Kartoffeln: Der Kartoffelmarkt ist zweigeteilt

Pessimismus am Kassamarkt - Optimistischer Terminmarkt

Trotz der anhaltenden Überversorgung in Europa besteht die Hoffnung auf eine rasche Bestandsbereinigung bei frischen Speisekartoffeln. Zu viele Partien erfüllen die Erwartungen der Verbraucher nicht mehr und drängen in andere Verwertungsrichtungen. Halter besserer Qualitäten profitieren durch erste zaghafte Preisanhebungen. Dagegen steigt das Angebot für die Kartoffeln verarbeitende Industrie noch weiter an. Deren Besitzer drängen nicht nur mehr einfach auf Absatz, sie wollen ihre Scheunen schnellstmöglich räumen.

Der britische Marktbeobachter Peter Cooper berichtet in seinem letzten Potato Call, dass sich die Überversorgung von Verarbeitungsrohstoff bereits bis auf die Produktpreise niederschlägt. Statt eines nötigen Abbaus der Bedarfsüberschreitenden Verarbeitungskapazitäten hätten die Fabriken allesamt weiterproduziert und große Produktvorräte angehäuft. Die Erlöse der Verarbeiter seien unbefriedigend. Einziger Lichtblick sei der wachsende Export nach Osteuropa, wo man Westeuropas billige frische Kartoffeln, als auch Kartoffelprodukte schätzt. Die Währungskonvergenz osteuropäischer Währungen zum fallen Eurokurs habe sich verbessert, was die Kauflaune stützt.

Aufgrund hoher Vorfrachten für Mitteleuropäische Kartoffeln gibt es aber zumindest im Süden Osteuropas mittlerweile ernst zu nehme Konkurrenz. Im Hafen von Odessa (Ukraine) sollen ägyptische Speisefrühkartoffeln nur 20-30 % teurer sein, als das Inlandsprodukt oder die Westimporte. Insofern besteht hierzulande kaum Hoffnung auf einen Preisimpuls durch erhöhte Exportkapazitäten. Der Absatz dorthin ist aber weiter dringend nötig, um den Angebotsdruck zu lindern.

Das haben auch französische Versender erkannt. Sie nutzten bereits im Januar jede Chance mit Erzeugerpreisen von 4,5 bis 6 €/dt für den Osteuropaexport. Der Verband UNPT teilte mit, dass Länder wie Polen, Tschechien, Griechenland und Rumänien den bisher enttäuschenden Absatz zum Hauptempfangsland Spanien nahezu kompensieren konnten. Als der Winter hierzulande unsere Landwirte und Händler noch fest im Griff hatte, konnte Frankreich ständig liefern und nutzte seine Chance.

Jetzt tut sich für Frankreich eine weitere Gelegenheit auf, seine außerordentliche Exportbilanz der Vorjahre wieder zu erfüllen. Im Vorjahr hatte man 1,69 Mio. Tonnen Kartoffeln außer Landes geschafft. Die extremen Niederschläge in Andalusien werden nämlich dafür sorgen, dass die spanische Frühkartoffelernte drastisch kleiner ausfällt. Einige Felder werden wohl gar nicht mehr bestellt, weil es dafür mittlerweile fast schon zu spät ist, denn der obligatorisch frühe Wechsel von feuchtem Frühjahr zu hochsommerlicher Hitze be-droht die Wirtschaftlichkeit. Frankreich kann und wird mit preiswerter Lagerware aushelfen. Die UNPT sieht seine Speisekartoffelgeschäfte nicht mehr ganz so negativ wie zuvor.

Dagegen fallen die Notierungen für Veredelungskartoffeln. Der Index für die Berechnung der Terminkontrakte an der Eurex fiel am vergangenen Donnerstag um 10 Cent auf 8,3 €/dt. Der Preisdruck ging maßgeblich von Deutschland und den Niederlanden aus. Dort sanken die Notierungen um ca. 40 Cent. Man rechnet im weiteren Verlauf nicht mit festeren Kursen. Im Gegenteil, der Angebotsdruck bei den Schälbetrieben und den großen Kartoffelverarbeitern nimmt in den nächsten Wochen wohl noch weiter zu. Pessimisten sehen den Preis sogar noch bei vier Euro. Berichte über höhere Lagerbestände in Holland, Belgien und Frankreich sorgten dafür, dass eine Angebotsdisziplin der Landwirte kaum noch vorhanden ist.

Die Notierungen am Terminmarkt geben diese negative Einschätzung allerdings nicht wider. Bis Ende April, dem Fronttermin könnten die Probleme der Lagerhalter noch eskalieren und selbst beim Verarbeitungsrohstoff eine Angebotsreduzierung verursachen. Nur so kann man die komfortable April-Basis von zuletzt (Plus!) 70 Cent zum Börsenindex erklären. Zum Juni-Termin ist die Basis sogar 2,2 €/dt. Man rechnet also in absehbarer Zeit mit steigenden Preisen.

Während Kaufleute in Holland und Teilen Deutschlands die Flinte noch längst nicht ins Korn geworfen haben, stellt man sich in Frankreich und Belgien den Realitäten und handelt pragmatisch. Sollte der Abgabedruck aus der Landwirtschaft nun allerdings stark zunehmen, wird es wohl oder übel zu Preisreaktionen kommen.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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