Kartoffeln: EU-Kartoffelmenge wie im Vorjahr

Überhänge im Westen - weite Transporte nötig

Auf Grundlage nationaler Statistiken und eigener Schätzungen veröffentlichte die AMI (Agrarmarktinformation) gestern ein Zahlenwerk zu der diesjährigen Kartoffelernte in der EU. Danach werden in Westeuropa (EU-15) 45.049 Mio. to und damit ca. 1 Mio. to mehr als im Vorjahr geerntet, in der EU-27 weicht die Schätzung kaum von der endgültigen Ernte in 2008 ab. (2008 = 61.917 Mio. to und 2009 = 61.668 Mio. to)

Die großen Mengen in Westeuropa reichen also für den Eigenbedarf allemal aus, selbst wenn die Qualitäten vielfach bescheiden sind und einige Prozente mehr Rohstoff für die Erzeugung von hochwertigen Kartoffelprodukten eingesetzt werden müssen. Aus den Zahlen wird aber auch deutlich, dass insbesondere Osteuropa einen hohen Zufuhrbedarf hat. Ob die Mengen, die man kaufen wird, aber größer sind als im Vorjahr, muss sich erst noch bewahrheiten.

Auffällig ist, dass Polen in diesem Jahr im Vorjahresvergleich 1,2 Mio. to weniger Kartoffeln geerntet hat. Seit dem EU-Beitritt nahm die Kartoffelanbaufläche kontinuierlich ab. Dort wurden in diesem Jahr auf 530.000 ha Kartoffeln angebaut, 19.000 ha weniger als im Vorjahr; 2001 waren es noch mehr als 1,1 Mio. ha. Die Gesamternte beträgt jetzt 9,2 Mio. to. Das Massengut Kartoffeln, früher vielfach als Viehfutter geplant, entwickelt sich zum hochwertigen Lebensmittel. Die Produktion hält mit den höheren Qualitätserwartungen kaum noch Schritt. Verbraucher in den Städten kaufen meist in Supermärkten oder viel lieber noch bei den Discountern und erhalten dort ein standardisiertes Produkt nach westlichem Vorbild. Längst noch nicht alle Lieferanten sind in der Lage, die rasant steigenden Bedürfnisse der Einkäufer zu erfüllen. Obwohl auch in Polen heimische Lebensmittel bevorzugt gekauft werden, können die Anforderungen an Verpackung und Logistik nicht immer erfüllt werden.

Deshalb werden, obgleich rein rechnerisch die eigene Produktion für den Bedarf der privaten Haushalte ausreicht, seit einigen Jahren immer wieder Kartoffeln bevorzugt aus Deutschland eingeführt. Man nimmt nicht nur lose Ware, Grenznahe Packstationen, zu denen ich auch noch niedersächsische und bayerische Standorte zähle, liefern neben Großgebinden in 12,5 oder 25 kg auch Kleinpackungen direkt zu den Supermärkten oder an deren Zentralläger. Über Kapazitätsüberhänge bei den Packautomaten spricht hierzulande, seitdem wir offenen Grenzverkehr haben, kaum noch jemand.

Diese Importe behindern in Polen den Strukturwandel. Ob man in absehbarer Zeit wieder eine Eigenversorgung herstellen kann oder ob die Deutschen Versender ihren Fuß nachhaltig in der Tür behalten, ist noch offen.

Dieses Absatzventil kommt Deutschland auch in diesem Jahr sehr gut zu pass. Immerhin verzeichnet die Statistik eine um 250.000 Tonnen größere Ernte als im Vorjahr. Man ist also erneut auf umfangreiche Ausfuhren angewiesen, um einen ausgewogenen Markt zu erhalten. Allerdings könnten wieder einmal Einfuhren aus Frankreich die Idylle trüben. Wegen schlechter Verkaufszahlen konnten die exportbedürftigen Franzosen ihre Knollen am Ende der letzten Vermarktungssaison nur mit enormen Preiszugeständnissen absetzen, große Mengen wurden sogar vernichtet. Die früher viel gelobte Optik, der auf den Kreideböden im Pariser Becken gewachsenen Kartoffeln, konnte nicht gehalten werden und schon wendeten sich, zumindest die Deutschen Käufer ab und kauften fortan mehr Lagerkartoffeln im eigenen Lande. Mit dem Vertrauen, das das auch in diesem Jahr so sein wird, hat man in Niedersachsen gerade in der letzten Woche die Erzeugerpreise um zwei Euro/dt angehoben. Misslich wäre allerdings, wenn gerade das von den Supermärkten genutzt würde, um den Franzosen hierzulande Einzug in die Regalplätze zu gewähren.

Ein auskömmliches Preisniveau in Westeuropa hängt also maßgeblich davon ab, ob es ge-lingt, die Übermengen nach Osteuropa zu bringen. Hohe Transportkosten geben nur wenig Spielraum für Preissteigerungen. Um aber den Markt in einem Gleichgewicht zu halten, sind fortlaufende Exporte nötig. Mit diesem Wissen, nutzt man auch in unseren westlichen Nachbarländern alle Möglichkeiten, die sich bieten, um den Rohstoff möglichst weit weg zu transportieren. In diesen Tagen allerdings nur mit mäßigem Erfolg.

Den Mengendruck kann man aber auch mit Kartoffelprodukten abbauen. Der veredelte Rohstoff ist ohnehin transportwürdiger, weil weniger Wasser drin ist. Ein Wermutstropfen dabei ist allerdings der teure Euro. Am Beispiel Großbritanniens wird das besonders deutlich: dort fährt man die größte Ernte seit 2004 ein und der Euro notiert nahe seinem Rekordhoch.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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