Kartoffeln: Die Einlagerung beginnt

Sorge um nachhaltige Versorgungssicherheit

Pünktlich zum meteorologischen Herbstanfang werden die Landwirte in vielen Teilen Deutschlands in der kommenden Woche mit der Einlagerung ihrer Kartoffeln beginnen. Nachdem die Pflanzungen im Frühjahr recht spät erfolgten, entwickelten sich die Kulturen fast überall zügig. Den anfänglichen Stress durch eine frühsommerliche trockene und heiße Phase konnten die Bestände meist ohne Schaden überstehen. Der Augustregen sorgte zum Ende für überraschend gutes Massenwachstum.

In der diesjährigen relativ kurzen und kompakten Vegetationszeit wuchsen außerordentlich gute Qualitäten heran. Von vereinzeltem Schorf und Wurmfraß mal abgesehen, wird aus allen Regionen von schönen glatten Knollen berichtet, die zuletzt auch noch genügend Stärke einlagern konnten, sodass auch die Qualität im Lager erhalten bleiben dürfte. Insofern steht den Käufern in den nächsten Monaten aus einer Bedarfsdeckenden Ernte ein Rohstoff zur Verfügung, der ihre Bedürfnisse befriedigen dürfte. Wegen der ausreichenden Verfügbarkeit, können auch in diesem Jahr wieder alle Verwertungsrichtungen bedient werden.

Wie bereits im letzten Jahr wollen die Packstationen erneut dafür sorgen, dass dem Verbraucher von Frischkartoffeln nur beste Qualitäten angeboten werden. Man wird deshalb wieder ausschließlich bei Stammlieferanten einkaufen um, wie es scheint, im „geschlossenen Benutzerkreis“ die Erzeugerpreise und die Handelsmargen auf einem Niveau zu halten, die eine langfristige Qualitätsproduktion gewährleisten. Ob auch in diesem Jahr ein Preisaufschlag gegenüber den anderen Verwertungsrichtungen durchgehalten werden kann, muss sich noch herausstellen. Sind die Preisunterschiede zwischen den Veredelungskartoffeln und Speisesorten zu groß, dürften trotz des hohen Organisationsgrades der Branche billigere Kartoffeln in den teureren Markt drängen. Das Gesetz der kommunizierenden Röhren gilt auch am Kartoffelmarkt.

In diesen Tagen werden den Landwirten in Niedersachsen für Speisekartoffeln noch immer 16 €/dt genannt. Zur gleichen Zeit kosten weiß- oder gelbfleischige Konsumsorten am deutschen Niederrhein nur noch die Hälfte. Zumindest während der bevorstehenden Werbeaktionen dürften die Einkäufer im Lebensmitteleinzelhandel aber auch die Verbraucher wieder sehr preissensibel sein. Ob zu reduzierten Preisen mehr Kartoffeln verkauft werden können steht dabei auf einem anderen Blatt.

Aber nicht nur die Speisekartoffelhändler, auch die Rohstoffeinkäufer der Fabriken wollen ihre Stammlieferanten bevorzugen. Wer in den letzten Jahren Festpreisverträge abgeschlossen hat, der darf jetzt auch seine Übermengen liefern. Wer also bei den Einkäufern wohl gelitten ist, hat auch in diesem Jahr keine Probleme seine Ernte abzusetzen. Wer dagegen ausschließlich den freien Markt bedienen will, der unterliegt dem brutalen Gesetz von Angebot und Nachfrage.

In einem überversorgten Markt, wird dann auch nicht mehr danach gefragt, wie hoch die Produktionskosten waren, so die Aussage von Ferdi Buffen auf dem Weuthen-Tag am 28. August. in Schwalmtal am deutschen Niederrhein. In derselben Rede äußert er aber auch die Befürchtung, dass die Rohstoffsicherung in den nächsten Jahren gefährdet sei und so wirbt er dafür, mehr Verträge abzuschließen. Rohstoffsicherung sei das oberste Gebot, denn eine Rohstoffknappheit drohe, wenn der Kartoffelanbau erneut eingeschränkt werden würde und nur durchschnittliche Erträge heranwachsen. Angesichts gestiegener Produktionskosten werde man sich für deutlich steigende Vertragspreise stark machen. Wie stark der Preis ansteigen soll, ist noch Gegenstand der Verhandelungen mit den Erzeugergemeinschaften.

In den nächsten Monaten seien aber freie Kartoffeln nur unter den Vertragspreisen am Markt unterzubringen so Buffen. Und darin liegt die Brisanz der kommenden Wochen. Bei einem derart großen Preisgefälle wie zurzeit, wird der Angebotsdruck auf den Speisesektor zunehmen. Gelingt es den Landwirten nicht, ihre freie Ernte unterzubringen, während andere Kollegen zu auskömmlichen Konditionen liefern dürfen, kann man davon ausgehen, dass im kommenden Jahr immer zielgenauer die Vertragsmengen produziert werden und schon deshalb die Anbaufläche schrumpft. Und das hätte möglicherweise wiederum Einfluss auf die Versorgungssicherheit des Marktes.

Lässt man also erneut den freien Kartoffelanbau fallen, so gefährdet man eine nachhaltige Rohstoffversorgung.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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