Kartoffeln: EU-5: Ausweitung der Konsumkartoffelfläche wahrscheinlich
Lieferversprechen auf Basis der Eurex-Kurse
Die Pflanzarbeiten sind in Mitteleuropa nahezu abgeschlossen. Abgesehen davon, dass es meist noch zu kühl ist, waren die Bedingungen selten so gut wie in diesem Jahr. Währenddessen melden sich immer mehr Beobachter und Organisationen mit einer Prognose zur Anbauflächenentwicklung der fünf großen Kartoffelnationen (B, NL, F, GB, D = EU-5). Nur Agri-Europe erwartet einen Rückgang der Fläche, alle anderen erwarten in dieser Region eine Ausweitung um bis zu 3 %.
Die unterschiedlichen Einschätzungen sind wohl damit begründet, dass die verschiedenen Verwertungsrichtungen schwer voneinander abzugrenzen sind. So ist zu vermuten, dass Agri-Europe den starken Rückgang der Stärkeanbaufläche in den Konsumkartoffelbereich hat einfließen lassen. Frankreich meldet zum Beispiel eine 20 %ige Reduzierung seines Stärkekartoffelareals. Es ist wohl auch unmöglich zu unterscheiden, in welche Verwendung das Erntegut letztendlich fließt. Gerade in teuren Kartoffeljahren trugen Sorten, die für mehrere Zwecke geeignet sind dazu bei, dass es niemals zu wirklichen Versorgungsengpässen kam.
Die meisten Marktbeobachter unternehmen aber den Versuch, den für die Stärkeindustrie geplanten Anteil, aus der Konsumkartoffelfläche herauszurechnen und sie kommen jetzt allesamt zu Schluss, dass der Konsumkartoffelanbau in der EU-5 zum Teil deutlich wächst. So wird in Flandern auf einer um 7 % größeren Anbaufläche mehr Frittenrohstoff angebaut. Insgesamt wird deshalb in Belgien auf 5 % mehr Fläche Frittenrohstoff angebaut, so die Einschätzung vom AMI. Eine gleich große Flächenausweitung soll es auch im Westen Deutschlands geben. Das hat den Pflanzenzüchtern in diesem Jahr eine gute Absatzsituation beschert. Experten warnen aber schon vor dem nächsten Jahr, denn eine Ausweitung der Konsumkartoffelfläche in Westeuropa, verbunden mit durchschnittlichen Erträgen, hätte fatale Auswirkungen auf die Preisentwicklung. Niedrige Erlöse für die Konsumware zögen aber immer auch schlechte Pflanzkartoffelpreise nach sich, so der Finanzvorstand vom Agrico in den Niederlanden Jan von Hoogen.
Ganz so negativ sieht es die Börse nicht. Preise von 13 € für 100 kg auf dem April-11-Futures sind für die Landwirte durchaus kostendeckend; sie nutzen mit der Absicherung die Bereitschaft der Spekulanten, solch hohe Preise anzulegen. So stieg der Kontraktbestand in den letzten Tagen sprunghaft an, nachdem die Sicherheiten aus den glattgestellten April-10-Kontrakten freigegeben wurden. Die meist spekulativen Käufer setzen auf einen weiteren Preisanstieg durch Wettereinflüsse. Tatsächlich gab es im Sommer immer wieder einen Wettermarkt, der die Kurse kurzfristig nach oben schießen ließ. Nachdem die Pflanzarbeiten nun weitestgehend unter fast optimalen Bedingungen abgeschlossen wurden und die Konsumkartoffelfläche wohl auch steigen wird, wollen Landwirte die Börse zur Preissicherung nutzen.
Es wird aber auch davon berichtet, dass der Anteil der vertragsgebundenen Kartoffeln in Belgien von 67 % auf 71 % zugenommen habe. Das widerspricht jedoch nicht dem Preissicherungsbedarf an der Börse. Bei den Festverträgen handelt es sich nicht nur um Festpreisabsprachen, sondern es kommt den Beteiligten in erster Linie auf die Mengensicherung an. Die Preisfindung bei dem Eigentumsübergang wird immer öfter auf Basis des Börsenpreises vorgenommen. Diese so genannten EFP-Verträge unterstützen sogar die Bereitschaft der Erzeuger frühzeitig ein Lieferversprechen abzugeben. Damit erhöht sich die Planungssicherheit beider Parteinen; die Preissicherung nehmen sie dann unabhängig voneinander und unter Wahrung ihrer eigenen Interessen an der Börse vor. In den zurückliegenden Monaten hat sich nämlich die Eurex als zuverlässige Börse für die Kartoffelindustrie herausgestellt, denn sie lieferte stets zuverlässige Referenzpreise.
Darüber hinaus unterliegen auch die tatsächlich freien Kartoffeln einem großen Preisschwankungsrisiko. Der hohe Rohstoffbedarf der europäischen Frittenhersteller in der zurückliegenden Saison zeigt deutlich, dass selbst große Ernten nicht mehr unter den Produktionskosten verkauft werden müssen. Jetzt, zum Ende der Vermarktungszeit, wo die Vertragsware weitestgehend verarbeitet ist, steigen die Preisschwankungen immer mehr. Waren noch in der Vorwoche alle Kassanotierungen auf Hausse eingestellt, so senkten die belgischen Erzeugerorganisationen Fiwap/PCA ihre Preise wieder. Auch die Belgapom senkte gestern die Einkaufspreise um 50 Cent, so-dass der Eurex-Index am kommenden Donnerstag wieder leicht nachgeben wird.
Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH