Kartoffeln: Bis Mitte Januar stabile Preise erwartet

Unzufriedenheit der Kartoffelbauern wächst

Die gestrige Belgapom-Notierung blieb mit 6,5 €/dt auf dem Niveau der Vorwoche. Marktbeobachter rechnen in den nächsten Wochen mit stabilen Erlösen, nachdem dort die Preise sieben Wochen in Folge jeweils um 50 Cent zurückgenommen wurden. Die französische SNM-Notierung gab gestern allerdings noch einmal um 20 Cent nach und fließt in den kommenden RMX-Index auf Veredelungskartoffeln mit 6,8 €/dt ein. Trotzdem dürfte der Leitpreis für Verarbeitungsrohstoff in Mitteleuropa am Donnerstag, den 18.12.08 bei 7,3 €/dt stabil bleiben.

Im Vergleich der vier am Index beteiligten Nationen notiert Holland mit der Rotterdamer Notierung mit 7,8 €/dt den höchsten Preis. Gefolgt von Belgien (7,3 €/dt*) und Deutschland (7,25 €/dt). Schlusslicht ist Frankreich (6,8 €/dt**). Die Preise gelten für 40 mm+ Frittenrohstoff der gängigen Sorten in handelsüblicher Qualität. Die Spanne in den Notierungen ist zurzeit vergleichsweise klein. Dennoch kann man aus den Preisunterschieden einiges ableiten.

Obwohl Frankreich in erster Linie Speisekartoffeln ausführt, dieses Geschäft bislang aber noch nicht den gewünschten Erfolg aufweist, ist die Stimmung beim Frittenrohstoff gedrückt. Ein Grossteil der Verarbeitungsware wird nach Belgien ausgeführt oder steht im Außenhandel mit Belgien im scharfen Wettbewerb. Händler beider Länder haben zum Beispiel viele Abnehmer in Großbritannien, wo der Wechselkurs vom Britischen Pfund zum Euro zuletzt die Kalkulation belastete. Die kritische Qualitätssituation in Kombination mit einer großen Gesamternte sorgt auf der britischen Insel für ein drängendes Angebot.

Ende November lagerten noch 82,5 % der belgischen Haupternte bei den Landwirten. Dieser Wert liegt fünf Prozentpunkte über dem vergleichbaren Jahr 2006. Die Produktionssteigerungen der Fabriken haben die Abhängigkeit vom Export erhöht. Die weltweite Rezession und die negativen Konjunkturprognosen dürften sich deutlich auswirken. Einige Produktläger sollen fast voll sein und könnten bereits im Januar zur Einschränkung der Produktion führen. Einige Rohstoffeinkaufskontrakte wurden bereits vor Wochen storniert oder weiterverkauft. Das alles führte in den zurückliegenden Wochen zum Preisverfall, ist also schon „eingepreist“. Die weitere Absatzentwicklung bestimmt also den Preis. Sollten die Produktverkäufe nachhaltig ins Stocken geraten, sind die Preise noch nicht am Boden.

In Deutschland hängt die Bewertung des Rohstoffs in vielen Vertragsvereinbarungen an der Rotterdamer Notierung. Den Einkäufern der Fabriken passt das in diesen Tagen allerdings gar nicht, denn dort hält die Preisermittlungskommission die Preise auf einem vergleichbar hohen Niveau. Mit einem Bezug auf den RMX-Index wäre man aktuell besser gefahren. Hierzulande ist die Marktlage bei Kartoffeln aber nicht so schlecht wie in Belgien oder Frankreich. Der Export von Übergrößen nach Osteuropa lief schon früh an und reduziert insbesondere bei den Speisekartoffelhändlern den Angebotsdruck. Lediglich vertragsfreier Frittenrohstoff bleibt unbeachtet. Das hängt maßgeblich damit zusammen, dass viele Einkäufer die Bereitschaft der Bauern für Festpreisverträge fördern wollen.

Unter den holländischen Kartoffelbauern rumort es zurzeit besonders stark. Schlechte Preise und hohe Lagerbestände bestimmen das Bild. Man hofft auf mehr Exporte. In verschiedenen Verbänden bereiten sich Bauern auf konzertierte Aktionen gegen die gängigen Preisfindungsmethoden vor. Man bemängelt, dass die vorausschauende Rotterdamer Notierung stets von den rückblickenden Preiserhebungen in den Regionalbörsen Goes und Emmeloord abhängen. Das führt in der Regel zu einer negativen Preisspirale. Man plant Aufkaufaktionen, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Um das zu finanzieren, sollen mindestens 20 % aller Marktteilnehmer in einen Fonds einzahlen.

Die spezialisierten Betriebe können und wollen den Kartoffelanbau nicht mehr durch andere Produktionsrichtungen quersubventionieren. Seit auch der Getreideanbau keine wirkliche Anbaualternative mehr bietet, will man jetzt über eine Mengensteuerung die Marktmechanismen zugunsten der Bauern beeinflussen.

(*) Mittel der Belgapom und Fiwap-Notierungen inklusive des obligatorischen Ausgleichsfaktors in dieser Saison von 70 Cent

(**) enthält einen Ausgleichsfaktor von 30 Cent

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH

Mein nächster Marktkommentar erscheint am 03.Januar 2009. Ich wünsche Ihnen gesegnete Weihnachten und einen guten Jahreswechsel.

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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