Kartoffeln: Flotte Bestandsräumung im Norden
Stabile Marktverhältnisse bei allen Verwertungsrichtungen
Dank eines stetigen Exportgeschäfts räumen die Lagervorräte in Niedersachsen flott. Das übliche Januar-Nachfrageloch blieb hier bislang aus, nachdem die bayerischen Kollegen aufgrund des dort anhaltend frostigen Winterwetters die Exportanfragen nur eingeschränkt bedienen können. Die osteuropäischen Kunden schwenkten deshalb zuletzt vermehrt auf norddeutsche Lieferungen um, wo in den letzten Tagen wieder Plus-Grade herrschten.
Der norddeutschen Versandhandel ist über diese Entwicklung sehr glücklich, denn noch sind viele Partien, die zwar frostsicher aber nicht in klimatisierten Scheunen lagern in ordentlichem Zustand und genügen den Ansprüchen der ausländischen Kundschaft vollauf. Da die Kartoffeln fast ausnahmslos ungewaschen vermarktet werden, fallen die von Silberschorf befallenen Partien nicht auf und werden verkauft, bevor der Pilzrasen die Knollen austrocknet und unansehnlich macht. Da die Bauern diesen Schwachpunkt ihrer Ware kennen, ist die Verfügbarkeit groß genug, um alle Anfragen zu bedienen. Allerdings stoßen die Verlader bisweilen an die Grenzen ihrer Möglichkeiten, denn man ist zu dieser Jahreszeit kaum auf einen derart großen Bedarf an Großgebinden eingestellt.
Der Außendienst der Erfassungsstufe wählt bewusst die Partien aus, die erfahrungsgemäß in den nächsten Wochen problematisch werden könnten und deshalb einem Preisverfall Vorschub leisten würden. Für die Kleinpackungen des Inlandsgeschäfts verbleiben nun die besseren Partien. Dafür gibt es deshalb sogar erste Forderungen nach einer Preisanhebung. Das sei es allerdings noch zu früh, denn es besteht immer noch die Gefahr, dass Frankreich seine Verladungen nach Deutschland aufnimmt, so Teilnehmer einer Strategiekommission. Es wäre wohl auch unklug, die Importe durch eine verfrühte Preisanhebung zu gefährden. Man muss sich ganz sicher sein, dass die besseren Qualitäten auch in den folgenden Wochen verfügbar sind.
Ob sich Frankreichs Kartoffeln dann noch so maßgeblich von der heimischen Ware unterscheiden, ist fraglich. Bereits im letzten Jahr zeigte sich, dass bedingt durch eine enge Flächennutzung mit Kartoffeln der Silberschorf nicht nur ein deutsches Phänomen ist. Die Böden in der Campagne sind für den Kartoffelbau nicht mehr so jungfräulich wie noch vor zwei/drei Jahren. Sollte gegen den Silberschorf nicht bald ein Mittel gefunden werden, müssen auch die Abpacker lernen, damit zu leben. Erste Ansätze dafür, dass man sich mit Silberschorf-Knollen arrangiert, gibt es in Großbritannien. Das Kinderbuch „Ugly Vegetables“ von Grace Lin brachte die Werbestrategen auf die Idee: Alle Früchte, die nicht mit ihrem äußeren Erscheinungsbild überzeugen können, werden bewusst als „ugly“ – also hässlich – bezeichnet. Die Botschaft lautet: Eigentlich kommt auf den inneren Wert an.
Die geschilderten Marktumstände geben unterdessen dem Qualitätsbestreben des deutschen Kartoffelhandels unfreiwillige Unterstützung. Der Pro-Kopf-Verbrauch, insbesondere von Kartoffeln deutscher Herkunft, sollte gefördert werden. Damit wird nun dem Importdruck aus Frankreich noch ein paar Wochen länger widerstanden. Ob aber auch die Lieferungen aus dem Mittelmeerraum verzögert werden, muss bezweifelt werden. Deshalb sind überzogene Hoffnungen der Lagerhalter auf sehr viel höhere Preise fehl am Platze. Wenn Niedersachsen seine Bestände früher räumen sollte, geht dies zunächst einmal zu Lasten anderer Regionen, denn die letzte Ernte war zumindest bedarfsgerecht.
Es müssen deshalb weiterhin alle Absatzchancen genutzt werden und auch die Industrie muss in dem Tempo weiter produzieren, wie im Vorjahr. Dem Vernehmen nach hat sich die Wirtschaftskrise noch nicht so negativ auf den Absatz von Kartoffelprodukten ausgewirkt, wie befürchtet. Der Weltmarktpreis für Pommes-Frites ist zumindest noch nicht verfallen.
Die Belgapom hat am vergangenen Freitag seine Notierung um 50 Cent zurückgefahren. Frankreich notiert ein „Unverändert“. Das sind Zeichen für eine bedarfsgerechte Marktversorgung. Dem Wunsch, wieder zu den Preisen von Mitte Dezember zurückzukommen, müssen die Versandhändler allerdings auch nicht nachkommen. Es sieht also in diesen Tagen bei allen Verwertungsrichtungen nach stabilen Marktverhältnissen aus.
Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH