Kartoffeln: Frühkartoffeleinkäufer erwarten im Mai Versorgungslücke

Der Markt hat sich von der negativen Stimmung befreit

Die Spekulation auf einen im Mai nur knapp versorgten Frühkartoffelmarkt beflügelt erste nennenswerte Importe aus den Exportländern am südlichen Mittelmeer. Nord- und Osteuropas Einkäufer versorgen sich spekulativ, weil die Pflanzungen hierzulande wegen immer noch zu kalten Bodentemperaturen sich verzögern. Erzeugerpreise in Israel liegen mittlerweile um 25 % höher als vor Jahresfrist.

Die Preise in den südlichen Erzeugerländern zogen an, weil im westlichen Mittelmeerraum lange Zeit sehr kaltes Wetter herrschte. Gleichzeitig bestätigen sich Prognosen, dass niedrigere Produktionsmengen im östlichen Mittelmeer zu erwarten sind. In erster Linie sorgen Osteuropäische Käufer für eine bessere Nachfrage. Hierzulande liegen die Importmengen zwar noch unter den Zahlen des Vorjahres, weil sich die Versender auf spätere Zufuhren eingestellt hatten. Wenn der Bedarf zum Beispiel zum Osterfest die Erwartungen übertrifft, werden die Preise für Packware aber wohl hoch bleiben.

Man kann davon ausgehen, dass aufgrund der Wetterereignisse und der Flächenentwicklung rund 100.000 Tonnen weniger Speisefrühkartoffeln aus dem Süden in die EU gelangen. Das berechtigt die hiesigen Frühkartoffelerzeuger zu der Hoffnung auf eine eigene gewinnbringende Saison. Umso mehr bemüht man sich, mit den Pflanzungen voranzukommen. In den klimatisch bevorzugten Regionen Pfalz und Burgdorf kam man in den letzten Tagen auch gut voran. In einer Woche sollen in Burgdorf die Folienkartoffeln im Boden sein. Für die Freilandware ist es unterdessen noch zu früh oder zu nass. Die Lage ist zurzeit das genaue Gegenteil des Vorjahres, analysiert ein Landwirt aus Burgdorf. Damals stimmte sowohl im Süden als auch hier bei uns alles bei den Vorbereitungen und es gab große Erträge und schlechte Preise.

Dennoch werden die Frühkartoffelflächen wohl nicht ausgeweitet. Die viel versprechenden Entwicklungen der letzten Tage nehmen darauf keinen Einfluss mehr, weil die Anbauplanung längst abgeschlossen ist. Am deutschen Niederrhein wurde allerdings erst vereinzelt früher Frittenrohstoff gepflanzt. Der Boden ist noch immer zu kalt und für die nächsten Tage ist auch Regen angekündigt. Die Bauern sind noch der Meinung, dass der spätere Pflanztermin bislang keine negativen Auswirkungen auf den Ertrag hat. Aber die Ernte wird mit Sicherheit später beginnen. Wohlmöglich starten dann die Belgier gleichzeitig oder gar eher als die Niederrheiner.

Denn im westlichen Ausland ist man schon seit Tagen mit Hochdruck am Pflanzen. Durch die verzögerten Feldarbeiten genießen die Außenarbeiten die höhere Priorität. Aufbereitung und Auslagerung von Lagerkartoffeln muss deshalb hinten anstehen. Da die Exporte gleichzeitig neue Impulse erhalten haben, spricht man in Frankreich sogar von einer Hausse bei den Speisekartoffelpreisen, die seit einer Woche sogar noch zunimmt. Der Markt habe sich von seiner negativen Stimmung befreit, so die Analyse in britischen Kommentaren. Auch in Spanien hat sich die Lage um 180° gedreht. Während man über Monate von einem Überangebot mit verlustbringenden Erzeugerpreisen sprach, sind nun außerordentlich hohe Preise an der Tagesordnung. Dort war die Anbaufläche laut AMI-Angaben um 7 % geschrumpft und gleichzeitig wird ein um 30 % kleiner Ertrag erwartet. Bauern erlösen nun mit 45 bis 65 €/dt das 10-fache dessen, was noch die Lagerkartoffeln einbrachten.

Diese insgesamt positive Grundstimmung betrifft bislang aber nur den Speisekartoffelmarkt. Erzeuger von Frittenrohstoff erleiden immer noch den Mengendruck der großen Vorjahresernte. Immerhin ist jetzt aber ein Boden eingezogen und die Preise halten sich auf dem erreichten Niveau stabil. Die Belgapom-Notierung stieg gestern erneut um 25 Cent an und profitiert damit von der besseren Nachfrage in Frankreich. Dort zog der Preis für Frittenrohstoff (SNM) gestern allerdings gar nicht an, was den Händlern an der Börse wieder jegliche Fantasie nahm und die zuvor positive Stimmung nahm. Ein Tagesverlust von 40 Cent mit dem Schlusskurs 9,0 € war die Folge. Der Eurex-Index stieg in dieser Woche nur um 10 Cent auf 8,0 € an; einige Beobachter hatten gar 8,2 € erwartet.

Die positive April-10-Basis zum Börsenpreis von einem Euro spiegelt die Hoffnung wieder, dass sich innerhalb der nächsten Wochen auch ein Stimmungsumschwung beim Frittenrohstoff einstellt. Der Juni-Preis an der Eurex steht gar 3,5 € über dem heutigen Kassapreis. Da sage doch einer, dass die Kartoffelleute keine Optimisten seinen.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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