Kartoffeln: Die Pfalz pflanzt schon Verarbeitungsrohstoff
Speisekartoffeln werden teurer
Während die Bauern im Norden und Osten der Republik aufgrund anhaltender Minusgrade noch keinen Gedanken ans Kartoffelnpflanzen verschwenden, laufen die Feldbestellungen in der Pfalz schon auf Hochtouren. In diesen Tagen wird die Saat für den neuen Chipsrohstoff gelegt. Auch in Belgien und Frankreich haben die Pflanzungen für Verarbeitungsrohstoff begonnen. Dort ist man im normalen Zeitplan, insgesamt startet die Pflanzsaison hierzulande aber später.
Von dem Pflanztermin hängt aber ab, wie lange die Frittenfabriken im Juni ihre Werksferien ausdehnen müssen. Man geht nämlich allgemein davon aus, dass ein direkter Versorgungsanschluss zwischen der alten und neuen Ernte nicht erreicht wird. Dazu sind die Vorräte schon jetzt viel zu weit verbraucht. Trotz einer saisonüblich ruhigen Nachfrage nach Kartoffelprodukten laufen die Anlagen in den Frittenschmieden weiter auf Hochtouren. Um den Rohstoff, der im letzten Sommer allgemein weniger Stärke eingelagert hatte, so optimal wie möglich auszunutzen, zieht man sogar umfangreich Liefertermine vor. Es besteht bei niedriger Stärke und kalten Lagertemperaturen nämlich die Gefahr, dass die Backfarben schneller nachlassen als sonst üblich.
Seit Anfang Februar gelingt es den Verarbeitern sogar endlich ihre Produktläger aufzustocken. Das ist auch nötig, denn, egal wie früh neuer Rohstoff zur Verfügung gestellt werden kann, es werden im Juni längere Werksferien als üblich kommen weil es Rohstoff fehlen wird und während dieser Zeit muss man die Versorgung aus mit Vorräten bestreiten.
So lange die Kartoffelnachfrage aus dem Ausland nicht erneut neue Impulse setzt, kann die Inlandsnachfrage hiesiger Fabriken das Preisniveau aber stabil halten. Dennoch notierte der Eurex-Index heute um weitere 50 Cent schwächer, nämlich auf 22,2 €/dt, weil am vergangenen Freitag die Franzosen um zwei Euro schwächer notierten. Damit dürfte aber die jüngste Schwächefase beendet sein, denn seither gab es in den anderen, für den Index bedeutenden Nationen stabile Preise mit der Aussicht auf leichte Besserung. Insofern sehe ich es als durchaus möglich, dass der Index am 10.03. wieder leicht ansteigt.
Aber so lange es keine größeren Nachfrageimpulse gibt, bleiben die Kurssteigerungen moderat. Immer noch konzentrieren sich die Verarbeiter auf die günstig eingekauften Vertragskartoffeln; sie kaufen nur selten freie Partien zu. Nur wenn große Partien in bester Qualität angeboten werden, würde man zugreifen, diese werden aber von den Bauern zurückgehalten. Für sie steht ohnehin erst einmal die Feldarbeit im Vordergrund und so dürfte der Kartoffelmarkt noch einige Wochen ohne Impulse bleiben.
Bei den Speisekartoffeln tut sich da schon mehr. Für kommende Woche sind in Niedersachsen Preiserhöhungen von zwei Euro in Aussicht gestellt. Vorwiegend festkochende Sorten aus Flächenlägern gelten als ausverkauft und man muss nun vielfach schon auf gekühlte Kistenware zurückgreifen. Als weitere Alternative kommen dann vorerst nur französische Lagerkartoffeln im Betracht, die sind allerdings deutlich teurer. Auch wenn die Importeure von Mittelmeerkartoffeln mittlerweile umfangreiche Mengen in den Hafenplätzen vorhalten, ist das Interesse der Einkäufer dafür noch recht gering. Der Bedarf hierfür wird erst Mitte März steigen und im Mai seinen Höhepunkt erreichen. Inzwischen wird sich herausstellen, in welchem Umfang Osteuropa und insbesondere Russland bessere Preise bzw. Abnahmekonditionen bieten.
Die derzeitige Versorgung Russlands ist mühsam, denn die großen Massen, die man bisher üben die Ostesee verbrachte, können auf dem Straßenweg kaum so zügig geliefert werden. Es hat sich aber wieder ein stetiger Abfluss und nachhaltige Nachfrage etabliert, die bisher aber noch keine neuen Preisimpulse auslösten. Kenner der Szene wetten aber darauf, dass bei höheren Temperaturen die Lieferbereitschaft der Bauern sinkt weil Feldarbeiten Vorrang vor der Auslagerung bekommen. Da die Fabriken hierzulande aber gut mit Vertragskartoffeln versorgt sind, wird ihre Nachfrage die Preise kaum treiben. Dennoch könnten die Einkäfer daran ein Interesse daran haben, dass die Notierungen steigen, da mit teurerem Rohstoff auch die Produktpreise anziehen dürften. Die Rohstoffmengen, die man bis zum Ende der Saison noch benötigt, können nicht mehr so riesig ausfallen und die Produkte in den Tiefkühllägern konnten mit Vertragskartoffeln hergestellt werden. Höhere Notierungen würden also in erster Linie ausländischen Kunden den Einkauf verteuern.
Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH