Kartoffeln: Gute Nachfrage - Hohe Ausbeute

Produktvorräte über normal

Die gute Nachfrage nach Kartoffelprodukten hielt auch in den ersten Wochen dieses Jahres an. Um den stetig steigenden Bedarf zu bedienen setzten die holländischen Verarbeiter im zurückliegenden 12-Monats-Zeitraum (Februar 2008 bis Januar 2009) mit 3,252 Mio. Tonnen 1,97 % mehr Rohstoff ein, als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Gleichzeitig wurde der Rohstoff aber auch deutlich effizienter ausgenutzt, wie die Auswertung der Januar-09-Zahlen des Niederländischen Produktausschuss Kartoffeln (PA) zeigen. War die Ausbeute in 01/08 noch bei 50,53 %, so wurden in 01/09 aus 100 kg Rohstoff durchschnittlich 52,8 kg veredelte Produkte hergestellt.

Nachdem der Rohstoffeinsatz in den Niederlanden im Vorjahr um 7 % zunahm, sind die Steigerungsraten übers Jahr betrachtet zuletzt auf Plus 1,97 % abgeflacht. Vergleicht man alleine die beiden letzten Januar-Ergebnisse, so sinkt sogar der Rohstoffeinsatz erstmals nach langer Zeit (-2,2 %). Zwei Ursachen werden dafür genannt. Zum einen wuchsen in den Niederlanden zuletzt außerordentlich viele Übergrößen heran. Das Verhältnis Oberfläche zur Masse ist dabei sehr viel günstiger als bei kleineren Knollen, sodass die Ausbeute in Jahren mit vielen dicken Knollen generell höher ist. Zum anderen tragen auch modernere Schälmaschinen zur Effizienzsteigerung bei. Im harten Standortwettbewerb zwischen den Niederlanden und Belgien wurde in den letzten Jahren viel in Technik investiert, was sich nun für die Investoren auszahlt. Die Produktläger in Europa sind wohl auch deshalb voller als zu dieser Jahreszeit üblich.

In dieser Situation kommt es den europäischen Frittenfabriken sehr gelegen, dass der Weltmarkt für Kartoffelprodukte immer noch aufnahmebereit ist. Die anhaltend hohen Wachstumsraten asiatischer Schwellenländer ermöglichen trotz Weltwirtschaftskrise immer noch Steigerungsraten im globalen Lebensmittelhandel, wovon auch Kartoffelprodukte profitieren. Hinzu kommt, dass in Amerika die Kartoffelrohwarenerzeugung im letzten Jahr deutlich zurückfiel, was dort unmittelbar 30 bis 50 % höhere Basispreise zur Folge hatte. Diese hohen Steigerungsraten ließen sich aber nicht nachhaltig durchsetzen und wurden gerade letzte Woche größtenteils schon wieder nach verhandelt. Die Produzenten in Europa wollen nun in dieser Situation ihren doppelten Wettbewerbsvorteil so gut wie möglich nutzen. Insbesondere auch deshalb, weil zuletzt die freien Mengen deutlich unter den Festpreisverträgen verfügbar sind.

Der Einkauf freier Ware wird unterdessen für die Verarbeiter immer noch attraktiver. Trotz einer aufwendigen Lagerung mit Gewichts- und Qualitätsverlust fielen die Erzeugerpreise hierzulande zuletzt auf das nahezu niedrigste Niveau der gesamten Vermarktungssaison. Die Belgapom und die französische SNM reduzierten gestern ihre 35 mm-Notierungen auf nun 7,5 €/dt. Und niemand weiß, ob das schon das Ende der Fahnenstange ist. Für die Landwirte sind diese Preise nicht mehr kostendeckend. Da aber auch die Gebote für Festpreisverträge der kommenden Saison nur die gleichen Preise wie im Vorjahr beinhalten, fordern immer mehr Erzeugerorganisationen ihre Mitglieder dazu auf, die Anbauflächen zu reduzieren. Als Vorbild könnte Columbia USA dienen, wo Vertragskartoffelflächen um 8 bis 10 % gekürzt wurden. Die Vertragslaufzeit wurde im Gegenzug auf zwei Jahre ausgeweitet.

Die Börsennotierungen für Frittenrohstoff an der RMX in Hannover auf Termin April-09 sanken in der zurückliegenden Woche aufgrund der schwierigen Absatzsituation am Kassamarkt deutlich unter acht Euro/100 kg. Damit Notierte die Börse zeitweilig bis zu 80 Cent unter dem Index, der bei 8,4 € den durchschnittlichen Veredelungskartoffelpreis in Mitteleuropa widerspiegelt. Die Erwartungen auf eine rasche Verbesserung der Marktlage zugunsten der Landwirte sind also nach wie vor kaum vorhanden. Trotz stetiger Exporte nach Süd- und Osteuropa hält der Mengendruck an; sobald frühlingshafte Temperaturen kommen, dürfte sich die Qualität der Lagerkartoffeln nochmals verschlechtern und den Angebotsdruck weiter aufrechterhalten.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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