Kartoffeln: Erster Frittenrohstoff 14 Tage später

Bald Wettbewerb um gute Restpartien?

Das anhaltend kalte Wetter verzögert den Start in die neue Ernte um 14 Tage, schätzen Experten. Aus diesem Grund bleiben die Einkäufer der Fabriken weiterhin an dem alten Frittenrohstoff interessiert, denn bislang war es ihnen kaum möglich, größere Produktvorräte aufzubauen; das ist aber bei einem verspäteten Saisonstart dringend erforderlich. Der Export veredelter Kartoffeln läuft nämlich auf höchstem Niveau und viele Fabriken arbeiten schon seit Monaten an der Grenze ihrer Auslastung. Die derzeitige Euroschwäche beschleunigt den Ex-portabsatz noch.

Der Wechselkurs des Euro/US-Dollar liegt zurzeit bei 1,275. Er verlor binnen vier Wochen 8,5 Cent oder 6,5 %. Seit Dezember 2009 verlor der Euro gegenüber dem Russischen Rubel sogar um gut 13 % (von 45 Rubel auf heute 39 Rubel) und so beflügelt der Verfall unserer Gemeinschaftswährung die Lieferungen aus dem Euroraum nach Russland und die übrige Welt.

Am stärksten kann davon die belgische Verarbeitungsindustrie profitieren. Sie schwebt auf einer ungeahnten Erfolgswelle, denn der Ausstoß von Pommes wuchs um 8,2 %, der der Rohstoffintensiven Produkte Flocken, Chips und Beilagen sogar um 30 %. Der Rohstoffeinsatz für die Herstellung aller Kartoffelprodukte dürfte in der laufenden Saison die 3 Mio.-Tonnen-Grenze deutlich übersteigen. Trotz der deutlichen belgischen Flächenausweitung im Vorjahr mussten die Einkäufer bis zu 1 Mio. Tonnen Verarbeitungsrohstoff importieren. Bleibt das Wachstum so dynamisch, ist die prognostizierte Flächenausweitung von 7 % schon vollends verplant.

Diese Erfolgsgeschichte strahlt auch in die benachbarten Länder aus. Weil bei den belgischen Verarbeitern sich die Einkäufer aus aller Welt die Klinke in die Hand geben, sinkt der belgische Produktabsatz zu seinen unmittelbaren Nachbarn. Hierzulande sank zwar der Pro-Kopf-Verbrauch an Kartoffelprodukten um 4,3 % während die anderen tiefgekühlten Produkte auf hohem Niveau stagnieren, die deutschen Verarbeiter konnten aber ihren heimischen Marktanteil ausbauen, während Belgien sich auf andere Kunden in der Welt konzentriert.

In dem ebenfalls Export orientierten Holland werden immer noch große Rohstoffmengen bei den Landwirten vermutet. Nachdem die vorrangigen Feldarbeiten erledigt waren, gab es nicht den erwarteten Angebotsdruck. Bei gleich bleibender Nachfrage der Fabriken konnten sich die Kassanotierungen halten. Nun hoffen die Lagerhalter auf eine Belebung der Nachfrage Russlands und anderer osteuropäischer Staaten, bei denen noch ein großer Bedarf unterstellt wird. Sie suchen sich aber stets die billigsten Partien aus, die hierzulande kaum noch einer verarbeiten will. Direkte Preisimpulse können also von dort kaum zu erwartet werden, aber selbst qualitätskritische Vorräte werden weiterhin zügig abgebaut. Das begründet dann auch die Erwartung baldiger Preissteigerungen, zumal die Verarbeiter noch längere Zeit die besseren Partien verlangen werden.

Dass nicht nur Kartoffelprodukte ein Exportschlager sind, beweist die UNPT in Frankreich. Von dort wird nämlich auch Rohstoff nach Spanien und Griechenland und sogar Südamerika und Südafrika verschifft. Alle die beschrieben Aktivitäten haben das Ziel, die große alte Ernte zügig zu vermarkten, um das Gespenst eines finalen Preisverfalls zu bändigen. Und es scheint zu funktionieren, denn die fünf nationalen Notierungen für den Eurex-Index auf Veredelungskartoffeln gaben kaum noch nach. Der Marktzeiger steht zurzeit mit 9,7 €/dt, 10 Cent schwächer als in der Vorwoche. Und er wird wohl noch einmal 10 Cents nachgeben, weil gestern die französische SNM um 39 Cent niedriger notierte.

Landwirte beklagen zwar immer noch einen schleppenden Absatz bestimmter Sorten und Qualitäten, wie z.B. Bintje mit Lagerdruckstellen, wenn aber die Einschätzung der Experten nicht trügt, dürften diese Mengen schon bald den Weg nach Osteuropa antreten. Wegen der verspäteten Frühkartoffelernte dürfte die große Vorjahresernte dann doch wohl bald verkauft sein. Bleibt nur die Frage, ob die Fabriken am Ende noch Preisanreize geben müssen, um die restlichen guten Partien rechtzeitig zu mobilisieren.

Wer hätte gedacht, dass eine derart kom-fortable Rohstoffversorgung noch einen Wettbewerb auslöst?

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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