Kartoffeln: Auch Hollands Kartoffelanbau rückläufig

Das Centraalbüro Statistik (CBS) in Zusammenarbeit mit dem Pruductschap Akkerbouw (BAI) haben nach Auswertung von 50 % der Meldebetriebe am Donnerstag ihre erste Schätzung zur Anbauflächenentwicklung in den Niederlanden abgegeben. Danach sollen auf 69.020 ha Konsumkartoffeln angebaut worden sein. Gegenüber dem Vorjahr sind das 4,8 % weniger, seit dem Jahr 2000 ist der Flächenschwund sogar 20 %. Auch die Anzahl der Kartoffeln produzierenden Betriebe nimmt stetig ab. In diesem Jahr sind es 6.850, im Jahre 2000 waren es noch 10.892 - ein Minus von 37 %.

Die verbleibenden Betriebe haben sich immer mehr spezialisiert. Die durchschnittliche Kartoffelanbaufläche pro Betrieb beträgt mittlerweile 10 ha. Anders als bei unseren östlichen Nachbarn ließen sich die Hektarerträge mit der Spezialisierung aber nicht mehr steigern. So ernteten die Holländer im Jahre 2000 bereits durchschnittlich 452 dt/ha. Das mehrjährige Mittel liegt bei 430 dt/ha.

Auch in diesem Jahr dürften keine Rekorderträge heranwachsen. Der späte Pflanztermin in Kombination mit dem trockenen Frühsommer verursachte im Norden Hollands bei vielen Sorten einen kleineren Knollenansatz. Deshalb müssen Pflanzkartoffelbestände schon frühzeitig reifegefördert werden, damit nicht zu viele Übergrößen heranwachsen. Im Süden der Niederlande hingegen berichtet man von Pflanzenbeständen, die große Knollenzahlen angesetzt haben. Wenn im August noch genügend Regen fällt, bringen diese Flächen sehr hohe Erträge hervor.

Geht man von einer mittleren Ernte von 430 dt/ha aus, so wird die diesjährige Konsumkartoffelernte der Niederlande gerade mal 3 Mio. Tonnen betragen. Eine Rohstoffmenge, die zuletzt immer wieder von der eigenen Industrie benötigt wurde. Damit ist der Selbstversorgungsgrad der niederländischen Industrie nur knapp gedeckt. Um aber die Exportgeschäfte zu nutzen, werden unsere Nachbarn wiederum umfangreich Kartoffeln importieren müssen. Wie zum Beispiel in diesen Tagen mit der Zufuhr von Frühkartoffeln aus Belgien und Deutschland.

Die Exportchancen für die Holländer sind aus heutiger Sicht in diesem Jahr nämlich besonders gut. Schon im letzten Jahr konnten die Lieferungen in Drittländer wie nach Afrika und Russland die geschwundenen Absatzmöglichkeiten nach Belgien und Deutschland gut kompensieren. Aktuell erobern holländische Exporteure die Karibik für sich zurück; ein Markt der immer mit den USA hieß umkämpft ist. In Amerika gelten zurzeit sehr hohe Kartoffelpreise, da die Bestände auf einem historisch niedrigem Niveau sind und gleichzeitig der Anbau um 8 % eingeschränkt wurde.

Im Export auf den Weltmarkt dominieren aber in erster Linie die Kartoffelprodukte. In der kommenden Woche sollen nun alle Anlagen in Mitteleuropa wieder voll einsatzfähig sein. Die saisonüblichen Instandsetzungsarbeiten sind abgeschlossen und die Kartoffeln haben genügend Unter-Wasser-Gewichte erzeugt. Die hohe Rohstoffnachfrage wird in erster Linie aus bestehenden Kontrakten bestritten. Da kaum irgendwo hohe Ernten eingefahren werden, räumen die Flächen sehr zügig. Es müssen stets freie Mengen zugekauft werden, sodass vom freien Anbau kein Angebotsdruck aufkommt. Die Vegetationszeit war zu kurz und die frühsommerliche Trockenheit fordert ihren Tribut. Auch die Anschlusssorten sollen bislang nur knapp durchschnittliche Erträge bringen. Man wartet in Belgien und Frankreich schon wieder auf Regen, alleine schon damit die Frühkartoffelernte wegen Klutenbildung nicht ins Stocken gerät.

Ob die Haupternte dann endlich die erhoff-ten Mengen bringt, bleibt indes noch offen. Für die spätreifen Sorten ist das Wetter im August ausschlaggebend.

Die Statistikämter der deutschen Bundesländer melden, dass hierzulande der Kartoffelanbau um 5,5 % eingeschränkt wurde. Die Marktbeteiligten gehen von knapp durchschnittlichen Ernten aus. Daraus errechnet sich eine deutsche Gesamternte von 10,3 Mio. Tonnen.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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