Kartoffeln: Aus Übersee droht keine Konkurrenz
Der freie Markt sichert unseren Erfolg
In Nordamerika wird man in diesem Jahr die kleinste Kartoffelernte seit Jahren einfahren. Den jüngsten Einschätzungen der NAPMN (North American Potato Market News) zufolge, kommen in Nordamerika (USA und Kanada) 22,3 Mio. Tonnen Kartoffeln zusammen. Das Endgültige Ergebnis in 2009 war mit 24,15 Mio. Tonnen um 7,7 % größer, 2008 waren es 23,5 Mio. Tonnen und 2007 25,2 Mio. Tonnen.
In erster Linie wird der Rückgang mit einer kleineren Anbaufläche begründet. Die Verarbeiter hatten den Landwirten weniger Verträge angeboten. Die Vertragskartoffeln wurden auch stets bevorzugt abgenommen. Halter von Übermengen und frei angebautem Rohstoff waren mit ihren Mengen voll im Risiko. Da die Anbaugebiete meist sehr weit auseinander liegen, gibt es auch keine wirkliche Konkurrenz um den Rohstoff, denn der hohe Transportaufwand zu anderen Fabriken lässt sich einfach nicht überbrücken. Um aus dieser Abhängigkeit von wenigen Käufern zu entkommen, nimmt die Bereitschaft, freien Rohstoff zu produzieren immer mehr ab.
Als die Getreidepreise in 2007 zum letzten Mal stark in die Höhe schossen, nutzen viele Kartoffelbauern die Chance zum Ausstieg. Das Angebot schien nachhaltig knapp zu werden und die Verarbeiter ließen sich auf mehrjährige Verträge ein, worin der Einkaufspreis deutlich höher und über mehrere Jahre festgeschrieben wurde, als bei ihrer europäischen Konkurrenz. Folglich verloren die amerikanischen Kartoffelprodukte ihre Wettbewerbsfähigkeit und ihren Marktanteil auf der ganzen Welt. Als dann nach der Lehman-Krise die Kaufkraft im Inland sank und immer weniger Menschen außer Haus aßen, gab es einen weiteren Dämpfer für die amerikanische Kartoffelindustrie.
Diese für US-Unternehmen misslichen Rahmenbedingungen öffneten in der Folgezeit den Europäern den freien Weg auf den Weltmarkt. Insbesondere Belgien, als zentraler Standort in dem Kartoffelgürtel Europas, nutze diese Chance und eroberte immer mehr Kundschaft außerhalb Europas. Die Schaffung der dafür benötigten Verarbeitungskapazitäten wurde zudem großzügig von der EU gefördert. Da Belgiens Massenware nun immer besser in alle Welt verkauft werden konnte, nahm das auch den Angebotsdruck in den benachbarten Ländern. Folglich entwickelten sich auch die dortigen Verarbeiter immer besser.
Der Boom beim Verkauf von Kartoffelprodukten hält also seit Jahren ungehindert an. Unsere Fabriken haben traumhafte Auslastungen und auch die Landwirte profitieren von der stabilen Auftragslage der Industrie.
Nachdem auch in diesem Jahr keine Konkurrenz auch Übersee droht, dürfte sich diese europäische Erfolgsgeschichte weiter fort entwickeln. Allerdings gilt es auch hier möglichst fehlerfrei zu arbeiten um den Erfolg zum Nutzen aller hiesigen Marktbeteiligten weiter zu entwickeln. Der Fehler, den die Amerikaner gemacht haben war, dass sie dem freien Kartoffelanbau keine Chancen gegeben haben. Die risikobereiten Landwirte, wurden für ihr Verhalten bestraft. Viel zu selten waren die freien Preise so auskömmlich, dass es sich gelohnt hätte, mehr als in den Verträgen vereinbart zu produzieren.
Mit steigenden Getreidepreisen und der daraus resultierenden Flächenkonkurrenz schieden immer mehr Fachleute aus der Kartoffelproduktion aus und ein Nachwuchs dieser Spezies ist nicht in Sicht. Gleichzeitig sind aber die Chancen für eine auskömmliche Getreideproduktion gestiegen, seitdem die Produktion nachwachsender Rohstoffe dort ebenfalls gefördert wird. Getreide, Mais und Sojabohnen sind halt leichter als Kartoffeln zu produzieren und zu vermarkten.
Auch in Europa werden auf immer weniger Fläche Kartoffeln angebaut. Gerade in den osteuropäischen Ländern ist der Strukturwandel nach der EU-Osterweiterung noch längst nicht beendet. Aber auch im Zentrum der europäischen Kartoffelproduktion verliert der Kartoffelanbau immer noch an Fläche. Wie lange dieser Schwund noch durch züchterische und anbautechnische Verbesserungen kompensiert werden kann, vermag niemand zu sagen. Tatsache ist aber, dass hier hervorragende Rahmenbedingungen existieren, die zumindest beim Frittenrohstoff einen wirklichen Wettbewerb erlaubten Die Entfernungen zwischen konkurrierenden Fabriken sind überbrückbar (kalkulierbar), es gibt einen großen und immer noch wachsenden Absatzmarkt sowohl in der EU als auch weltweit und die Züchter, Händler und Techniker hierzulande gehören zur Weltelite.
Um diese hervorragenden Rahmenbedingungen zu erhalten, benötigen wir aber einen freien Markt. Strategische Fehlentwicklungen, wie in Amerika können wir uns hier in Europa nicht erlauben. Dazu gibt es hier viel zu viele Arbeitsplätze in der Kartoffelindustrie. Zuviel Regulierung schadet.
Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH