €/kg (+1 ct/kg zur Freitagsversteigerung) bei einer Spannbreite von 1,50 bis 153 €/kg geführt. Von den 3.215 angebotenen Schweinen blieb ein Überstand von 33 %.
Allgemeine Markt- und Preisentwicklung:
Die Schlachtzahlen in Deutschland bleiben in der 3. Woche in Folge unter der 1 Mio.-Stück-Grenze. Die Entwicklungen in den übrigen Regionen der EU sind unterschiedlich: das Lebendangebot in Italien ist auf 40.990 Stück um 5 % gestiegen, Frankreichs Gesamtangebot der Vorwoche liegt bei überdurchschnittlich hohen 388.271 Stück. Der Fleischabsatz wird von den Verkäufern jedoch deutlich günstiger beurteilt. Die Karnevalszeit hat nur geringe Bremswirkungen ausgelöst. Die industrielle Verarbeitung läuft auf guten Betriebstemperaturen. Die ersten Vorratsbestände für die Grillsaison werden aufgebaut.
Aktuelle Marktlage in wichtigen Erzeugungsgebieten:
Dänemark: Dänische Schweinepreise wurden in der 08. KW um +2,7 ct/kg erhöht. Die Schlachtzahlen liegen wieder im Durchschnittsbereich, aber über Vorjahreswerten. Für die kommende 09. KW (23. bis 27.Febr.) wird der Basispreis um +2,7 ct/kg erhöht .
In Frankreich/Bretagne wurden am kleinen Montagsmarkt (16.02.) +0,2 ct/kg bei rückläufigen Angebotsmengen gezahlt. Beim Donnerstagmarkt (19. Febr.) wurden + 5 ct/kg bezahlt. Die gemeldeten Schlachtzahlen für ganz Frankreich liegen im oberen Durchschnittsfeld.
Die niederländischen Schlachtunternehmen haben in der 08. KW zwischen 0 und +3 ct/kg ausgezahlt. Die Schlachtzahlen gehen zurück. Die Preise für die 09. KW sollen um +5 bis +7 ct/kg erhöht
Belgien: Die Schweinepreise in der 08. KW wurden bei nachlassenden Angebotsmengen durchschnittlich +3 bis +4 ct/kg notiert. Die Notierungen der Schlachtunternehmen für die 09. KW werden um +6 ct/kg. erhöht
Deutschland: Die gemeldeten Schlachtzahlen der zurückliegenden Woche haben mit 988.580 (Vorwoche 990.652 Vorvorwoche 995.384) Stück beträchtlich abgenommen. Für die kommende Periode von Donnerstag 19. Febr. bis Mittwoch 25. Febr. (8./9. KW) wurde der Vereinigungspreis auf 1,47 € je kg bzw. Indexpunkt um 7 ct/kg angehoben. Die Spanne wurde mit 1,46 – 1,48 €/kg nach obengesetzt. Die angekündigten Liefermengen der kommenden Woche bewegen sich mit 218.000 (Vorwoche 217.700 (VorVorwoche 219.231) Stück unter Durchschnittsniveau.
Der in Österreich geltende Mastschweine-Basispreis für die 07./08. KW wurde um +5 ct/kg angehoben. Die Notierung für den Basispreis für die 8./9. KW wurde um weitere +7 ct/kg erhöht.
Die Schweinepreise in Spanien wurden am12. Febr. um 3,1 ct/kg raufgesetzt und am Do, 19.Febr. nochmals um +4,5 ct/kg gesteigert worden.
In (Ober-)Italien wurden Schweinepreise in der 08. KW am Mo, 16.02. in Milano und Modena +0,4 ct/kg, am Di in Reggio Emilia um +0,5 ct/kg und in Cremona +1 ct/kg notiert. Die gemeldeten Schlachtzahlen sind auf 40.990 (Vorwoche 39.019 Vorvorwoche 39.325) Stück gestiegen.
Ausblick: Anhaltend niedrigere Schlachtzahlen bieten Spielraum für deutliche Preisaufbesserungen. Die Voranmeldungen deuten auf ein weiteres unterdurchschnittliches Lebendangebot hin. Anlaufende Exportgeschäfte infolge schwachen Eurokurses und der beginnende Vorratsaufbau für die Grillsaison entwickeln zunehmend positive Preiswirkungen.
Die US-Notierungen bei den Lean Hogs haben sich vorerst bei der Marke von 1,30 € je kg, festgesetzt. Die Marktlage wird als unsicher eingeschätzt, weil die Entwicklung bei den PEDv-Fällen hin und her geht. Bummelstreiks an den ostamerikanischen Hafenstandorten hat zu Ramschverkäufen geführt, bevor das Fleisch genussuntauglich wird. Bei ausbleibenden Seuchenschäden befürchtet man in den USA ein zu stark steigendes Angebot aus höheren Stückzahlen plus erhöhtes Schlachtgewicht. Aggressive US-Exporte im Verlauf des Jahres 2015 werden den EU-Exporten das Leben trotz schwachen Euro nicht leicht machen.
Die chinesischen Schweinepreise notieren mit 2,55 € je kg im durchschnittlichen Bereich. Für das neue Jahr 2015 prognostiziert das USDA verstärkte chinesische Schweinefleischimporte auf 1,36 Mio. t bzw. +17 % einschl. Hongkong.
Die russischen Schweinepreise bleiben auf hohem Niveau. Eine Umrechnung der halbierten Kaufkraft des Rubel verzerrt die tatsächlichen Wertverhältnisse. Staatliche Preiskontrollen sollen weitere Zunahmen verhindern. Eine Teilauflockerung des Importverbotes für Schweinefleisch auf der Basis der seuchenrechtlichen Regelungen vom Febr.2014 ist weitgehend im Sande verlaufen. Die Importverbotsregelungen vom 08. August 2015 bleiben unverändert.
Brasilianische Schweine liegen aufgrund der Währungsverhältnisse umgerechnet unter 1 €/kg (Region SC), allerdings verzerren die Wechselkurse zusätzlich die Ergebnisse.
ZMP Live Expertenmeinung
Die kritische Zeitspanne um den Jahreswechsel mit schwacher Binnennachfrage bei gleichzeigig drängenden Lebendangebot scheint überwunden zu sein. Es kristallisieren sich zunehmend die prognostizierten geringeren Lebendangebote in den nächsten Monaten sowohl bei den Schlachtzahlen wie den Voranmeldungen heraus. Auf der Nachfrageseite laufen der Frischfleischabsatz und die Verarbeitungsware wieder auf guten Betriebstemperaturen. Der schwache Eurokurs bringt Schwung in das Exportgeschäft, auch wenn die gesperrten Russlandimportmengen noch nicht voll kompensiert werden können. Preisstützend wirkt sich der anlaufende Vorratsaufbau für die Grillsaison aus. Die Stimmung in der EU hat sich deutlich aufgehellt.
Für das weitere Exportgeschäft ziehen jedoch dunkle Wolken auf. Das US-Schweinepreisniveau ist von über 2 €/kg auf 1,20 €/kg abgestürzt. Ein moderater PEDv-Seuchenverlauf bei um 4,6 % gestiegenen Sauenbeständen und anhaltend hoher Schlachtgewichte drohen zu einem weit überdurchschnittlichen Schweinefleischangebot in den nächsten Monaten zu führen. Angesichts eines überforderten US-Inlandsmarktes drücken die zusätzlichen Mengen in den Export.
Brasilianische Schweinepreise unter 1 €/kg unterbieten auf den internationalen Märkten jedes Konkurrenzangebot.
Das Absatzventil der EU mit einem rd 10 % igen Exportanteil wird aller Voraussicht nach in Mitleidenschaft gezogen. Eine erkennbare Deckelung des künftigen Preisaufschwungs ist nicht von der Hand zu weisen.