Kartoffeln: Frostschäden

Zum Ende wieder höhere Preise?

In vielen Teilen des europäischen Kartoffelgürtels gab es während der Eisheiligen erhebliche Frostschäden. Am ärgsten war wohl Großpolen betroffen, wo in diesem Jahr 8-10.000 ha frühe Sorten gepflanzt wurden. Nur die Hälfte der schon weit entwickelten Pflanzen ist durch Vlies oder Folie geschützt, bei der anderen Hälfte verfror das Laub zum Teil bis auf den Damm zurück. Das wird den Erntetermin deutlich nach hinten verschieben.

Im benachbarten Tschechien, wo am Elbufer ein 3.000 ha Frühkartoffelgebiet existiert, rechnen die Beobachter damit, dass die Ernte nun erst Ende Juni, also 14 Tage später beginnt. Die Versorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln erfolgt bereits jetzt überwiegend aus Importen.

Auch hierzulande wurden Temperaturen bis zu Minus 6°C gemessen und längst nicht überall konnte durch Schutzmaßnahmen, wie Vlies oder Beregnung, ein Schaden verhindert werden. Über den Umfang der Verluste wird reichlich spekuliert, die AMI vermutet später eine deutliche Staffelung des Angebots. Für eine kontinuierliche Marktbeschickung und die Preisentwicklung kann das nur gut sein. Westlich von uns war noch Hollands frühe Stärkekartoffelregion betroffen. Aus Belgien und Frankreich wird nicht über Frostschäden berichtet, aber in Großbritannien melden einige Counties in der Mitte des Landes Schäden, die insgesamt eine Ernteverzögerung der frühen Kulturen nach sich ziehen dürfte.

Nachdem die Eisheiligen wohl schon vorüber und wegen Frost wohl keine weiteren Schäden zu erwarten sind, hört man immer häufiger Klagen über die in ganz Europa vorherrschende Trockenheit. Pflanzen, die den späten Frost schadlos überstanden haben, benötigen dringend Regen für den Knollenansatz. Angesichts der niedrigen Bestände zum Ende der früh auslaufenden Vermarktungssaison 2010/11, ist die europäische Kartoffeln verarbeitende Industrie einen frühen Start in die neune Saison angewiesen.

Mit den jetzt zu erwartenden Verzögerun-gen der neuen Ernte stieg das Interesse an frei verfügbaren Kartoffeln der alten Ernte wieder an. Der wochenlange Preisverfall hat damit ein Ende gefunden. Für die kommende Woche rechnet man sogar schon wieder mit steigenden Preisen. Die bevorzugten Qualitäten sind sogar schon wieder derart umworben, dass Schäler z.B. für Agria Preise von mehr als 25 €/dt anlegen. Die üblichen Frittensorten sind aber immer noch für unter 20 €/dt zu haben. Auch hier blieb das Ost-West-Gefälle erhalten. In Holland und Deutschland zahlt man ca. zwei bis vier Euro mehr als in Belgien und Frankreich. Gestern stieg aber die französische SNM-Notierung, die auch in den Eurex-Index einfließt, um 60 Cent an, während die Belgapom-Notierung auf niedrigem Niveau in der dritten Woche in Folge stabil notiert. Eine Angleichung an das West-Niveau wird aber auch hier bald erwartet, denn die den Preis drückenden schwachen Qualitäten sollen angeblich ausverkauft sein. Entweder sind die Restmengen, die sich nicht mehr länger halten wollten, für immer noch ganz passable sechs €/dt in den Trockenwerken abgekippt worden oder der jüngste frostbedingte Nachrageschub hat die Kaufentscheidung der beflügelt.

Vor diesem Hintergrund ist der Optimismus der Börsianer zu verstehen, die für den Juni-Future, der bereits am 02.Juni seinen letzten Han-delstag hat, wieder nachhaltig mehr als 20 Euro ausgaben. Die Differenz zum Index beträgt stolze 3,4 €/dt. In vielen Berichten und Gesprächen gehen die Marktphantasien aber sogar noch weit darüber hinaus. Man will eine Nervosität bei den Einkäufern der Industrie beobachtet haben, was die Halter von den Restpartien dahin deuten, dass man noch getrost weiter mit den Vorräten zu spekulieren kann. Unterdessen bewegen sich die Terminmarktnotierungen für die nächste Ernte wieder auf die alte Höchstmarke von über 16 €/dt zu. Solange kein Regen in Sicht ist, dürfte diese Hausse anhalten.

Das Interesse für die am Markt verfügbaren Restpartien ist indes wieder groß. Die hiesigen Verarbeiter tun sich mit höheren Geboten aber noch schwer, denn angeblich reichen ihre Vorkäufe noch einige Wochen. Die besten Gebote kommen, wie schon zur Mitte der Vermarktungssaison, wieder aus dem Ausland. Neben Russland und Osteuropa sind die Skandinavischen Länder am hiesigen Markt. Ob es zum Ende noch einen klei-nen Endspurt mit steigenden Preisen geben wird, bleibt abzuwarten – auszuschließen ist es jetzt nicht mehr.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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