Kartoffeln: Frankreichs Bestände auf historisch niedrigem Stand

Deutlich weniger freie Mengen verfügbar

Nach einer Bestandserhebung in den fünf wichtigsten Kartoffelanbauregionen Frankreichs lagerten dort Ende Januar nur noch 1,82 Mio. Tonnen Kartoffeln. Das entspricht rund 44 % der gesamten Erntemenge. Üblich um diese Jahreszeit sind 52 %. Laut AMI ist das der geringste Bestand seit sieben Jahren.

Trotzdem wurde gestern der Kassapreis für Veredelungsrohstoff um zwei Euro pro 100 kg reduziert. Während im benachbarten Belgien die Nachfrage nun wieder größer als das Angebot ist und die Preisrückgänge vorbei zu sein scheinen, mussten die französischen SNM Notierungen noch einmal zurück genommen werden. Die Lieferungen nach Spanien konnten sich offensichtlich noch nicht in dem Maße früherer Jahre entwickeln.

Gleichzeitig sind die Exporteure mit ihrem Russland-Engagement vorsichtiger geworden. So lange noch nicht alle Schiffe in St.-Petersburg entladen sind schickt man keine weiteren Kartoffeln über die vereiste Ostsee nach Russland. Laut Wettervorhersagen soll aber bald milderes Wetter einsetzen, sodass sich eine Entspannung abzeichnet. Weitere Anfragen von dort könnten erneut Preisfantasien auslösen.

Das spiegelt sich bereits an der Terminbö-se wider. War die Differenz zwischen dem Eurex-Index auf Veredelungskartoffeln und der April-11 Notierung am Freitag, dem 18.02. sogar negativ (Minus 0,2), so konnte man gestern eine Marktfantasie von 2,80/dt errechnen. Das heißt die Börsenteilnehmer haben sich bereits von der negativen Stimmung der Vorwochen verabschiedet. Mit dem gestern fallenden französischen Kassapreis wird in der kommenden Woche der Eurex-Index aber noch ein weiteres Mal nachgeben; die Terminnotierungen stiegen aber trotzdem an. Zu eindeutig sind die fundamentalen Rahmenbedingungen, wie auch die französische Bestandserhebung verdeutlicht.

Da die Kartoffelverarbeiter aber große Mengen vorgekauft haben, braucht man zurzeit keine zusätzliche freie Ware zu besorgen. Der Bestand noch unverkaufter Kartoffeln aus der alten Ernte ist laut den Bestanderhebungen in allen bedeutenden Kartoffelländern der EU deutlich kleiner als zuvor. Viele Landwirte hatten schon vor Wochen die Gelegenheit genutzt, weitere Mengen zu vorab zu festen Preisen zu verkaufen – geliefert wird später. Wie weit die Verarbeiter in ihrem Zeitplan sind, bleibt aber noch im Dunkeln. Ihre betonte Zurückhaltung hatte zuletzt für nachgebende Spotpreise in den fünf großen Kartoffelländern der EU gesorgt. Einige Marktbeobachter unterstellen den großen Fabriken schon taktisches Verhalten, um später billiger zukaufen zu können. Ob das so ist darf aber bezweifelt werden. So lange nämlich die Orderbücher voll sind, besteht überhaupt keine Notwendigkeit weitere Mengen zuzukaufen.

Das hätte man in der letzten Woche an der Terminbörse ohnehin viel preiswerter erledigen können, als bei den Forward-Kontrakten im Januar. Damals bezahlte man für passende Partien für Lieferung April, Mai und Juni bereits über 30 Euro/dt, während die Börse sogar bis 34 €/dt notierte. In der letzten Woche waren die April-11-Futures sogar zeitweilig unter 24 €/dt zu haben. Vermutlich reichen den Verarbeitern die schon gesicherten Mengen noch ein paar Wochen. Laut Einschätzungen der REKA Rheinland sollen die Lagermengen insgesamt aber nur „knapp ausreichend“ sein. Da sich dieses Bild in den fünf großen Kartoffelnationen der EU (NL, B, F, GB und D) ähnelt, kann ein drohender Versorgungsengpass später durch Zukäufe in den benachbarten Nationen kaum kompensiert werden. Die logische Folge wäre, dass die Preise bald wieder steigen.

Inzwischen haben sich die Verbraucher mehrheitlich dafür entschieden, bevorzugt in der Heimat erzeugte Produkte zu kaufen. Das dürfte sich zumindest bei frischen Speisekartoffeln auch auf die Bestandsräumung deutsche Kartoffelscheunen positiv auswirken. Bei Veredelungsrohstoff ist das Einkaufen in der Region sogar eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Nur in extremen Ausnahmefällen lohnt es sich den Rohstoff über weite Strecken zu transportieren.

Eine solche Ausnahmesituation finden wir zurzeit in Russland vor, wodurch ein außerordentlich großer Nachfragesog entstanden war. Bis zum Anschluss an die nächste Ernte wird diese Situation anhalten. Die niedrigen Kartoffelbestände hierzulande sind maßgeblich dadurch verursacht worden.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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