Kartoffeln: Ernteergebnisse nach oben korrigiert

Preise werden mit Disziplin gehalten – Belgien avanciert zur größten Kartoffelproduktionsstätte Europas

In den Niederlanden, Großbritannien und Polen wurden in den zurückliegenden Tagen neue Erkenntnisse zu den Ernteergebnissen für Kartoffeln veröffentlicht. Die Holländer geben ihre endgültige Gesamtmenge nun um 230.000 Tonnen höher an als früher geschätzt (+3,3%). Die Mehrmenge soll ausschließlich aus Stärke- und Pflanzkartoffeln bestehen. In Großbritannien wurden Ende Februar 15 % höhere Lagerbestände ermittelt und in Polen wurde das endgültige Gesamtergebnis sogar um 500.000 Tonnen nach oben korrigiert.

Trotz alledem hatte sich die Stimmung am Konsumkartoffelmarkt aufgehellt. Der Veredelungskartoffelindex der Eurex stieg um weitere 30 Cent an und notiert nun bei 8,3 €. Das war allerdings für die Optimisten eine Enttäuschung, denn der sprunghafte Anstieg der Belgapom-Notierung am 26.03. konnte von den anderen Meldern nicht nachvollzogen werden. Gestern stagnierte nun die Belgapom auf dem erreichten Niveau von 7,5 €. Ein erster Hinweis darauf, dass auch der Eurex-Index vorerst nicht höher auskommt. Die Basis zum April-10-Terminkontrakt betrug am Gründonnerstag noch stolze 90 Cent.

Für die Halter der über 2.500 offenen Börsenkontrakte auf dieser Fälligkeit stellt sich nun die Frage, wie der Markt mit den immer noch großen Vorräten aus der alten Ernte umgehen wird. Problematisch ist weiterhin, dass der Großteil der Menge qualitativ als kritisch bezeichnet werden muss. Dennoch zog in den zurückliegenden Tagen die Unterkante der Notierungen vieler Regionalbörsen an. Ein untrügliches Zeichen, dass billiger Rohstoff benötigt wird. Die Oberkante schwächte sich allerdings meist ein wenig ab.

Osteuropa hat den Anlauf Mitteleuropäischer Versender auf höhere Preise völlig ignoriert. Dort wird zwar im weiteren Verlauf noch großer Importbedarf vermutet, man kauft aber immer nur soviel, dass es keinen Einfluss auf die Preisgestaltung nimmt. Kurz vor dem Osterfest erlag die Nachfrage sogar beinahe ganz und die Anbieter reagieren mit „Friedensangeboten“, um im Markt zu bleiben. Gerade die Sorte Bintje liegt wie Blei und die Züchter neuer Sorten sehen schon die Gelegenheit gekommen, Bintje endlich vom Markt zu verbannen. Denn seit Jahren bringt sie keine Lizenzgebühren mehr ein.

Die weitere Nachfrage Osteuropas nach alterntigen Konsumkartoffeln wird in zunehmendem Maße von der Angebotsentwicklung frühreifer Sorten abhängen. In Polen wurden zum Beispiel bereits alle Frühkartoffeln bei trocknem und sonnigem Wetter fristgerecht gepflanzt. Auch die Anbieter aus Nordafrika (östliches Mittelmeer) haben große Mengen für ihre neue Kundschaft in Osteuropa reserviert.

Letztendlich werden die Verbraucher entscheiden, ob die angebotenen Qualitäten noch genügen oder nicht. Vor dieser Frage stehen auch die Kartoffelverarbeiter in Mitteleuropa. Wie lange genügt die Qualität den Ansprüchen und den Möglichkeiten der Verarbeiter? Bislang waren die Qualitäten ganz passabel, war von Norddeutschen Verarbeitern zu hören. Deshalb hatte man es in der zurückliegenden Woche auch nicht nötig, die höheren Forderungen überregionaler Anbieter zu akzeptieren.

Dass sie stets aus dem Vollen schöpfen konnten, ist für europäische Verarbeiter ein Glücksfall. Die Preis- und Mengenentwicklung der letzten Wochen zeigt aber auch, dass die Landwirte gelernt haben große Ernten sehr diszipliniert zu vermarkten. Zuletzt wurde den Verkäufern sogar immer häufiger dafür Respekt gezollt. Es herrscht die Meinung vor, dass in früheren Jahren eine derart große Erntemenge zu ruinösen Preisen geführt hätte und die Anbaufläche in der Folge wiederum eingeschränkt worden wäre. Daran scheinen aber auch die Verarbeiter nicht wirklich ein Interesse zu haben. Sie zahlten deshalb stets Preise, mit denen die besten Landwirte kostendeckend arbeiten können; höher Forderungen wiesen sie aber stets zurück.

Schließlich basiert der Erfolg der europäischen Verarbeiter maßgeblich auf ihrer regionalen Rohstoffversorgung, wie das Beispiel Belgien anschaulich verdeutlicht. Das enorme Wachstum der dortigen Kartoffeln verarbeitenden Industrie war nur durch die Bereitschaft der Landwirte ihre Anbaufläche auszuweiten, möglich geworden. In diesem Jahr setzten Belgiens Verarbeiter erstmals mehr als 3 Mio. Tonen Rohstoff ein und das ist offensichtlich noch nicht das Ende der Fahnenstange. Eine weitere große Produktionsanlage ist nun an den Start gegangen und dafür wird die Anbaufläche wohl erneut ausgeweitet. Damit wird Belgien in der Saison 2010/11 zur größten Kartoffelproduktionsstätte Europas.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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