Kartoffeln: Belgiens Bintje drücken den Preis
Exportchancen gut genutzt
Immer noch gibt es in Belgien zu viele lagerkritische Partien der Sorte Bintje, die aufgrund ihrer kleinen Kalibrierung und den niedrigen Stärkegehalten von den Verarbeitern nur gegen Preiszugeständnissen aufgenommen werden. Gestern gab der Belgapom-Preis ein weiteres Mal um einen €/100 kg nach und passt sich damit dem Preisniveau deutscher Bintje an, die den Höheflug zu Beginn des Jahres gar nicht erst mitmachten. Da diese Sorte hierzulande keine so große Rolle mehr spielt, fiel das bisher nicht so schwer ins Gewicht. Von Belgien ausgehend drückt nun die schlechteste Kartoffelqualität den Referenzpreis für Verarbeitungsrohstoff.
Im Januar notierte die Belgapom noch 25 Euro/100 kg, jetzt steht der Bintje-Preis auf 19 €/100 kg. Dieser unerwartet kräftige Preisverfall hat Signalwirkung. Nicht nur auf das Preisniveau in Belgiens Nachbarländern, sondern auch auf das Anbieterverhalten der dortigen Bauern. Viele erinnern sich mittlerweile an das Frühjahr 2007 als nach einer kleinen Ernte soviel eingespart wurde, dass am Ende der Saison noch Rohstoff übrig blieb und im Juni die letzten Partien mit 10 €/100 kg vergütet wurden. Das soll nun nicht noch einmal passieren und so trennen sich die meisten Lagerhalter früher als damals von ihren Vorräten.
Damals wie heute hatten sich die großen Fabriken frühzeitig mit Kontrakten eingedeckt, die bei einer saisonüblichen Verbrauchernachfrage nach Kartoffelprodukten ausreichen. Seit Wochen wird daher kaum mehr freier Verarbeitungsrohstoff zugekauft. Und so manch ein Einkäufer ärgert sich schon, während der Hausse im Januar für seine Forwards zuviel bezahlt zu haben. Auch beim Export gab es in den zurückliegenden Wochen eine Flaute. Die nachgebenden Preise beruhigten die Kauflust der Händler und sie verkauften erst einmal das zum Teil sehr teuer erworbene Material. Diese Mengen scheinen aber nun aufgebraucht und es entstand in den letzten Tagen wieder eine etwas bessere Nachfrage. Allerdings stellte die AMI fest, dass die Exportmengen im Januar nur knapp den saisonüblichen Umfang erreichten. Scheinbar hatten auch die Einkäufer im Ausland schon vorher zuviel gehortet und den geringeren Konsum aufgrund extrem hoher Preise unterschätzt.
Umfragen bestätigen, dass die Scheunen der Bauern trotzdem sehr weit geräumt sind. Nur wenige Spekulanten warten noch ab, ob am Ende der Saison doch noch höhere Preise durchzusetzen sind. Wer von Beginn an stets verkauft hat wenn es Bedarf gab, war am besten beraten. Und nun hoffen Produzenten und Versender, dass das das Hochpreisniveau in die kommende Saison hinüber gerettet werden kann. Daran wollen insbesondere die Frühkartoffelbauern profitieren. Nur selten waren alle Frühkartoffeln so früh im Boden, wie in diesem Jahr. Das betrifft nicht nur die Folienverfrühten Pflanzungen, sondern mittlerweile auch Freilandware und sogar die mittelfrühen- und Anschlusssorten. Die trockenen Bodenverhältnisse in allen Anbauregionen begünstigen das.
Die Risiken, die damit verbunden sind, könnten den erhofften Vorteil aber schnell zunichte machen. Ohne Folien erwärmt sich der Boden nicht schnell genug und Bodenfröste könnten noch Schäden anrichten. Sollten aber die Bestände sich zügig entwickeln, gäbe es bereits im Juli Speisekartoffeln, die eingelagert werden müssten. Die Ernte träfe dann in der Sommerzeit auf hohe Temperaturen und eine dann übliche schwache Verbrauchernachfrage. Doch bis dahin ist noch lange Zeit.
Einstweilen müssen die Vorräte aus der alten Ernte noch vermarktet werden. Der Kartoffelmarkt stellt sich insgesamt zweigeteilt dar. Bei frischen Speisesorten konnte man zuletzt problemlos höhere Preise durchsetzen, nachdem auf Landwirtsebene nur noch kleine Mengen verfügbar waren. Kartoffeln aus Kisten- und Kühllägern konnten schnell ihren Platz in den Regalen der Supermärkte erobern und auch Importe aus Frankreich finden in Deutschland zu stolzen Preisen ihren Absatz. Der Markt für Verarbeitungsrohstoff hingegen scheint derzeit noch erstaunlich gut versorgt. Die Erkenntnis über geringe Vorräte auf Erzeugerebene haben bisher nur die Statistiker - viele Praktiker handeln anders. Sie nutzen ihre Bruttomengen viel besser, als es zu erwarten war und möglicherweise war die Ernte hier und dort doch nicht so schlecht, wie es anfänglich aussah.
Dennoch: Es wurden in den ersten Monaten der Hauptvermarktungszeit so große Mengen exportiert, dass sich ein totaler Preisverfall, wie in 2007 nicht einstellen dürfte. Es war es richtig, die guten Chancen der internationalen Nachfrage beherzt zu nutzen. Wenn am Ende der Saison die Preise doch noch wieder anziehen, wäre das eine gute Vorraussetzung für die kommende Saison.
Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH