Kartoffeln: Belgiens Vorräte zum 01. Februar um 100.000 t kleiner

Sind „Winterkartoffeln“ noch verwertbar?

Eine Umfrage der belgischen Verbände Fiwap, Carah und PCA unter gut 200 repräsentativ ausgewählten Landwirten ergab zum Stichtag 01.02.2011 einen gegenüber dem Vorjahr um 100.000 Tonnen kleineren Kartoffelvorrat. Dieses trotz einer massiven Anbauausweitung und daraus folgenden höheren Ernteschätzung. Aus der letzten Ernte wurden bereits 2,1 Mio. Tonnen abgeliefert. 1,6 Mio. Tonnen davon sind Lagerkartoffeln. Ebensoviel soll noch bei den Landwirten lagern.

Die Hälfte hiervon ist noch unverkauft, das sind deutlich weniger als in früheren Jahren. Die Fabriken konnten sich also per Vertrag einen großen Teil ihres Bedarfs sichern. Das betrifft insbesondere neuere Züchtungen, deren Saatgutlieferungen meist mit entsprechenden Rück-Lieferverpflichtungen verbunden werden. Anders bei der Lizenzfreien Sorte Bintje, hier sind noch 60 % der Vorräte unverkauft. Das entspricht ungefähr 1 Mio. Tonnen. Diese Menge ist dann auch vergleichbar mit denen früherer Jahre. Andere Rassen sind entsprechend weit ausdisponiert. Hiervon lagern nur noch 456.000 Tonnen in Belgien gegenüber 553.000 Tonnen zum gleichen Termin im Vorjahr.

Aufgrund der aktuell recht komfortablen Versorgung der Fabriken war in der zurückliegenden Woche die Nachfrage nach freien Kartoffeln ruhig. Lediglich der Export lastete die Abwickler in den Häfen wieder voll aus. Da auch in den Vorwochen im Auslandsgeschäft die besten Preise erzielt wurden, verwundert es kaum, dass die Bereitschaft zu exportieren nicht abreißt. Frei Hafen, gesackt und pallettiert erlöst man immer noch rund 40 €/dt. Das ist etwas weniger, als die bisherigen Spitzenpreise von bis zu 46 €/dt. An diese Preise haben sich die Käufer aber scheinbar gewöhnt.

Die Erzeugerpreise standen aber unter Druck, weil die Verarbeiter vorerst kaum freie Kartoffeln benötigten. Sie müssen zusehen, dass sie ihren vertraglichen Verpflichtungen entsprechen. Schließlich kosten diese Einkäufe am wenigsten und man möchte auch schon wieder Vorkäufe für die nächste Saison tätigen. Dafür muss man aber erstens jetzt den vereinbarten Zeitrahmen alter Verträge einhalten und zweitens attraktive Preise für die nächste Ernte bieten. Hier gehen die Meinungen allerdings noch weit auseinander. Die Versorgung wird aber immer noch ergänzt durch Notleidende Partien. Es tauchen nach wie vor Partien mit Fäulnisnestern auf, die die Verarbeiter bereitwillig, weil preiswert kaufen können. Angesichts einer absehbaren Knappheit ist es auch klug, so Rohstoff schonend wie möglich einzukaufen.

In Belgien hofft man deswegen auch, noch einen Teil der 1.700 ha ernten zu können, die im Herbst wegen zuviel Regen mit anschließendem frühem Frost in der Erde verblieben. Bleiben die Preise so hoch, könnten noch ein paar tausend Tonnen gerettet werden. Ein ähnliches Bild im britischen Suffolk. Dort ist man zurzeit bei den letzten 100 acres, die aber zum größten Teil nicht mehr verwertbar sind. Da diese Flächen in der Erntestatistik enthalten sind, wird man am Ende, wenn nicht alles rauskommt, die tatsächliche Erntemenge doch wohl wieder reduzieren müssen.

Da die Exporte trotz aller formaler Widrigkeiten und hoher Preise weiterhin gut durchlaufen, ja sogar noch an Fahrt gewinnen, glauben Teilnehmer am Terminmarkt nun, die Preisschwäche der Vorwoche sei überwunden. Trotz eines weiteren Rückgangs der Belgapom-Notierung am gestrigen Freitag um 1 €/dt stieg der Schlusskurs gestern um 1,2 €/dt gegenüber dem Vortag an, was auch fast der Steigerung im Wochenvergleich entspricht. Die Differenz des April-11-Future zum Eurex-Index ist nun +2,2 €/dt. Im langjährigen Vergleich ein eher normaler Wert zu dieser Zeit. Die Kursbewegungen an der Börse werden also schon jetzt recht nachvollziehbar von den Geschichten im aktuellen Kassamarkt bestimmt.

Eine Übertreibung der Spekulation an der Börse (Blase) wird auch durch die Tatsache eingedämmt, dass viele Lagerkartoffeln frühzeitig einen Qualitätsverlust erleiden. Neben den bereits erwähnten Fäulnisnestern stellt man zunehmend Backfarbenprobleme fest. Ein Grund weshalb die Bauern ihre Vorräte weiter zügig verkaufen. Versorgungsengpässe wird es deshalb auch in den kommenden Wochen nicht geben. Aber für die Liefertermine April bis Juni befürchten Viele schon eine Unterversorgung. Die Sorte Fontane kann man für Liefertermin Ende März für 25 €/dt ab Verladestation verkaufen.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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