Kartoffeln: Harter Wettbewerb um Marktanteile in Pommes Frites
Die großen Pommesproduzenten in Übersee schlagen Alarm: Der Absatz von french-fries, wie die fritierten goldgelben Kartoffelstäbchen dort genannt werden, ist in Amerika um 20 % eingebrochen. Durch die Wirtschaftskrise, von der die Bürger der USA sehr heftig betroffen sind, sinkt der Konsum. Zudem verschaffen die hohen Rohstoffpreise auf der anderen Seite des Atlantiks den Anbietern aus Europa einen enormen Wettbewerbsvorteil. Die Chancen, vielleicht sogar nachhaltig weitere Marktanteile am Weltmarkt zu ergattern, führen unter den Europäischen Anbietern zu einem harten Wettbewerb und waghalsigen Kalulationen.
Die Stimmung sollte unter den europäischen Produzenten von Kartoffelprodukten eigentlich exzellent sein. Man hört von allen Seiten, wie gut der Absatz ist. Die Auslastung der Anlagen bleibt hierzulande trotz Wirtschaftskrise auf hohem Niveau. Gleichzeitig kann man auf eine bedarfsgerechte Ernte in meist bester Qualität zurückgreifen. Besser kann es kaum sein, könnte man meinen. Aber weit gefehlt!
Die Zeit für eine Expansion der Fabriken ist günstig, denn unter den genannten Vorzeichen kann man nun seinen Marktanteil mit preiswerten Angeboten nachhaltig ausweiten. In der Rohstoffbeschaffung sehen die Verarbeiter kein Problem, hat man sich doch in dem Kleingedruckten der weit verbreiteten Festpreisverträge einen verbindlichen Zugriff auf die Restmengen zu Tagespreisen gesichert. Zumal die letzte Ernte nach Einschätzung aller Marktbeteiligter für den Inlandsbedarf mehr als ausreichend bezeichnet wird und der Frischkartoffelexport zumindest in Belgien und den Niederlanden hinter den Vorjahreszahlen zurückbleibt.
Um ihren Wachstumskurs umzusetzen haben einige Fabriken mit waghalsigen Kalkulationen möglicherweise unkalkulierbare Risiken auf sich genommen. Man hat auf fallende Rohstoffpreise gesetzt und billiger verkauft, als es zu jetzigen Tagespreisen eigentlich möglich wäre. Doch die Tagespreise halten sich bei anhaltend winterlichen Temperaturen bislang noch auf einem recht hohen Niveau. Nun wirbt die genossenschaftlich organisierte AVICO in den Niederlanden bei den Landwirten um Verständnis für ihren Expansionskurs und will die Rohstoffpreise senken. Damit soll die Kalkulation wieder passend gemacht werden. Die Antwort zumindest der organisierten Bauern ist aber genau das Gegenteil, was man sich gewünscht hat.
In diesen Tagen plant der VTA (Vereinigte Teler Aardappeln) eine konzertierte Aktion mit mindestens 1.200 Bauern. Diese sollen sich verpflichten, 15 % ihre Übermengen der eigens dafür gegründeten Stiftung anzubieten, die mit dieser Menge das Zünglein an der Waage spielen soll. Nach der Begutachtung werden die Kartoffeln je nach Marktlage dort angeboten, wo sie entweder den besten Preis erzielen, oder den geringsten Schaden anrichten. Es wird bewusst in Kauf genommen, dass auch Biogasanlagen oder der Futtertrog damit bedient werden. Ziel ist es, den Fabriken, das Spielzeug der „Mitlieferkartoffeln“ aus der Hand zu nehmen.
Der Kartoffelmarkt ist meist in den Monaten Februar und März für Preisrückgänge anfällig. In diesem Jahr besteht aber eine berechtigte Hoffnung, dass die Preise durch die genannten Maßnahmen gestützt werden können. Schließlich sollen die Lagerbestände momentan kleiner sein, als vor Jahresfrist. Sollte diese Aktion gelingen, dürfte z.B. AVICO auf den Verlusten sitzen bleiben, die man bislang unrealisiert in der Kalkulation hat.
Haben die VTA-Leute Erfolg, hätte AVICO dann aber immer noch eine weitere Chance, denn sie können bevorzugt qualitativ grenzwertige Ware kaufen und über Beanstandungen den Einkaufspreis reduzieren - ein in der Kartoffelbranche durchaus bekanntes Steuerungsmittel. Aber auch daran haben die VTA-Leute gedacht und vorgesorgt. Sie suchen bereits jetzt Angebote schwach backender Ware für ihre Kundschaft in Osteuropa. Dort ist man meist nicht so verwöhnt, wie die Abnehmer in der Kernregion des europäischen Kartoffelgürtels.
Der Index für Veredelungskartoffeln kann sich nach einem kleinen Rückgang nun wieder stabilisieren. Die Belgapom notierte am Freitag mit 9 € einen unveränderten Preis, in Frankreich fehlt das Angebot für 40 mm+ Frittenrohstoff, weshalb die RMX erneut auf die Preisentwicklung der anderen Nationen zurückgreifen wird. Rotterdam dürfte am kommenden Montag ebenfalls stabil notieren. Da es im weiteren Verlauf etwas wärmer werden soll, dürfte das Angebot aus der Landwirtschaft wieder zunehmen.
Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH