Kartoffeln: Dämpfer beim Export
Immer eine Sockelmenge im Festpreisvertrag vereinbaren
Die schlechten Nachrichten im Markt für Veredelungskartoffeln reißen nicht ab. Die Lagerbestände in Westeuropa werden höher eingeschätzt als im Vorjahr, die Wirtschaftskrise beschränkt den Verbrauch von Kartoffelprodukten und die Qualitäten vieler zu kalt gelagerter Partien lassen spürbar nach. Alle Hoffnungen lasten nun auf den Export von frischen Knollen. Während Ost- und Südeuropa wohl überall in Mitteleuropa gern gesehene Kunden sind, zeigten sich zuletzt auch Käufer aus Nordafrika empfangsbereit. Eine Ausschreibung nach Algerien über 20.000 Tonnen aus Holland wurde allerdings wieder annulliert, nachdem nun Importzölle erhoben werden sollen.
Die Enttäuschung über den geplatzten Deal ist groß. Nach der Tranche über 20.000 Tonnen sollten weitere Tender folgen. Das hätte die verfahrene Situation am Veredelungskartoffelmarkt in Holland, Belgien und Frankreich spürbar entspannen können. Nach einem kurzen Aufflackern der Börsenkurse am 06.03., als die 8-€-Marke wieder überschritten wurde, sanken die Notierungen nun auf neue Tiefststände in der Laufzeit auf Apri-09. Da viele Händler sich unmittelbar nach der Auftragserteilung mit Rohstoff eingedeckt hatten, sitzen sie nun, nach dem geplatzten Geschäft, auf ihren Einkäufen und hoffen, dass der Qualitätsverlust nicht zu schnell voranschreitet.
Die fortschreitende Alterung der Lagerbestände macht den Marktbeteiligten nämlich die größten Sorgen. Insbesondere in Belgien, dort wurde nämlich schon Ende Januar beobachtet, dass bis zu 30 % der Partien verzuckert sind. Siehe MK 04./09. Der kalte Winter hatte dort besonders stark zugeschlagen. Während die Betroffenen meinen, dass die Knollen sich noch wieder „rekonditionieren“ und den Zucker in Stärke zurück umwandeln, bezweifeln Praktiker der Fabriken, dass das tatsächlich gelingen kann. Die Braunbacker sollen möglichst in andere Verwertungsrichtungen abfließen, am besten in den Export.
Der Rückschlag im Export nach Nordafrika dürfte die Branche aber in ihrem Bestreben, die Preise für Lagerkartoffeln noch einmal anheben zu können, für Wochen vereitelt haben. Vorerst sinken die Kassanotierungen der bedeutenden Kartoffelnationen in dieser Woche erneut. Der Index als Spiegelbild des EU-Kartoffelgürtels notierte zuletzt 8 €/dt, 40 Cent weniger als in der Woche zuvor. Für die kommende Woche zeichnet sich eine weitere Schwäche von 20 bis 30 Cent ab. Die Börsenotierung für die Fälligkeit in der 18. Kalenderwoche, also Ende April 09 steht aktuell mit 7,5 €/dt sogar noch etwas tiefer.
Der konstante Preisverfall bringt keinen Anreiz, mehr als nötig einzukaufen. Solange der nächste Abschluss wieder unter dem des letzten liegt, lebt man besser „von der Hand in den Mund“. Die steigenden Qualitätsrisiken überlässt man auch besser den Lagerhaltern. Und diese drängen umso mehr, je schleppender der Abverkauf ist. Ein Teufelskreis!
Landwirten, die sich an der Terminbörse rechtzeitig gegen fallende Preise abgesichert haben, kann diese Situation nur wenig ausmachen. Voraussetzung ist allerdings, dass sie den Warenfluss frühzeitig mit ihrem Vermarktungspartner geregelt haben. Die Einkäufer nehmen nämlich seit geraumer Zeit nur noch Kartoffeln von den Vertragspartnern. In dieser Saison sind sie dabei bislang sehr konsequent vorgegangen und kündigen an, dass das auch in Zukunft so sein wird. Und so bleiben jetzt die Landwirte auf der Strecke, die einzig und allein für den freien produziert haben.
Durch die oft im Kleingedruckten der Festpreisverträge vereinbarte Andienungspflicht der Mehrmengen, auch Mitliefermengen genannt, wird bereits frühzeitig der Absatz von noch nicht preislich fixierten Mengen geregelt. Diese Kartoffeln werden allerdings nur zu Tagespreisbedingungen abgerechnet und so besteht also noch ein Preisrisiko, das an der Terminbörse abgesichert werden kann. Wer weder Festpreisverträge, als auch die hohen Preise an der Börse bisher nicht genutzt hat, ist also selber schuld, weil er in vollem Umfang mit seiner Produktion spekuliert.
Für die nächste Saison ist angesichts der konsequenten Einkaufspolitik der Fabriken unbedingt zu einem Festpreisvertrag mit einer Sockelmenge zu raten, damit man den Fuß in der Tür hat. Über die Aufteilung zwischen preislich fixierten und preislich freien Mengen, kann sollte man dann entscheiden, wenn man bezüglich der Produktionsmenge und den Qualitäten mehr Sicherheit hat. Risikomanagement ist ein täglicher und fortlaufender Prozess und er hört auch zum ende der laufenden Vermarktungsperiode noch nicht auf: In Mitteleuropa müssen bis zum Saisonende jede Woche noch immer 30 bis 40.000 Tonnen bepreist werden.
Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH