Kartoffeln Erste EARS-Schätzung: Die „Großen Fünf“ ernten 10 % weniger

Frittenrohstoff wird nur verhalten nachgefragt

Das Forschungszentrum EARS im Niederländischen Delft gab heute seine erste Ertragsschätzung für die Europäische Kartoffelernte heraus. Danach sind in den großen fünf europäischen Kartoffelnationen (B,F,D,NL,UK) rund 10 % weniger Kartoffeln zu erwarten. Selbst in Belgien, wo die Anbaufläche zunahm, wird gegenüber dem Vorjahr eine um knapp 500.000 Tonnen kleinere Ernte erwartet. Multipliziert man die EARS Ertragsschätzungen mit den zuletzt vom AMI bekannt gemachten vorläufigen Anbauflächen, so wird die Ernte in den großen fünf Kartoffelnationen auf 31,780 Mio. Tonnen kommen, 3,663 Mio. Tonnen weniger als im Vorjahr. 2006 waren es hier 31 Mio. Tonnen.

Die Erhebungsmethode von EARS ist, höflich umschrieben, „sehr modern“. Mittels Satellitenbeobachtung werden seit Vegetationsbeginn stündlich die Wachstumsbedingungen erfasst. Dabei spielen die Entwicklung des Chlorophylls, die Strahlung, Verdunstung, sowie die vorherrschenden Luft- und Bodentemperaturen eine wichtige Rolle. Wegen dieser bisher unüblichen Methode werden die Ergebnisse von EARS von Praktikern stets mit Skepsis aufgenommen. Die in den letzten Jahren veröffentlichten Zahlen lagen letztendlich aber meist nahe den tatsächlichen Endergebnissen.

Dennoch konzentrierte sich das Interesse der Marktbeteiligten zuletzt mehr auf die alt bewährten Methoden wie wiegen und messen. Und so kommen fast täglich neue Daten ans Licht, die nun die in den letzten Wochen entwickelten Fantasein verifizieren müssen. Den vorherigen hausseverdächtigen Bewertungen wich in dieser Woche aber eher einer optimistischen Mengenschätzung, wie sich deutlich an den Börsennotierungen zeigt. Von den vorläufigen Spitzenwerten um die 24 Euro/dt sind wir mittlerweile weit entfernt. Heute ereichten wir ein Vier-Wochentief mit 18,8 €.

Bei den Frühkartoffeln bestätigen sich während der laufenden Ernte noch die schwachen Ergebnisse von bis zu 30 % unter denen des letzten Jahres, während die Anschluss- sowie die spät reifen Sorten noch von den Regenfällen im August profitieren konnten. In Belgien beispielsweise erhöhte sich bei den systematischen Proberodungen der Bintje der durchschnittliche Hektarertrag in einer Woche um acht Tonnen. Ein Wert, der in die Jahreszeit passt. Die breit gestreuten absoluten Einzelwerte lassen aber aufhorchen, denn es gibt durchaus auch Ergebnisse unter 20 Tonnen/ha neben Flächen, die bereits mit 38 Tonnen/ha Erträge zeigen, die man auch in Spitzenjahren kaum höher vorfand. Dieser „Flickenteppich“ an verschiedenen Ertragsmessungen macht es auch immer schwerer, repräsentative Mengen zu erfassen. Laut EARS werden belgische Bauern im Vergleich zum Vorjahr 18 % weniger Kartoffeln pro ha ernten. Und das entspricht auch der bisherigen Beobachtung des belgischen Erzeugerverbands FIWAP.

Sollte die EARS mit ihren Schätzungen Recht behalten, so läge das Ernteergebnis der „Großen Fünf“ in diesem Jahr leicht über dem von 2006. Aufmerksamen Beobachtern wird es nicht entgangen sein, dass die Kassapreise damals bis auf 30 €/dt stiegen. Dies aber wohl hauptsächlich nur deshalb, weil die Abgabebereitschaft aus der Landwirtschaft stets sehr zurückhaltend war. Der Rohstoff wurde entsprechend wirtschaftlich eingesetzt. Das hohe Preisniveau konnte tatsächlich bis Ende April 2007 gehalten werden und die meisten Landwirte profitierten davon. Am Ende gab es aber einen großen Einbruch der Preise auf bis zu 10 €/dt weil zu viele Lagerhalter noch höhere Preise provozieren wollten und bei dieser Spekulation unterlagen. Die Fabriken hatten nämlich vorsorglich im Mittelmeerraum einen frühen Anbau von Verarbeitungsrohstoff geplant und konnten ab Juni darauf zurückgreifen.

Die Verarbeiter sind insofern für ihr besonnenes Einkaufverhalten und ihren Weitblick bekannt und dafür auch bei den Erzeugergemeinschaften gefürchtet. So auch in diesen Tagen. Trotz einer flotten Flächenräumung wegen der niedrigen Frühkartoffelerträge ist es den Einkäufern gelungen, die Einstandspreise für freie Kartoffeln um mindesten 2,5 €/dt zu drücken. Die Belgapom-Notierung lag heute mit 17,5 €/dt für einen August-Termin zwar noch immer sehr hoch, aber eben 2,5 €/dt unter der Vorwochennotierung. Bei normalen Ertragszuwächsen und einer ruhigen Nachfrage der Fabriken übersteigt das Angebot aus der Landwirtschaft zurzeit den Bedarf.

Nur weitere Nachfrageimpulse aus dem Ausland oder dem LEH können die saisontypische Talfahrt der Preise in Schach halten. Gibt es aber noch qualitätsbedingten Abgabedruck, wird es vorerst keinen Engpass bei Rohstoff geben. Dann besteht erst nach Beendigung der Haupternte eine neue Chance auf höhere Preise.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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