Kartoffeln: Feldarbeiten kommen gut voran
Chancen für Mai und Juni steigen
Bei dem frühlingshaften Wetter der letzten Tage kommen die Feldarbeiten gut voran. Überall in Mitteleuropa sind die Kartoffelbestellungen im Vergleich zum Vorjahr deutlich weiter. In den Niederlanden waren am Karfreitag bereits 40 % Kartoffeln aller Reifegruppen im Boden. Trotz der Arbeitsspitzen auf dem Acker stehen den Einkäufern und Disponenten stets genügend Konsumkartoffeln zur Verfügung. Die Kassapreise sind stabil und am Terminmarkt notiert der Juni-Kontrakt fester.
Das anhaltend hohe Exporttempo entlastet den Kartoffelmarkt in Mitteleuropa bereits seit Monaten. Die Nachfrage aus Süd- und Osteuropa steigerte sich sogar noch. Die Tage, bis in den südlichen Empfangsgebieten die eigene neue Ernte zur Verfügung steht, sind allerdings gezählt. Die Käufer in der östlichen EU und Russland kaufen aber weiter. Nachdem Russland nun immer mehr Lagerkartoffeln zieht, glauben die Optimisten wieder an höhere Preise. Wären nicht noch immer Finanzierungsrisiken zu lösen, würde das Geschäft noch besser laufen. Der Juni-Future stieg am Gründonnerstag um 50 Cent auf 9,9 €/dt.
In Holland kam das Angebot für die stetige Exportnachfrage zuletzt allerdings überwiegend von der Kartoffeln verarbeitenden Industrie. Der schwächelnde Konsum von Kartoffelprodukten sorgte für Überhänge beim Rohstoff, die nun über den Export abgebaut werden konnten. Auch die aufgestauten Abnahmeverpflichtungen gegenüber den Vertragslandwirten können so wieder abgebaut werden. Mittlerweile nimmt aber auch die Nachfrage nach Kartoffelprodukten der privaten Haushalte wieder zu, denn bei den ersten Grillaktivitäten wird nicht nur reichlich Fleisch sondern werden auch wieder mehr Kartoffelbeilagen verzehrt.
Der überwiegende Teil frischer Kartoffeln für die privaten Haushalte kommt immer noch aus heimischer Produktion. Am längsten werden wohl die Wochenmärkte die heimische Ernte anbieten und auch die Packstationen greifen - allerdings vermehrt auf Kühlhauskartoffeln und somit - auf Kartoffen der alten Ernte zurück. Mittlerweile steuert aber auch Frankreich größere Mengen bei. Aufgrund der dort fehlenden Dokumentationspflichten hatte der LEH in diesem Jahr bislang auf französische Herkünfte verzichtet. Problematisch ist das wegen der hohen Gaben an Keimhemmmitteln. Stattdessen nahm der Bezug aus Ägypten einen größeren Raum der LEH-Regalflächen ein. Die Konkurrenz unter den frühen Süd-Importen ist allerdings groß, denn es gibt auch in Israel eine große Ernte. Der Verbraucher bleibt aber dem heimischen Angebot treu, so lange die Qualitäten akzeptabel bleiben. Deshalb drohen den Landwirten hierzulande zurzeit keine Absatzprobleme und die Erzeugerpreise können weitestgehend gehalten werden. Die Einkäufer differenzieren allerdings immer mehr nach den angebotenen Qualitäten und der Spread der von Erzeugergemeinschaften genannten Preise wird immer größer.
Die Unterkante der Preisskala markiert zuletzt die Sorte Hansa, wofür die Fabriken nur noch maximal sieben Euro für 100 kg bezahlen. Das teuerste Verarbeitungsmaterial kosten mittlerweile aber schon wieder ca. zehn Euro/dt. Speisekartoffeln für den Packsektor notieren zwischen zwölf und 14 €/dt, sofern sie konventionell gelagert waren, für Kühlhausware werden zum Teil deutlich höhere Preise ausbezahlt. Der Preis für Frühkartoffelimporte aus Ägypten war zu Ostern unter die 50 €-Marke gerutscht und stellt damit die Benchmark für Frühkartoffeln dar.
Am Terminmarkt gaben die Kurse für Speise- und Veredelungskartoffeln nicht weiter nach. Der Juni-Future für Frittenrohstoff stieg sogar auf knapp unter 10 €/dt an. Allein die London-Potatos gaben noch einmal deutlich nach und fielen am letzten Donnerstag auf den niedrigsten Stand in der Laufzeit auf April-09. Die Eucomex-Geschäftsführung gab unterdessen bekannt, dass der Speisekartoffelfuture auf spätere Fälligkeiten nicht wieder aufgelegt wird. Das Handelsvolumen ist zu gering und die von den Notierungskommissionen genannten Kassapreise bewegen sich nur selten. Die Vertreter großer deutscher Kartoffelhandelshäuser hatten im Dezember 2008 erklärt, dass sie ihre Preisrisiken auch ohne die Börse regulieren können - siehe Marktkommentar vom 06.12.2008.
Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH