Kartoffeln: 2008 das „Internationale Jahr der Kartoffel“

Die Vereinten Nationen haben das „Internationale Jahr der Kartoffel 2008“ ausgerufen. Damit will die UNO auf ein Nahrungsmittel aufmerksam machen, das für die Welternährung eine zunehmende Bedeutung im Kampf gegen Hunger und Armut erlangt. Kartoffeln sättigen, haben einen hohen Gehalt an Vitamin C und Kalium. Zudem haben sie ein höheres Ertragspotential und sind in kürzerer Zeit zum Verzehr geeignet als etwa Reis oder Weizen. In Asien, Afrika und Lateinamerika, also in den Regionen der Welt, die das stärkste Bevölkerungswachstum aufweisen, ist die Jahresproduktion seit den 60er Jahren von 30 Mio. Tonnen auf ca. 120 Mio. Tonnen zu Mitte der 90er angewachsen.

In den kommenden 20 Jahren wird die Weltbevölkerung um jährlich 100 Mio. Menschen anwachsen. Es ist zu erwarten, dass die heute schon spürbaren Knappheitstendenzen in der Lebensmittelversorgung immer häufiger auftreten und dass steigende Lebensmittelpreise dazu führen, dass sich arme Menschen nicht mehr ausreichend gesund ernähren können. Kartoffeln zusammen mit einem proteinreichen Lebensmittel, wie Milch oder Fisch bilden eine vollwertige Mahlzeit. Der Mensch könnte sogar von Kartoffeln allein leben, Reis dagegen liefert nur Kohlehydrate.

Reis ist mit Abstand die bedeutendste Frucht weltweit, gefolgt von Weizen. In Europa, Nord Amerika und der ehemaligen Sowjetunion wurden bis 2005 die meisten Kartoffeln produziert und verzehrt. Mittlerweile haben China und Indien die Führungsrolle übernommen. Neben dieser rasanten Entwicklung in den ärmeren Ländern, nimmt der Hunger nach Kartoffel- und Milchprodukten in Ländern wie China und Japan spürbar zu. Lieferanten am Weltmarkt sind in erster Linie Mitteleuropa und der Norden Amerikas. Hier erntet man die höchsten Erträge. Die Spitzenerträge in Europa liegen schon mal bei 70 Tonnen/ha, die durchschnittlichen Werte liegen aber bei gut 42 Tonnen/ha. Ein Ertrag, der nur noch in den USA erreicht wird. Für die wirtschaftliche Auslastung der Fabriken benötigt man zudem eine gut funktionierende Infrastruktur, die in der nötigen Dichte nur in Europa zu finden ist.

In Asien holt man indes noch nicht einmal regelmäßig 20 Tonnen vom Hektar und trotzdem erzeugen die Kartoffelbauern viel mehr Nährwerte auf der Fläche, als bei der Reisproduktion. Die Produktion der Knollen dauert nur 90 bis 100 Tage, die Reisernte benötigt 120 bis 140 Tage. Darüber hinaus gedeihen Kartoffeln mit weniger Wasser, was bei zunehmender Wasserverknappung zum wichtigen Argument gegen Reis wird. Seit Generationen sind die Flächen für die Eigenversorgung vieler Familien in Asien immer mehr zerstückelt worden und bei zunehmenden Wetterextremen benötigen sie deshalb robuste Früchte. Das Jahr der Kartoffel geht mit Wissenschaftsprojekten einher, die die Kartoffelproduktion fördern und den Reisanbau zurückdrängen soll.

Die Preise für Kartoffeln sind weltweit, gemessen an der Entwicklung anderer landwirtschaftlicher Erzeugnisse, weit weniger stark angestiegen. Schuld war eine jahrelange Überversorgung. Nachdem die Getreidepreise aber in diesem Jahr nahezu doppelt so teuer geworden sind und zudem durch die Produktion von Ethanol und Biodiesel der Wettbewerb um die Fläche vollends entbrannt ist, werden auch die Preise für Kartoffeln mittelfristig anziehen. Zurzeit wird die Vorzüglichkeit der Kartoffelproduktion gegenüber Getreide gerade bei Trockenprodukten und der Stärkeproduktion deutlich. Unter den genannten Umständen ist zu erwarten, dass auch in Europa eine stabile, wenn nicht sogar erweiterte Kartoffelanbaufläche benötigt wird. Den hohen Transportaufwand, der bei steigenden Energiepreisen von großer Bedeutung ist, kann man immer noch mit den doppelt so hohen Hektarerträgen sowie der hervorragenden Infrastruktur nahe der Hafenplätze gut kompensieren. Es ist zu bezweifeln, dass die Ausweitung des Kartoffelanbaus in Asien mit dem rasanten Bevölkerungswachstum Schritt halten kann.

Sieht man in den reichen Ländern Europas mal von der besorgniserregenden Entwicklung beim Verzehr von Frischkartoffeln ab, so kann die Kartoffelindustrie insgesamt auf eine gute Zukunft blicken. Einzig die Packstationen haben keine befriedigende Auslastung ihres immer teurer werdenden Maschinenparks. Das und die immer höheren Ansprüche an die Produktsicherheit treiben die Stückkosten in die Höhe, sodass die Margen der Händler überproportional stark steigen müssen. Da die Rohstoffpreise jedoch maßgeblich vom Bedarf insgesamt, also auch vom Export beeinflusst werden, werden auch die Preise für Frischkartoffeln im Zuge der boomenden Gesamtentwicklung anziehen. Für den europäischen Verbraucher werden die Knollen aus dem Supermarkt also teurer. Gemessen an anderen Lebensmitteln bleiben sie aber ein preiswertes Lebensmittel.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH
http://www.hansa-terminhandel.de

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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