23.
02.15
19:01

Indien: Mit Gentechnik zur zweiten Grünen Revolution

Genetisch veränderte Senfpflanzen könnten in Indien bereits in zwei Jahren kommerziell angebaut werden. Die Feldversuche befinden sich bereits kurz vor dem Abschluss, sagten leitendende Wissenschaftler eines GM-Projekts in Neu Delhi. In 2010 hatte Indien einen Zulassungsstopp für eine GM-Aubergine erlassen, um die Artenvielfalt und Lebensmittelsicherheit nicht zu gefährden. Andere Feldversuche wurden formal nicht gestoppt, aber seither befindet sich die Regulierung in einer Sackgasse. Angesichts einer erwarteten Bevölkerungszahl von mehr als 1,5 Mrd. Menschen in 2030 (mehr als in China) steht die Regierung Modi vor der Herausforderung, die jämmerliche Produktivität der indischen Landwirtschaft zu steigern. Der Umweltminister sagte letzte Woche gegenüber Reuters, man habe das Mandat, eine wissenschaftliche Bewertung auch wissenschaftlich weiter zu entwickeln.
Der heutige Premierminister Modi selber hatte vor 10 Jahren die Erlaubnis für GM-Baumwolle erteilt. Der Züchter, ein indisches Unternehmen, hat dafür auch die Pestizide entwickelt und es wurde für das Land ein großer Erfolg. 95 % der 11,6 Mio. Hektar aller indischen Baumwolle wird mit genetisch verändertem Saatgut bestellt. Von einem Netto-Importeur entwickelte Indien sich zum zweitgrößten Anbieter von Baumwollfasern weltweit. Die Basis der Regierungspartei war bisher aber gegen Gentechnik, die bekanntlich von Multinationalen Konzernen entwickelt wurde; man will von Monsanto, DuPont Pioneer, Dow Chemical und Syngenta unabhängig bleiben.
In den 1960er Jahren machte sich Indien weitestgehend unabhängig von Lebensmittelimporten, nachdem die erste Grüne Revolution ausgerufen wurde. Ertragreiches Saatgut, Düngemittel und Beregnungsmaßnahmen wurden eingeführt. Jetzt möchte Modi diesen Erfolg bei den Ölpflanzen, wo Indien zu 60 % von Importen im Wert von bis zu $10 Mrd. abhängig ist, wiederholen. Speiseöl ist der drittgrößte Importartikel Indiens nach Rohöl und Gold.
Die Feldversuche mit den Senfpflanzen versprechen die höchsten Ölerträge, sagt der Forschungsleiter Deepark Pental, der Delhi Universität, der die Genforschung mit Senfpflanzen während seiner Wissenschaftlichen Arbeiten in Großbritannien begründete. Die Genehmigung für Feldversuche wurde im August 2014 erteilt, obwohl es noch keine Unbedenklichkeitserklärungen vom Staat gab. Erst im vergangenen Monat wurde diese im Punjab neben Senf auch für Reis, Kichererbsen, Mais und Aubergine und weitere Baumwollzüchtungen erteilt. Die Regierung hofft nun, dass das GM-Senfsaatgut in zwei Jahren für die kommerzielle Landwirtschaft verfügbar ist.

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