Kartoffeln: Die Basis sinkt
Bei Veredelungskartoffeln ist der Kontraktbestand an der Eurex bereits bei fast 7.000
Die Kassapreise haussieren und die Differenz zum Börsenpreis (Basis) wird kleiner. Nach der jüngsten Preissteigerung für physische Konsumkartoffeln wird nun in Mitteleuropa ein Niveau erreicht, das zum letzten Mal im Januar 2007 eine Hochpreisfase einläutete. Damals wurden ebenfalls bis zu 30 €/dt für Spitzenqualitäten bezahlt, ähnlich wie am vergangen Donnerstag im holländischen Emmeloord. An der Terminbörse Eurex stiegen die Kartoffelkurse in der letzten Woche aber nur noch geringfügig und dadurch sinkt die Basis.
Diese ist mit 8,8 €/dt zum April-Future 2011 immer noch außerordentlich hoch, wird aber selbst von konservativen Branchenkennern als „nicht unrealistisch“ bewertet. Mit anderen Worten: Kassapreise von mehr als 32 €/dt wären durchaus noch möglich. Das wären um 3,5 Euro höhere Preise als vor vier Jahren, denn damals endete der April-Termin mit 28,5 €/dt. Die Versorgungslage ist heuer offensichtlich schlechter.
Die Gründe dafür wurden an dieser Stelle hinlänglich besprochen. Maßgeblich sind wohl die außerordentlich große russische Nachfrage und viele kritische Qualitäten. Beides Faktoren, deren endgültige Auswirkungen sich jetzt noch nicht erkennen lassen. Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu hören ist, laufen an vielen Orten im Süden die Vorbereitungen für die neue Ernte auf Hochtouren. Überall, wo jetzt gepflanzt werden kann, hat man sich Flächen und Saatgut besorgt und man wird sich bereits im April daraus versorgen. Bis dahin ist also kein Ende der engen Versorgung in Sicht. Was die kritischen Qualitäten betrifft, so werden selbst diese von den Verarbeitern so stark umworben, dass kein Pfund vernichtet werden muss, wenn sie der Landwirt nur rechtzeitig anmeldet. Die Ausbeute dieser Partien lässt aber meist stark zu Wünschen übrig.
Ob die Russen in der kommenden Woche nach ihrem orthodoxen Weihnachtsgeschäft die höheren Preise zahlen werden, ist indes noch offen. Möglicherweise bleibt ihnen vorerst nichts anderes übrig und sie zahlen das, was verlangt wird. Gleichzeitig importieren sie aber auch soviel wie möglich aus Übersee, womit sie ihren Bedarf aber auch nur unzulänglich stillen können. Man kann also davon ausgehen, dass die nächsten drei Monate kaum mit einem Preiseinbruch zu rechnen ist. Oder anders: die Lagerhalten sollten zusehen, dass sie in den nächsten drei Monaten ihre Scheunen räumen. Sie werden damit aber wohl nicht eher beginnen, als bis die Kassapreise aufhören zu steigen. Das wissen auch die Verarbeiter und so verwundert es kaum, dass auch gestern der Aufwärtstrend der Kassapreise anhielt. Sowohl der Belgapom-Preis als auch der SNM in Frank-reich stiegen auf 25 €/dt, was zur Folge haben dürfte dass die kommende Index-Berechnung auf über 26 €/dt anzieht. Das sind allerdings zwei Euro weniger, als im Vorfeld erwartet worden war und folglich ging der Preis am Terminmarkt gestern um einen Euro zurück.
Zwischen den aktuellen Kassapreisentwicklungen und dem noch 16 Wochen entfernten nächsten Erfüllungstermin an der Frankfurter Börse gibt es also bereits jetzt schon eine nachvollziehbare Beziehung. Dabei verhindert der Index eine ungezügelte Spekulation an der Börse. Seit der Kontraktbestand nahezu 7.000 Lots umfasst, scheinen Spekulationsblasen nicht mehr vorzukommen. Es scheint, dass die Börsenteilnehmer sich gegenseitig disziplinieren und damit das Vertrauen in das Sicherungsinstrument Terminkontrakt erhöhen, was wiederum zu noch umfangreicherem Engagement der Kassamarktbeteiligten an der Börse führt.
In steigenden Märkten besteht für die Lagerhalter die Herausforderung einer Absicherung an der Terminbörse darin, einen möglichst hohen Durchschnittspreis zu fixieren. Da wir mittlerweile die Höchstpreise der Vermarktungssaison 2006/07 überschritten haben, ist nun bei Short-Hedgern erhöhte Aufmerksamkeit geboten. An funktionierenden Börsen wird die Annäherung an Saisonspitzen unter anderem durch die Beobachtung des Kontraktbestands und die Basisberechnung analysiert.
Sobald beide Faktoren sinken, sollte zumindest eine Teilabsicherung vorgenommen werden. Steigt der Börsenkurs dennoch weiter, sollte, an dem eigenen Lagerbestand orientiert, die nächste Teilmenge an der Börse verkauft werden. Es empfiehlt sich, bis Ende März so die unverkauften und frei verfügbaren Mengen preislich zu fixieren. Denn eins ist sicher: am letzten Donnerstag im April wird der Index zum Abrechnungspreis für den dann verbliebenen Kontraktbestand der April-11-Kontrakte. Die Basis ist dann also „0“, weil der Kassa-preis und der Börsenkurs am Erfüllungstermin gleich sind.
Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH