Richard Ebert
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° Rohöl: Opec mit Kriegserklärung gegen den Rest der Welt

Der Überraschungs-Coup der Opec ist eine Art Kriegserklärung gegen den Rest der Welt – Das Kartell spielt mit dem Feuer

(25.09.2003) Der Coup, den die Opec am Mittwoch gelandet hat, war von der Qualität, die Märkte nicht nur zu überraschen pflegt, sondern auch gehörig durcheinanderbringt. Was die Medien in ihrer unersetzlichen Gier nach Superlativen üblicherweise als Überraschung darbieten, verblasst vor diesem Streich des Kartells. Diesmal hat eine Nachricht wirklich die Preise gemacht.

Es handelt sich keineswegs um ein Ereignis, das bis übermorgen wieder vergessen ist. Vielmehr werden sich die Folgen dieses Schritts erst mit der Zeit entfalten. Es kann durchaus sein, dass Ursache und Wirkung des Coups wegen der chronisch gewordenen Vergesslichkeit schon in einigen Wochen nicht mehr auseinandergehalten werden können. Daher sollen einige Aspekte zur späteren Erinnerung festgehalten werden.

Das Verwunderliche an der doch beträchtlichen Senkung der Ölförderung vom 1. November an ist zum einen, dass die Strippenzieher unter den Kartellmitgliedern bis zur letzten Minute dichtgehalten haben. Normalerweise wird im Vorfeld einer Opec-Sitzung so viel palavert, dass jeder, der die Kräfteverhältnisse innerhalb dieses Kreises einigermaßen kennt, weiß, wie das Ergebnis aussieht.

Verwunderlich ist auch, dass sich das Kartell schon nach wenigen Stunden einig war. Die Tagung war entweder ausgezeichnet vorbereitet. Dagegen spricht, dass das Ergebnis zuvor nicht durchgesickert ist, ja noch nicht einmal ein Anflug von einer Andeutung zu vernehmen war. Oder Saudi Arabien gab von Anfang an den Ton an und erklärte seinen unerschütterlichen Willen zu dieser Produktionssenkung. Jeder weiß, dass an den Saudis kein Weg vorbeiführt.

Verwunderlich ist ferner, wie die Opec zu dem Schluss gelangen konnte, dass der Ölmarkt mit Blick auf den beginnenden Herbst und den nahenden Winter reichlich versorgt sein könnte. Für den Augenblick sind Angebot und Nachfrage statistisch gewiss im Lot. Es bleibt sogar noch etwas übrig, um die Bestände aufzufüllen. Doch diese Vorräte liegen in den Ländern der OECD deutlich unter dem Niveau, das zu dieser Jahreszeit als normal angesehen werden kann.

Am Verwunderlichsten aber ist, dass der Beschluss des Kartells vom 24. September am Ende eines scharfen Preisverfalls kam. Wer mit den latenten Versorgungsproblemen am Ölmarkt nicht vertraut ist, wird die Entscheidung vor dem Hintergrund des Preiseinbruchs vielleicht akzeptieren. Hätte sich der Preis bei 30 Dollar je Barrel bewegt, wäre der Beschluss gewiss schwer zu vermitteln gewesen.

Wir wagen die These, dass die Opec am jüngsten Preiseinbruch mitgewirkt hat, zwar nicht ursächlich, aber doch fördernd über ihr nahe stehende Kreise. In einer für sie ausgesprochen günstigen markttechnischen Situation hat sie Fakten gesetzt, die ihr ein gewaltiges Stück Kontrolle über den Markt zurückgeben.

Doch der Test dieser Macht steht noch aus. Zum einen fragt sich, ob die bemerkenswert hohe Förderdisziplin der jüngeren Vergangenheit fortbesteht. Zum anderen spricht einiges dafür, dass die Produktionssenkung Versorgungsengpässe entstehen lässt und den Ölpreis innerhalb der nächsten Monate weit nach oben treibt.

Inflation würde dies angesichts der starken deflationsträchtigen Tendenzen nicht entfachen, jedoch den ohnehin vorgezeichneten nächsten Abschwung der Weltkonjunktur beschleunigen und auch verstärken. Die Unternehmen und die privaten Haushalte könnten die steigenden Ölkosten nicht ohne weiteren Investitions- und Konsumverzicht auffangen.

So spielt die Opec mit dem Feuer, wohlwissend, was sie anrichten kann. Diese Produktionssenkung und ihre wundersamen Umstände müssen als eine Art Kriegserklärung gegen den Rest der Welt verstanden werden.

(Quelle: Arnd Hildebrandt, Taurosweb)

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