8.000 Hektar Kartoffeln in der Negev-Wüste erfroren
Bessere Preise für EU-Kartoffelvorräte?
In der Woche vom 12. bis 19. Januar wurden die Bauern im Süden Israels von einer Kältewelle überrascht. Die Temperaturen sanken in drei Nächten sogar auf Minus 5 °C. Erst in diesen Tagen wird das Ausmaß der Schäden sichtbar. Neben Obst und Gemüse sind in erster Linie Frühkartoffeln betroffen, die zum größten Teil für den Export nach Europa vorgesehen waren.
Das israelische Landwirtschaftsministerium beziffert den Schaden auf insgesamt 90 Mio. Euro. Die Preise für Gemüse, wie Zucchini und Auberginen, haben sich schlagartig verdoppelt. Es sind bereits Lieferengpässe entstanden. Da die meisten Produkte nun für den Export nicht mehr geeignet sind, verfielen aber die Notierungen anderer Produkte, denn die Bauern versuchen nun noch zu retten, was zu retten ist und überschütten damit ihren heimischen Markt.
Unter allen Früchten ist aber wohl bei Kartoffeln der ärgste Schaden entstanden. Immerhin sind 70.000 dunams, das sind umgerechnet 7.875 ha betroffen. Es gibt immer noch keine offiziellen Schätzungen, weshalb die Aussagen von Fachleuten recht unterschiedlich ausfallen. Das israelische Landwirtschaftsministerium glaubt, dass nur noch 150.000 Tonnen Wintercrop für den Export zur Verfügung stehen werden - rund 100.000 Tonnen weniger als geplant. Auch die für den Frühlingsexport geplanten 80.000 Tonnen dürften deutlich geringer ausfallen. Diese noch sehr jungen Pflanzen könnten sich aber noch erholen und so den Schaden verringern. Im Vorjahr gelangten laut ZMP-Angaben aus Israel insgesamt rund 208.000 Tonnen Kartoffeln nach Europa. Großbritannien und Osteuropa waren die größten Käufer. Darüber hinaus kaufte auch Russland eine erhebliche Menge.
Laut dem israelischen Nachrichtenmagazin Haaretz haben die Bauern damit begonnen, nun ihre kleinkalibrigen Winterkartoffeln frühzeitig zu vermarkten um mögliche Folgeschäden zu vermeiden. Daraus folgt in drei Monaten eine Unterversorgung mit deutlichen Preissteigerungen, so die Erwartung des Korrespondenten.
Die Einkäufer hierzulande bewerten die Lage noch recht unterschiedlich. Die meisten glauben, dass der Ausfall keine 100.000 Tonnen betragen wird. Für den Fall, dass es aber doch so sein sollte, treffen andere bereits Vorkehrungen, indem sie sich aus anderen Lieferregionen, wie z.B. Ägypten, mehr Frühkartoffeln sichern. Israels Exporteure haben es in den letzen Jahren verstanden, ihre Kartoffeln im Premiumbereich zu platzieren. Mögliche optische Einbußen als Folge der Kälte werden von den Einkäufern nicht toleriert. Deshalb dürfte das Hochpreissegment in den nächsten Monaten knapp versorgt bleiben.
Zumal auch Zypern, das für den EU-Kartoffelimport vier-wichtigste Land, aufgrund von Wasserknappheit eine erheblich kleinere Ernte erwartet. Ägyptens Frühkartoffeln und Frankreichs Lagerware werden deshalb wohl am meisten von der Notlage im Nahen Osten profitieren, so die Meinung in den hiesigen Packstationen. Während in diesem Jahr aus dem Land am Nil jedoch nur maximal die gleiche Menge wie im Vorjahr zur Verfügung steht, suchen die Franzosen immer noch nach Käufern für ihre große Vorjahresernte. Aber auch der alterntige Verarbeitungsrohstoff ist bereits von dieser Entwicklung betroffen, denn Israel kaufte in diesen Tagen die Sorten Fontane und Innovator in Holland.
Mittelfristig dürften die Einflüsse auf unseren Markt aber noch deutlicher werden, denn es stand zuletzt auf Messers Schneide, ob Russland eine größere Kartoffelmenge in Europa kauft. Nach der Kältewelle in Israel, die in abgeschwächter Form den gesamten östlichen Mittelmeerraum erfasste und dort überall Ertragseinbußen verursachte, erhöht sich nun die Wahrscheinlichkeit, dass Russland in Frankreich, Holland und Belgien Lagerkartoffeln kauft. Sobald diese Verladungen beginnen, dürften auch die restlichen EU-Vorräte nicht mehr billiger werden. Erst dann beträfe das auch indirekt die deutsche Produktion. Hiesige Lagerware stand bis zuletzt so umfangreich zur Verfügung, dass die Nachfrage der privaten Haushalte alleine nicht ausreichte, um das Angebot aufzunehmen und so flossen bereits größere Mengen Speisekartoffeln in die Kartoffeln verarbeitende Industrie.
Auch die deutschen Frühkartoffelerzeuger hoffen auf einen positiven Effekt auf ihre Erlöse. Sie können aufgrund der DKHV-Forderung nach festschaligen Frühkartoffeln, erst ab Mitte Juni den deutschen Markt bedienen- 14 Tage später als üblich. Dann sollte das begrenzte Angebot aus dem Süden längst verkauft sein.
Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH
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