Kartoffeln: Franzosen sind auf Exportmärkte angewiesen

Frankreichs Kartoffelernte 400.000 to über Vorjahr

Nach den Einschätzungen des französischen Landwirtschaftsministeriums brachte die diesjährige Konsumkartoffelernte mit 4,7 Mio. Tonnen fast 400.000 Tonnen mehr als im Vorjahr. Damit wird eine frühere Schätzung um 100.000 Tonnen nach oben korrigiert. Nachdem Frankreichs Exporteure bereits in den Vorjahren stets neue Exportrekorde verbuchen konnten, dürfen die Kunden im Ausland auch in diesem Jahr mit einem offensiven Angebot rechnen.

Die Einkäufer der deutschen Supermärkte haben bereits ein Auge auf französische Herkünfte geworfen. Dafür gibt es mindestens zwei Gründe: Erstens treffen die zuletzt gelieferten Kartoffeln aus deutscher Herkunft nicht den Erwartungen der Einkäufer; die Knollen sind meist zu grob fallend und haben zu viele Mängel. Und zweitens kann man mit den teuren französischen Kartoffeln mehr Geld verdienen. Wenn die Nachfrage des LEH vor den Festtagen zunimmt, werden deshalb in den Regalen vieler Supermärkte mit Sicherheit auch französische Kartoffeln offeriert.

Der Wettbewerb um die Regalfläche ist deshalb aber noch längst nicht entschieden, denn der Verbraucher bestimmt durch seinen Einkauf, womit wieder aufgefüllt wird. Aus diesem Grund ist es in dieser kritischen Entscheidungsphase von großer Bedeutung, dass das Angebot aus der heimischen Landwirtschaft von bester Qualität ist. Die Chancen für eine Qualitätsverbesserung stehen auch nicht schlecht, denn bis zuletzt kamen unsere Knollen aus provisorischen Lägern, die in der Regel sehr spät gerodet wurden. Vielfach waren gerade diese Partien von Würmern und Mäusen traktiert, sowie von Silberschorf befallen. Außerdem waren diese Partien meist nicht lange genug abgelagert, sodass die sortentypischen Kocheigenschaften noch nicht genügend ausgeprägt waren. Wenn es nun an die zuerst eingelagerten Partien geht, dürften diese Probleme vorbei sein.

Frankreichs Kartoffelindustrie wird aber wegen seiner Rekordernte an seine früheren Exporterfolge anknüpfen müssen. Bereits im August konnte man mit 40.000 to. das Ergebnis des Vergleichsmonats in 2006 um 25 % steigern, allerdings importierte die Kartoffeln verarbeitende Industrie im gleichen Zeitraum 52.000 to und damit 44.000 to mehr. Die größten Lieferanten waren Belgien (37.000 to) und Deutschland (10.000 to). In Frankreich existiert so gut wie kein freier Markt für Frittenrohstoff, weshalb man zu bestimmten Zeiten auf Importe angewiesen ist.

Frankreichs Speisekartoffeln gehen traditionell nach Spanien, Portugal und Italien. Darüber hinaus bestehen wegen der sprachlichen Nähe und dem diesjährigen großen Bedarf auch gute Expotchancen nach Algerien. Bereits seit Wochen gehört zudem auch Großbritannien zu den großen Käufern französischer Knollen. Deutschland muss insofern nicht zwingend mehr abnehmen, als die 100.000 Tonnen der beiden Vorjahre. Dennoch ist diese Menge den Versendern hierzulande ein Dorn im Auge, zumal man sich vor Ort mit eigener Ware gut versorgen kann.

Sollten die Importe dennoch zulegen, so wird eine Umorientierung zu den alternativen Absatzkanälen vonnöten. Die viel besprochenen Exportmöglichkeiten nach Süd- und Osteuropa werden bereits neu ausgelotet, erfordern aber extreme Flexibilität der Akteure. Konnten deutsche Versandhändler im Vorjahr noch große Mengen nach Polen verladen, so ist man dort zurzeit recht gut versorgt. Mit 12 Mio. Tonnen ist die polnische Erne um ungefähr ein Drittel größer als damals. Auch in den anderen Ländern Osteuropas vollzieht sich, seit dem Eintritt in den gemeinsamen Markt, ein enormer Strukturwandel der Landwirtschaft. Wenn die deutsche Kartoffelindustrie davon profitieren will, muss sie sich ganz gezielt mit Sorten und Qualitäten oder Produkten auf die Bedürfnisse der Käufer einstellen. Wenn die Verbraucher immer weniger Frischkartoffeln essen, werden Kartoffelprodukte diese Lücke schließen.

Als Megatrends erweisen sich die Preisliche Volatilität und die aktuelle Wertsteigerung des Getreides und die dem Klimawandel geschuldeten Standortfragen. So leidet zum Beispiel Cypern aktuell unter Wassermangel. Die hohen Kosten der Produktionsmittel, wie Pflanzgut und Dünger, könnten im Süden Europas allgemein Anbaueinschränkungen von 20 % nach sich ziehen. Kommt es dort tatsächlich zu der befürchteten Versteppung, so wird sich der europäische Kartoffelgürtel immer weiter in den Norden verschieben. Da zuletzt mehr als ein Drittel unserer Speisekartoffeln aus diesen Ländern importiert wurden, sind weitere Verwerfungen vorprogrammiert.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH
http://www.hansa-terminhandel.de

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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