Kartoffeln: Angebot der letzten Vorräte kommt zur Unzeit

PCA will nächste Woche Bestände erheben

Die Fachleute im Kartoffelmarkt sind sich darüber einig, dass die Kartoffelvorräte in Mitteleuropa sehr klein ausfallen. Die belgische Erzeugerorganisation PCA will dazu bei seinen Mitgliedern in der kommenden Woche das Ergebnis einer weiteren Erhebung veröffentlichen. Möglicherweise gelingt es ihnen damit, den dramatischen Preisverfall im Kassamarkt und an der Börse zu stoppen. Die Kursverluste wurden durch Kaufzurückhaltung der Kartoffelverarbeiter ausgelöst. Aufgrund immer höherer Qualitätsanforderungen können nur noch wenige Exporteure den dort weiterhin hohen Bedarf bedienen.

Das mangelnde Interesse der Verarbeiter an freiem Rohstoff ist indes nachvollziehbar. Bei optimalen Startbedingungen sind so viele Flächen selbst mit den spät reifenden Sorten bestellt, dass man bereits in der ersten Juli-Woche mit einem regelmäßigen Angebot neuer Kartoffeln rechnet. Aufgrund guter Produktvorräte planen einige Fabriken ihre Werksferien auf den gesamten Juni auszuweiten. Für sie wäre die alte Saison also bereits in wenigen Wochen vorbei.

Das gilt längst nicht für alle Verarbeiter, aber auch sie kauften nicht zu, denn sie mussten in den zurückliegenden Wochen bevorzugt ihre Verträge mit den Landwirten erfüllen. Schließlich wollen sie die treuen Vertragslieferanten nicht verprellen und ihren Bedarf für die kommende Saison ebenfalls mit verbindlichen Lieferzusagen sichern. Zumindest deutsche Bauern berichten mir zuhauf, dass viele Liefertermine für April und Mai bereits jetzt erfüllt, also vorgezogen wurden. Das lässt hoffen, dass einige Fabriken zum Schluss doch noch wieder als Käufer auftreten.

Viele Landwirte haben allerdings nicht mehr die Geduld darauf zu warten. Der aktuelle Preisverfall schürt bei ihnen die Angst vor weiteren Verlusten und so bieten sie ihren Rohstoff zu einer Zeit an, in der nur noch niedrigere Gebote zu be-kommen sind. So kommen aktuell Flocken- und Granulatverarbeiter wieder umfangreich zum Zuge. Auch viele Schälbetriebe nutzen wieder die Gelegenheit, billigen Rohstoff zu erwerben. Einige Doppelnutzungssorten fließen zum Leidwesen des DKHV sogar in der viel teureren Speisekartoffelmarkt. Wie so oft in teuren Jahren wird der Qualitätsgedanke, dem sich der Branchenverband verschrieben hat, arg strapaziert. Möglicherweise kostet das wieder Verbrauchervertrauen und mindert den Pro-Kopf-Verbrauch.

Daneben steigt auch die Nachfrage aus dem Ausland wieder an. So sind die Preise in Skandinavien auf hohem Niveau stabil, weil dort der Anschluss an die eigene neue Ernte trotz der auch in Südschweden frühen Pflanzzeit offensichtlich nicht zu erreichen ist. Unterdessen laufen die Lieferungen nach Russland wieder in stetigen Bahnen. Allerdings können die Holländer wegen der Nematodenprobleme nur noch gewaschene Kartoffeln liefern. Alle anderen dürfen ab sofort nur noch mit Keimhemmmitteln begaste Ware verladen. Diese Auflagen schränken den Kreis der Anbieter ein und Angebot und Nachfrage scheinen zumindest ausgeglichen. Trotzdem gingen auch hier die Preise auf unter 20 Euro/dt zurück, denn die Russen konnten sich auch an anderer Stelle versorgen. Sie kaufen bisher schon 78.000 Tonnen ägyptische Kartoffeln ein; im Vorjahr waren es zusammen nur 18.000 Tonnen, meldet die AMI.

Im Wochenverlauf verlor der Eurex-Index auf Veredelungskartoffeln 80 Cents und notierte am vergangenen Donnerstag auf 20,1 €/dt. Da gestern die Belgapom-Notierung erneut um 2,5 €/dt nachgab und auch die französische SNM zwei €/dt verlor, konnten ihren massiven Wertverlust ihrer physischen Kartoffelvorräte durch entsprechende Gewinne an der Terminbörse kompensieren. Mehr noch: die Börse hat selbst dann noch eine negative Voreilung vor dem Index, wenn dieser am kommenden Donnerstag eben diese zwei bis 2,5 €/dt Wertverlust komplett nachvollziehen muss.

Charttechnisch sind wir mit dem gestrigen Schlusskurs für den April-11-Future an der Unterstützungslinie angelangt, die schon Ende August 2010 standhielt. Sollte sich die Nachfrage demnächst beleben oder das Angebot weniger drängen, dürften sich die Kurse noch enger an dem Index orientieren. Neben dem Bestandsbericht der PCA in der kommenden Woche wird auch der Wetterbericht aufmerksam zu verfolgen sein. Wenn beim nächsten Vollmond Nachtfröste das junge Kartoffelkraut zerstören, könnten die ganz früh bepflanzten Freiflächen empfindlich zurückgeworfen werden, was eine erneute Bewertung der Marktlage erfordert.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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