Kartoffeln: Die Preise steigen !

April-Basis zwischen 1,2 und 4,9 €/dt

Noch vor dem Ende der mitteleuropäischen Kartoffelernte gibt es sowohl für Frittenrohstoff als auch für frische Speisekartoffeln erste Preissteigerungen. Der Export nach Nordafrika sorgt in Holland und Belgien für eine nachhaltige Marktentlastung und die Nachfrage nach Konsum- und Stärkekartoffeln war zuletzt auch hierzulande sehr gut. Die Kassanotierungen in Belgien und Frankreich stiegen bereits in der zweiten Woche in Folge. Nun wollen auch die Produzenten von Speiseware höhere Auszahlungspreise.

Weißfleischiger Frittenrohstoff, z.B. der Sorte Bintje, wird bevorzugt und deshalb auch am besten bezahlt. Diese Sorte hat neben der in England, Algerien und Tunesien gewünschten hellen Fleischfarbe den Vorteil, dass sie in diesem Jahr nicht so grob fällt. Die europäischen Verarbeiter suchen schon seit Wochen kleine Sortiermaße für ihre speziell auf kleine Knollen ausgelegten Produkte. Die Belgapom notiert für Frittenrohstoff in der Sortierung 35 mm+ nun bereits mit 8,25 €/dt, 25 Cent mehr als in der Vorwoche, als bereits 1€/dt hinzukam. Die Franzosen steigerten die 40 mm+ Notierung auf 9 €/dt. Dagegen liegt der von der ZMP erhobene deutsche Anteil am RMX-Index, der nun in dieser Saison zum ersten Mal festgestellt wurde, noch weit abgeschlagen auf 7,58 €/dt.

Für die Fertigstellung des gesamten Index auf Veredelungskartoffeln der Hannoveraner Terminbörse fehlt nur noch die Rotterdamer Notierung. Damit ist aber erst Anfang November zu rechnen, wird von Repräsentanten des holländischen Kartoffelhandelsverbandes NAO berichtet. Ohne diese errechnet sich derzeit ein Durchschnittspreis von 8,3 €/dt. Der Abstand zur April-Börsennotierung beträgt mithin 3,8 €/dt, den man für die Haltekosten (Lagerkosten, Qualitätserhalt und Zinsen) wohl auch dringend braucht. Bei einem theoretischen linearen Preisanstieg bis April nächsten Jahres, ergibt sich eine nur flache Kurve. Ein derart moderater Lageraufschlag lässt erwarten, dass eine stetige Abgabebereitschaft vorhanden sein wird. Deshalb bezeichnen Marktanalysten die Notierungen als solide und als gute Voraussetzung für einen ruhigen Marktverlauf.

Anders sieht es bei den Speisekartoffelnotierungen aus. Der Index hierfür wurde nun erstmals in dieser Saison mit 12,2 €/dt festgestellt, die Terminmarktnotierung für April-08 liegt mit 13,6 aber nur 1,4 €/dt darüber. Das könnte ein Indiz dafür sein, dass entweder schon bald ein größeres Kartoffelangebot droht und der Kassapreis unter Druck gerät, oder dass die Terminmarktnotierungen steigen. Mit einem Lagernutzen von 1,2 €/dt kann man nämlich kaum die stets steigenden Qualitätsansprüche der Käufer erfüllen. Da die Ernte der Speiseware in Deutschland bereits als beendet gilt, erheben die Bauern höhere Forderungen. Schließlich hat man mit der Zwischenlagerung und dem damit einhergehenden Schwitzverlust bereits einen Aufwand betrieben, der mindestens 10 % der gesamten Produktionskosten ausmacht.

Mit einem so knappen Lagernutzen wollen sich auch die Briten nicht zufrieden geben. Die Basis zwischen dem aktuellen BPC-Index, der zurzeit auf 16,8 €/dt steht und der April-08-Börsennotierung von 21,7 €/dt beträgt immerhin 4,9 €/dt. Auch das wird von Analysten zwar nicht als unrealistisch, aber bereits sehr ambitioniert bezeichnet. Schließlich gilt die Kartoffelernte der alten EU (EU-15) mit einem Mengenplus von 4 Mio. Tonnen für den Eigenbedarf als ausreichend. Die international operierenden Kartoffelverarbeiter haben längst damit begonnen, Rohstoff vom EU-Festland auf die britische Insel zu verfrachten.

Die Phantasien sind also je nach Mentalität der Marktbeteiligten und der Verwertungsrichtungen ganz unterschiedlich ausgeprägt. Die großen Unbekannten bleiben wohl vorerst das Exportpotential und die Qualität. Es werden neben einem großen Bedarf aus Nordafrika auch Anfragen aus Südeuropa registriert. Die Realisierung dieser Geschäfte hängt aber maßgeblich von den Forderungen der Exporteure ab. Da in den Empfängerländern wohl zunächst die eigene Ernte verbraucht wird und mit dem wertvollen Rohstoff erfahrungsgemäß umsichtig umgegangen wird, sind höhere Preise hierzulande für ein stetiges Exportgeschäft kontraproduktiv. Das könnte sich schon Ende Oktober zeigen, wenn Algerien nämlich einen Importzoll von 40 % erheben wird um die eigenen Produzenten zu schützen. Die EU-Exporteure sind sich aber sicher, dass im weiteren Verlauf der Vermarktungssaison umfangreich in weit entfernte Länder verladen wird. Algerische Behörden haben in der zurückliegenden Woche schließlich auch die Spezifikationen für Importpflanzgut gelockert. – In der Not frisst der Teufel Fliegen.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH

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