Kartoffeln: EHEC lenkt Warenströme um

Märkte für Speise- und Veredelungskartoffeln wieder synchron

Die Verbraucher sind wieder einmal zutiefst verunsichert. Obwohl der Vorwurf wohl unbegründet war, dass die EHEC Bakterien mit spanischem Gemüse nach Deutschland gelangt seien, meiden viele Verbraucher diese Lieferungen immer noch. Hierzulande listete ein großer Discounter spanische Kartoffeln bereits aus und Russland hat sogar den Gemüseimport aus der ganzen EU auf Halt gestellt. Trotz einer kleinen Ernte (Ernteverspätung, Anbaueinschränkung und Phythophtora) verfielen die Kartoffelpreise in Spanien. Profiteure dieser Notlage sind ägyptische und israelische Lieferanten. Aufgrund stark steigenden Kaufinteresses stabilisieren sich die Preise bereits. Der saisonübliche Preisverfall ist vorerst gestoppt.

Während man das Verbraucherverhalten wohl als Hysterie bezeichnen muss, unterstellen Marktbeobachter den Russen einkaufstaktisches Verhalten. Ist erst der Gemüsemarkt völlig zusammengebrochen, bekommt man die Ware vielleicht bald geschenkt. Entsprechend hilflos klingen die Klagen der betroffen Landwirte. Sie fordern Schadensersatz von den Verursachern. Aber bisher weiß niemand, wer das sein könnte, denn die Suche nach dem Krankheitsherd blieb bisher ohne Erfolg.

Von diesem Durcheinander werden dann wohl auch die deutschen Speisekartoffelproduzenten profitieren. Trotz einer sehr schwachen Verbrauchernachfrage, die bereits zu erheblichem Preisdruck geführt hatte, gibt es plötzlich kaum noch Konkurrenz. Ägypten und Israel beliefern nun Russland und vom spanischen Vertragsanbau für den deutschen LEH gelangt vorerst weniger zu uns ins Land. Wegen des frühen Pflanztermins hierzulande konnten in einigen deutschen Frühkartoffelregionen zeitig Reife fördernde Maßnahmen ergriffen werden und so akzeptieren auch die Supermärkte unsere heimischen Frühkartoffeln ca. 14 Tage früher als geplant.

So scheint der Speisekartoffelmarkt sich nun wieder mit dem Markt für Veredelungskartoffeln zu synchronisieren. Trockenheit bleibt hier das dominierende Thema. In Frankreich spricht man bereits von einer Jahrhundertdürre. Die Behörden in verschiedenen Ländern beschränken die Wassernutzung z.B. in Frankreich. Laut AMI-Recherchen sollen hier bereits 58 Gebiete reglementiert sein. Auch im Süden bzw. Südosten der Niederlande wurden Wasser Sparmaßnahmen bis hin zum Beregnungsverbot angeordnet.

Die Nachfrage nach alterntigem Frittenrohstoff bleibt deshalb ungebrochen und die Preise für die knappen Restbestände streben weiter in Richtung Norden. Die Belgapom bestätigte gestern mit 25 Euro/dt den starken Anstieg der letzten 14 Tage und die französische SNM zog nun auch endlich nach und setzte gestern den Preis für feldsortierte Bintje 35 mm+ ebenfalls auf 25 Euro/dt fest. Das war ein Preisanstieg gegenüber der Vorwoche von stolzen 5,5 €/dt.

Auf für den Juni-Future relevanten Eurex-Index auf Veredelungskartoffeln hat das aber keinen Einfluss mehr. Bereits am 02.Juni war hierfür der letzte Handelstag. Da am Ende der Vermarktungsperiode die Datenbasis des zugrunde liegenden Kassamarktes zu dünn wird, läuft der Juni-Kontrakt im Gegensatz zu den anderen Fälligkeiten bereits zu Beginn des Monats aus.

Das Handelsinteresse der Agrarier an der Frankfurter Terminbörse konzentriert sich aber schon längst auf die neue Ernte. Die Kursschwan-kungen insbesondere des April-12-Termins sind auch für alle Beteiligten wesentlich spannender. Zumal die Wetterberichte und die zu erwartenden Auswirkungen für die europäische Kartoffelernte auch für branchenferne Anleger zum Fachsimpeln und zum Spekulieren verleiten. Das funktioniert auch offensichtlich ganz gut wie man am Beispiel der zurückliegenden Woche sieht. Alleine die Ankündigung von Gewittern veranlasste viele Halter von Kaufpositionen zunächst einmal ihre Gewinne mitzunehmen. Gleichzeitig nutzen immer mehr Landwirte die hohen Preise von zum Teil über 20 Euro für eine Preissicherung. Die Logische Folge war ein regelrechter Kurssturz in Richtung 17 €/dt.

So stellt sich nun also auch hier die Preisfrage: Wie geht es weiter? Ganz einfach: Schauen sie auf den Wetterbericht. Landwirte und Verarbeiter sollten dabei aber nicht Ihr Ziel aus den Augen verlieren, nämlich die Risikobegrenzung für ihr zugrunde liegendes Geschäft.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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