Kartoffeln: Export bislang noch enttäuschend
Versandhändler haben Geduld
Der Handel mit Konsumkartoffeln verläuft zurzeit in ruhigen Bahnen. Trotz fehlender Absatzimpulse bleiben die Forderungen der Versender stabil. Da bis zu den vielen Weihnachtsfeiertagen, mit einem erhöhten Bedarf an Frischkartoffeln und Kartoffelprodukten, nur noch wenige Wochen verbleiben, erwarten die Marktbeteiligten schon bald hohe Arbeitsspitzen.
Das Interesse der Einkäufer des LEH zielt auf Qualitätsware, dafür wäre man auch bereit, mehr Geld anzulegen. Bis heute sind aber immer noch billige Partien im Angebot, die entweder zur Unzeit kommen oder qualitativ nicht überzeugen. Vor dem Winter ist dieses Phänomen der Lagerbereinigung zwar bekannt, der Angebotsdruck, der meist daraus entstand, ist aber in diesem Jahr nicht zu spüren. Vielmehr hegen die Bauern die Hoffnung, für beste Lagerware schon bald höhere Preise zu erzielen.
Man hofft auf eine erhöhte Nachfrage zu Weihnachten. In- und Ausländische Käufer zeigen sich schließlich schon lange kaufbereit, sehen allerdings den richtigen Zeitpunkt noch nicht gekommen. Für den täglichen Bedarf reicht das aktuell preiswerte Angebot schließlich gut aus und um sich auf einen höheren Mengenabfluss zu Weihnachten vorzubereiten, ist es noch zu früh. Schließlich hat der Lagerhalter bis dahin noch das Qualitätsrisiko zutragen. Dass es bei den Qualitäten nicht immer zum Besten steht, sieht man bei der Sorte Agria am deutlichsten. Viele Partien, insbesondere von schweren Böden, sind zu einem großen Anteil hohlherzig, werden aber von den Fabriken zügig abgenommen. Die Verarbeiter bezahlen diese Partien immerhin mit rund acht Euro/100 kg, also nur geringfügig weniger, als für einwandfreie Vertragsware. Es hat den Anschein, dass auch in diesem Jahr wiederum sparsam mit dem Rohstoff umgegangen wird.
Auch die Käufer von frischen Speisekartoffeln wissen, dass die netto verfügbare Menge kaum dem Bedarf entspricht. Zwar ist die Bruttomenge ca. 15 % größer, als im Vorjahr, die Ertragssteigerung entspricht vielfach aber dem zusätzlichen Sortierabgang. Bei Erzeugerpreisen von 10 bis 12 €/dt für die fertig aufbereitete Knollen verbleibt unter Berücksichtigung aller Aufwendungen ein Erlös von rund 8 €/dt für die Bruttomenge, lässt der Landwirt zudem noch in Lohnarbeit sortieren, verbleiben nicht selten sogar nur 7 €/dt. Solch einen Preis erlöst er aber problemlos auch in anderen Verwertungsrichtungen. Der Rohstoffabsatz in der Stärke- Flocken- oder Granulatproduktion läuft seit Wochen auch auf Hochtouren und so manch eine Partie, die ursprünglich für den freien Speisemarkt vorgesehen war, wurde schon umdisponiert und ist bereits verarbeitet.
Die stets gestiegenen Ansprüche von Disponenten der Packindustrie fordern von den Bauern eine hohe Disziplin. Für diese Verwertungsrichtung geeignete Kartoffeln müssen in bester Qualität an innerer und äußerer Beschaffenheit und zudem just-in-time an 365 Tagen im Jahr zur Verfügung stehen. Dabei spielt hierzulande ein Preis unter 30 €/dt nur eine untergeordnete Rolle, selbst wenn der Vertrieb über die Discounter geht; lediglich die Preisrelation zur Konkurrenz muss stimmen. Mit diesem Wissen, haben die Versender gelernt, Ruhe zu bewahren und nur auf die Abrufe der LEH-Einkäufer zu reagieren. In Zeiten, in denen nichts oder nur wenig geht, wird an der Qualitätsoptimierung der Lagerware gearbeitet. Ungeeignete Partien werden ausgemustert und zügig anderen Verwertungsrichtungen zugeführt. Dafür haben Landwirt oder Versandhändler zurzeit viele Möglichkeiten, ärgerliche Beanstandungen: Fehlanzeige.
Die Qualitätsansprüche sind aber nicht nur bei den inländischen Abnehmern unterschiedlich hoch. Auch bei unseren ausländischen Kunden herrschen recht verschiedene Erwartungen vor. Konnten in den letzten Jahren nach Osteuropa noch viele Partien minderer Qualität verkauft werden, so stellt man mittlerweile auch dort schärfere Kontrollen fest. Die Höhe des Preises hat aber eine größere Bedeutung als hierzulande, ab 20 €/dt wird bereits geknausert. Die Kartoffeln werden in der Regel ungewaschen verladen, weshalb die weit verbreiteten Silberschorfprobleme nicht so sehr ins Auge springen. Ansprüche in Bezug an diesen lediglich optischen Fehler sind also längst nicht so hoch, wie beim deutschen LEH-Absatz. Läuft der Export erst wieder an, dürfte es für Partien, die höchste Ansprüche erfüllen können, tatsächlich erste Preiserhöhungen geben.
Die Händler an der RMX erwarten für London-Potatos und deutsche Speisekartoffeln bis zum Saisonende Preiserhöhungen von 2 €/dt, für Veredelungskartoffeln sogar knapp 4 €/dt mehr.
Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH
http://www.hansa-terminhandel.de