Frankreichs Kartoffelwirtschaft erleidet Rekordernte und schwachen Kon
Preise nachhaltig auf Baisse gestimmt
Nach der zeitgleichen Veröffentlichung durch das Statistikamt Agreste und dem Fachverband CNIPT in der letzten Woche gibt es keinen Zweifel mehr: Frankreichs Kartoffelwirtschaft hat erneut ein Mengenproblem. Auf einer um 1.000 ha ausgeweiteten Anbaufläche von nun 113.000 ha wuchsen Rekorderträge von durchschnittlich 456 dt/ha heran. Die Ernte von 5,178 Mio. Tonnen Konsumkartoffeln übersteigt sogar das bisherige Rekordergebnis von 2007. Die Gesamternte einschließlich Stärke- und Frühkartoffeln beträgt in diesem Jahr 7,2 Mio. Tonnen, soviel wie in 2004.
Diese ernüchternden Nachrichten kommen zur Unzeit. Der Konsum sowohl von Frischkartoffeln (Minus 5 %) als auch von Kartoffelprodukten (Fritten Minus1,2 %, Püree und andere Produkte aus Flocken Minus 8,5 %) geht gegenüber dem Vorjahr signifikant zurück. Für Verkäufer brechen deshalb schwere Zeiten an. Die Bauern ohne vertragliche Bindung drängen mit Ihren Knollen ohne Disziplin auf den Markt. Speisekartoffeln in 25 kg-Säcken sollen schon für 5 €/dt zu haben sein und noch bevor der Absatz ins Ausland überhaupt eingesetzt hat, redet man schon von einem Rückgang der Nachfrage. Der größte ausländische Kunde Spanien hat auch zu viele Kartoffeln geerntet. In den Vorjahren wurden bis zu 700.000 Tonnen frische Speisekartoffeln aus Frankreich dorthin abgesetzt, in diesem Jahr dürften es nur 500.000 Tonnen werden, unken die Marktanalysten. Italienische Käufer waren schon da, haben sich aber wieder zurückgezogen; möglicherweise will man auf „bessere“ Preise warten.
Selbst das Premiumsegment, also die hellschaligen, vorwiegend festkochenden Sorten in der Farbkategorie 7,5 sind unter 10 €/dt zurück notiert worden, ein Minus von 10 % gegenüber der Vorwoche. Das sind Angebote, die schon bald auch in deutschen Regalen zu finden sein werden; die deutschen Packstationen müssen sich auf einen harten Wettbewerb einstellen. Vorerst wehrt man sich mit dem Argument, dass die Franzosen es versäumt haben, sich zertifizieren zu lassen. Und auch die Transportkosten verhindern noch gleiche Preise, aber im Westen, wo auch aus deutschen Überschussregionen hohe Vorfrachten kalkuliert werden müssen, wird es nicht mehr lange dauern, bis französische Knollen den niedersächsischen Belana und Co. den Platz strittig machen. Französische Versender sind in diesem Jahr ganz besonders darauf angewiesen, an die Exporterfolge der Vorjahre anzuknüpfen.
Schon die Überschüsse im letzten Frühjahr mussten unter schmerzlichen Preiszugeständnissen den Herstellern von Trockenprodukten angeboten werden, man konnte aber liefern. Ob das in diesem Jahr auch so noch funktioniert, ist noch offen. Ein Konsumrückgang in dieser Sparte von 8,5 % lässt hohe Produktbestände vermuten. Irgendwann sind die Kapazitäten aber erschöpft, es sei denn man kann exportieren. Bei einem Wechselkurs von mehr als 1,5 € zum US$ ist das aber nur bedingt möglich.
Unter diesen Umständen wundert es kaum, dass der SNM-Preis gestern um knapp zehn Prozent zurückgenommen wurde. Trotz eines Ausgleichsfaktors von 60 Cent, den die Eurex anwendet, um die Preise besser vergleichen zu können, notieren nun die Franzosen ihren Frittenrohstoff mit 6,3 €/dt an der Unterkante der im Veredelungskartoffelindex gebündelten vier Ländernotierungen. Damit lösen sie Deutschland ab, die nun zusammen mit Belgien den zweiten Platz einnehmen. Aber auch die Belgapom notierte gestern um 25 Cent schwächer und fordern damit die führenden Niederländer zu einer Reaktion heraus, am Montag nachzurücken. Am kommenden Donnerstag wird der Eurex-Index nur noch 6,6 € sein.
Die Basis, also der Abstand zwischen Kassapreisen und den April-2010-Börsenkursen, ist also immerhin 2,2 €/dt und bleibt für die Landwirte die beste Alternative, sich höhere Preise und damit ihre Haltekosten zu sichern. Das wird auch weiter gut genutzt, denn an der Terminböse in Frankfurt werden durchschnittlich mehr als 150 Lots mit je 25 Tonnen Kartoffeln pro Tag umgeschlagen. Die Verlustrisiken im Kassamarkt sind für Produzenten enorm groß. Bei hohen Produktionskosten und sinkenden Erlösen werden die meisten Kartoffelbauern, die sich weder den Absatz noch die Preise gesichert haben Verluste aufschreiben. Als Folge vermuten viele Marktbeobachter einen erneuten Rückgang der Anbaufläche. Diese Fantasie hält die Börsenpreise für die April-2011 Veredelungskartoffelfutures auf einem kostendeckenden Niveau. Landwirte, die nicht an eine schnelle Marktbereinigung glauben und den Kartoffelanbau beibehalten wollen, sollten sich auch diese attraktiven Preise sichern.
Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH