Kartoffeln: Endgü. Ernteschätzung Niedersachsen nun doch über Vorjahr
Gute Auftragslage im Dezember
Die Kartoffelernte in Niedersachsen soll nun, nach Angaben des Niedersächsischen Landesamtes für Statistik, doch größer ausgefallen sein als im Vorjahr. In ihrer September-Schätzung sahen die Statistiker die Ernte noch bei 5.052 Mio. Tonnen das entsprach 3,3 % weniger als 2007. Nach Auswertung aller Meldungen der Ernteberichtserstatter werden nun aber 5,256 Mio. Tonnen geschätzt, ein Plus von 0,6 %. Man muss nun also 200.000 Tonnen mehr vermarkten, als bisher geplant. Das bestärkt die Vermarkter in ihrer Auffassung, möglichst jeden Auftrag an Land zu ziehen.
Die Erfassungshändler im bedeutendsten Kartoffelland Deutschlands sind in diesen Tagen eigentlich mit der Auftragslage recht zufrieden. Die Exporte nach Osteuropa laufen stetig weiter und die Erlöse dafür haben sich sogar geringfügig verbessert. Die Nachfrage nach frischen Speisekartoffeln bleibt stetig; der Rohwarenbedarf dafür ist allerdings aufgrund der außerordentlich grobfallenden Knollen außergewöhnlich hoch. Um 50 Tonnen Speisekartoffeln für das Tütengeschäft zu erhalten, müssen meist 100 Tonnen ausgelagert werden. Neben den vielen Übergrößen und dem eher knapp verfügbaren untermäßigen Knollen, werden regelmäßig 20 % mangelhafter Knollen verworfen. Rhizoctonia, Wurmfrass, ergrünte Knollen sowie Silberschorf, sind die meistgenannten Mängel. Die Aufbereitung des Rohstoffs, sowie die Verpackung der Übergrößen für den Export sind meist sehr zeitaufwändig, sodass unter den Versendern in diesen Tagen keine lange Weile aufkommt.
Man kann von Glück sagen, dass auch die Packstationen im Westen der Republik noch deutsche Herkünfte bevorzugen. In den Jahren zuvor wurden zu dieser Zeit vereinzelt schon französische Kartoffeln bei LEH gelistet. Die Einkäufer sind in Bezug auf diese Herkunft aber noch vorsichtig, müssen sie doch befürchten, dass die wegen ihres ansprechenden Äußeren bevorzugten Kartoffeln, beim Rückstandsmonitoring auffällig werden. Da französische Lagerkartoffeln in der Regel erst sehr spät vermarktet werden, werden sie obligatorisch gleich nach der Ernte mit der maximal zulässigen Menge an Keimhemmmitteln versehen. Die vorgeschriebene Wartezeit ist frühestens im Januar verstrichen. Außerdem haben längst nicht alle französischen Produzenten eine Zertifizierung nach Global GAP, sodass eine Rückverfolgbarkeit von auffälligen Partien zur kompletten Auslistung eines Lieferanten führen könnte.
Insofern dürfte die gute Auftragslage für niedersächsische Versender zumindest über den Dezember anhalten und das ist angesichts der gut ausreichenden Gesamtmenge wohl auch nötig. Schließlich besteht mit dem fortlaufenden Preisverfall beim Frittenrohstoff auch noch die Gefahr, dass Anbieter in Belgien, Holland oder auch aus Westdeutschland sich verstärkt um die Abnehmer in Osteuropa bemühen.
Diese Gefahr nimmt bereits in den nächsten Tagen zu, denn am vergangenen Freitag gaben die Notierungen sowohl in Belgien, als auch in Frankreich noch einmal um ca. einen halben Euro pro 100 kg nach. Zuvor hatte man gehofft, dass der Preisverfall nun endlich zum Stillstand kommen könnte, hatte doch die Rotterdamer Notierung am 24.11.08 sogar um 10 Cent zugelegt.
Die schwierigen wirtschaftlichen Umstände aufgrund der anhaltenden Finanzkrise in der gesamten so genannten westlichen Welt drücken offensichtlich auch den Frittenkonsum. Trotz einer sehr kleinen Kartoffelernte in Nordamerika klagen nun sogar die Kanadier über die schwache Nachfrage aus den USA, dem größten Abnehmer ihrer Produktion. Da die Big Player unter den Frittenherstellern allesamt auch in Belgien und/oder den Niederlanden produzieren, betrifft der Weltmarkteinfluss auch die anderen in der Kartoffelbranche.
Das betrifft mittlerweile auch die Züchterhäuser, die längst noch nicht genügend Saatkartoffeln verkaufen konnten, weil die Erlössituation der Bauern alles andere als gut ist. Wer jetzt für seinen Frittenrohstoff noch keinen Käufer hat und möglicherweise noch lange auf Absatz warten muss, wird seine Anbauplanung für 2009 noch einmal überdenken und vorsichtshalber weniger Saatgut ordern.
Unter diesen Umständen bleiben die Kartoffelkurse an der RMX in Hannover ohne Fantasie. Mit acht Euro notiert man für April 2009 nur genauso viel, wie der aktuelle Kassamarkt hergibt. Der April-2010-Future verspricht den Bauern dagegen eine gute Wertschöpfung, wird aber selbst bei 14 €/dt kaum zur Absicherung genutzt. Sollte nämlich die Anbaufläche nochmals signifikant eingeschränkt werden und die Ernte, aus welchen Gründen auch immer, einmal nicht so optimale Erträge hervorbringen, könnten die Kartoffelpreise selbst dieses Niveau übersteigen.
Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH