Kartoffeln: Europaweit weniger Ertrag erwartet

Lagerhalter von Industrierohstoff gefrustet

Eine verspätete Ernte zwingt die Hersteller von Kartoffelprodukten immer noch, alte Kartoffeln zu verarbeiten. Dabei müssen sie vielfach Zugeständnisse bei der Qualität machen. Die Preise wollen sie zum Unmut der Lagerhalter aber nicht anheben. Enorm gesteigerte Exporte aus Holland und Frankreich nach Ost-Europa und Russland lassen die Bestände nun rasch zur Neige gehen. Hier ein kleiner Länderüberblick:

<U>Holland:</U> Eine spätere neue Ernte hilft die bisher beängstigend großen Vorräte zu vermarkten. Man erwartet viel kleinere Erträge, die einen raschen Abzug der Vertragsware nach sich ziehen wird. Noch spricht man von Trockenheit und nicht von einer Dürre; gibt es aber nicht bald Niederschläge, wird es für das Wachstum der Kartoffeln kritisch. Der Knollenansatz ist allgemein hoch. Hohe Vertragsmengen in den Händen der Verarbeiter verhindern einen Preisanstieg von freier Ware der alten Ernte.

<U>Frankreich:</U> Es gibt immer noch ein ansehnliches Angebot an zweitklassiger Ware und alles was waschbar ist, geht als Premiumkartoffeln in den Export. Verarbeitungsrohstoff verlor zuletzt ein wenig an Wert. Die Exporte könnten die Rekordmarke von 2006/07 überschreiten. Auch hier ist es zu trocken und die Beregnungsanlagen laufen, wo sie denn verfügbar sind. Der Kartoffelanbau fällt um cirka zwei Prozentpunkte.

<U>Belgien:</U> Schlechte Qualitäten der restli-chen Lagerware verhindern einen Preisanstieg, obwohl die Ernte neuer Verarbeitungskartoffeln sich mindestens bis Ende Juni verzögert. Die Fabriken arbeiten schon seit Monaten an der Grenze ihrer Kapazitäten und wegen der guten Auftragslage hofft man auf einen raschen Anschluss an die neue Ernte. In Flandern wurde die Anbaufläche um 11 % ausgeweitet.

<U>Spanien/Portugal:</U> Mitte des Monats be-gannen die Kassapreise zu fallen; sie bleiben aber deutlich über denen der Vorjahre. Die spanische Anbaufläche in diesem Jahr ist mit 82.300 ha die kleinste seit dem Eintritt in die Europäische Union. Die portugiesische Anbaufläche schrumpft um 11 %.

<U>Schweden:</U> Zu viele Anbieter stehen nur wenigen Käufern gegenüber. Und irgendjemand ist immer bereit, auf die Gebote einzugehen. So fällt der Preis, obwohl die Erträge kleiner als in normalen Jahren ausfallen. Die Pflanzen sind 2 – 3 Wochen später entwickelt als sonst üblich.

<U>Osteuropäische EU-Staaten:</U> In <I>Polen </I>schrumpft der Kartoffelanbau weiter. Zu viele Niederschläge im Mai werden jetzt durch sehr hohe Temperaturen abgelöst. Die Kartoffelpflanzen sind im Dauerstress und die Erträge werden kleiner als üblich erwartet. Die Abhängigkeit vom Import aus Holland, Frankreich und Deutschland dürfte weiter ansteigen.

<U>Nordamerika:</U> Die ursprünglichen Flächenreduzierungen werden aktuell relativiert. Der kleinere Anbaurückgang wird nun damit begründet, dass die Verarbeiter weniger Verträge anboten. Die Lagervorräte lagen am 1. Juni um 13,2 % über denen des Vorjahres – so hoch wie zuletzt vor fünf Jahren.

<U>Importe:</U> Eine viel kleinere spanische Ernte sorgte dafür, dass die Lieferungen aus dem östlichen Mittelmeerraum schnell verkauft wurden. Zwar gab es bei den Preisen einen saisonal üblichen Preisrückgang, das Niveau bleibt aber, so lange es trocken ist, deutlich über dem der Vorjahre.
Auf <I>Zypern </I>war die diesjährige Kartoffelernte eine Katastrophe. Frost im Februar, gefolgt von Überflutungen im März ließen nur 20.000 to Lieferungen nach Europa zu, das bisher schlechteste Ergebnis überhaupt.
Die mittlere Kartoffelernte in <I>Spanien</I>, aus der die größte Menge exportiert wird, belief sich nur auf 120.000 Tonnen, obwohl in Europa ein riesiger Bedarf herrscht. Die Landwirte erhalten mit cirka 40 €/dt stabile Preise und nachdem bei kaum noch Lagerware zur Verfügung steht, dürften das auch so bleiben.

<U>Deutschland:</U> Bereits in der kommenden Woche will der LEH auf heimische Frühkartoffeln umstellen, nachdem auch französische Lagerkartoffeln ausdisponiert sind. Die viel zu knappen Mengen an Frühkartoffelimporten aus dem Süden wurden zeitweilig durch türkische Herkünfte ergänzt. In der Frühkartoffelregion im Rheinland, woher maßgeblich der erste Frittenrohstoff kommt, laufen kaum Beregnungsanlagen. Aufgrund von anhaltender Trockenheit wächst aktuell nur wenig hinzu.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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