Europas Börsen erholen sich deutlich - Aussagen der EZB stützen
DJ Europas Börsen erholen sich deutlich - Aussagen der EZB stützen
FRANKFURT (Dow Jones)--Die europäischen Börsen haben am Donnerstag nach zunächst zurückhaltendem Geschäft deutlich zugelegt. Nach dem Ende der Sitzung der Europäischen Zentralbank und der anschließenden Pressekonferenz ging es kräftig nach oben. Der Leitzins wurde unverändert bei 1,25% belassen und eine neuerliche Zinsanhebung im Juli in der anschließenden Pressekonferenz rhetorisch vorbereitet. "Das war genau das, was die Märkte erwartet haben", meinte ein Händler. Damit sei die Unsicherheit, die die Märkte in den Vortagen belastet habe, nun vorbei. "Die EZB will mit den Zinsen nach oben, sich dabei aber Zeit lassen", interpretierte ein Volkswirt die Aussagen von EZB-Präsident Trichet. Einerseits seien die Inflationsrisiken betont worden, andererseits werde im kommenden Jahr mit einem Mittelwert von 1,7% Zuwachs kein stärkerer inflationärer Druck prognostiziert. Ein ausgeprägter Zinszyklus lasse sich daraus nicht ableiten. Zudem will die EZB den Bankensektor weiterhin mit reichlich Liquidität versorgen.
Diese zurückhaltende Einstellung der Zentralbank kam an den Börsen gut an. Der Euro-Stoxx-50 legte um 1,0% bzw 26 auf 2.778 Punkte zu, der Stoxx-50 rückte um 1% oder 25 auf 2.542 Stellen vor. Dabei stützten auch die Gewinne im frühen US-Geschäft.
Autowerte erholen sich
Automobilwerte konnten sich mit 1,9% Aufschlag kräftig erholen. Ein Bericht im "Handelsblatt" über verkürzte Werksferien stützte besonders die deutschen Aktien. Nach der bereits 2010 starken Produktion dürfte die gute Nachfrage mindestens bis in dritte Quartal 2011 fortdauern, meinten die Analysten von Silvia Quandt Research. BMW gewannen 3,2% auf 62,93 EUR und VW 3% auf 127,50 EUR. Ölwerte profitieren von Uneinigkeit der OPEC Ölwerte reagierten mit einem Plus von 1,6% auf den Anstieg des Ölpreises. Zur Wochenmitte hatte die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC), anders als von vielen Marktteilnehmern erwartet, die Förderquoten nicht erhöht. OMV verteuerten sich dabei um 1,5% auf 28,54 EUR. Die Aktien des österreichischen Öl- und Gasunternehmens profitierten Händlern zufolge auch von einer Heraufstufung auf "Buy" von "Hold" durch die Analysten der ING.
Versorger durch Studie beflügelt
Mit 1,5% Aufschlag war auch der Versorgersektor gefragt. Die Analysten der Royal Bank of Scotland halten die marktunterdurchschnittliche Entwicklung von E.ON, RWE, GDF Suez und Electricite de France seit dem Erdbeben in Japan vom 11. März für überzogen. Der Markt habe bislang die Wirkung der steigenden Preise für Strom und Gas nicht zur Kenntnis genommen.
Stattdessen richte er den Blick vor allem auf die politischen Entwicklungen in Deutschland und Frankreich bezüglich der künftigen Energieversorgung. GDF und EDF wurden im Rahmen der Studie auf "Buy" von "Hold" angehoben. EDF stiegen um 1% auf 27,33 EUR, GDF um 1,1% auf 24,69 EUR.
Bankenwerte schließen uneinheitlich
Bei den Bankentiteln, die im Schnitt um 0,3% anzogen, war keine einheitliche Entwicklung zu beobachten. Die Aussagen von EZB-Präsident Trichet wurden von Volkswirten zum Teil unterschiedlich gedeutet. Mit Blick auf Griechenland lehnt Trichet weiterhin alles ab, was ein Kreditereignis darstellen könnte. Die EZB weise alle Konzepte ab, die nicht auf völliger Freiwilligkeit basierten, sagte er. Nach Einschätzung von ING-Volkswirt Carsten Brzeski ist die EZB derzeit gleichwohl dabei, ihren Widerstand gegen eine "weiche Restrukturierung" der griechischen Staatsschulden aufzugeben, obwohl es auch aus Sicht von Ratingagenturen schwer werden dürfte, eine scharfe Trennlinie zwischen freiwillig und unfreiwillig zu ziehen.
Dagegen meinte Heinrich Bayer von der Postbank, es sei ganz sicher nicht die Intention der EZB, die Laufzeit ihrer eigenen Bestände an griechischen Staatsanleihen zu verlängern. Die EZB halte damit den Druck auf die Finanzpolitik aufrecht, eine Lösung für die griechische Schuldenkrise ohne zwangsweise Einbeziehung des Privatsektors zu finden. Von den großen europäischen Bankenwerten schloss ein Teil mit leichten Verlusten, während die übrigen etwas zulegten.
Europäische Schlussindizes am Donnerstag, 9. Juni .=== . Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung . stand absolut in % seit . Jahresbeginn Europa Euro-Stoxx-50 2778,12 26,06 0,9 -0,5 . Stoxx-50 2541,82 24,86 1,0 -1,7 . Stoxx-600 271,76 2,75 1,0 -1,5 Frankfurt XETRA-DAX 7159,66 99,43 1,4 3,6 London FTSE-100 5856,34 47,45 0,8 -0,7 Paris CAC-40 3878,65 40,67 1,1 1,9 Amsterdam AEX 338,04 2,39 0,7 -4,7 Athen ATHEX-20 564,70 3,27 0,6 -14,8 Brüssel BEL-20 2615,74 16,94 0,7 1,4 Budapest BUX 23213,21 18,17 0,1 8,8 Helsinki OMXH-25 2430,66 37,98 1,6 -7,5 Istanbul NAT30 77692,52 -375,93 -0,5 -4,5 Kopenhagen OMXC-20 439,76 1,95 0,4 -3,9 Madrid IBEX-35 10121,70 39,20 0,4 2,7 Mailand FTSE-MIB 20389,59 112,31 0,6 1,1 Moskau RTS 1940,98 29,57 1,5 9,6 Oslo OBX 391,61 3,24 0,8 -2,2 Prag PX 1206,70 -11,70 -1,0 -1,5 Stockholm OMXS-30 1112,25 9,28 0,8 -3,7 Warschau WIG-20 2871,69 -12,48 -0,4 4,6 Wien ATX 2718,61 16,75 0,6 -6,4 Zürich SMI 6271,01 14,15 0,2 -2,6 .=== DJG/mif/cln
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June 09, 2011 12:37 ET (16:37 GMT)
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