Kartoffeln: Haupternte bald abgeschlossen ?
Vorbereitungen auf festere Preise
In der zurückliegenden Woche haben sich die Rodebedingungen in Mitteleuropa wesentlich verändert. Selbst in Belgien und den Niederlanden kommt die Ernte nun besser voran, nachdem es lange Zeit viel zu trocken war. Zuletzt fielen örtlich bis zu 100 Liter Regen/qm, sodass dort schon nässebedingte Rodebehinderungen entstanden. Auf den übrigen Standorten nutzt man die Gelegenheit, den Roderückstand aufzuholen. Da es in den nächsten Tagen aber wieder trockener werden soll, vertraut man darauf, dass die Kartoffelernte in Mitteleuropa bald abgeschlossen werden kann.
Da allerdings die Tage kürzer und damit die Verdunstungsraten geringer werden und zu-dem die Bodentemperaturen sinken, bleibt die Gefahr der Knollenbeschädigungen akut. In Belgien waren bis Mitte der letzten Woche lediglich 40 % der Gesamternte geborgen und nur gut 20 % der Lagerkartoffeln lagen im Trockenen. Zwar ging es gestern auf den Feldern mit großen Schritten voran aber wer weiß, welche Unwägbarkeiten noch auf uns zukommen. In Westdeutschland erwartet man zu Beginn der kommenden Woche den ersten Bodenfrost, sodass die verbleibenden Stunden für eine Qualitätsschonende Ernte immer weniger werden. Die Rodeumstände haben sich nach dem Regen zwar geändert, ob sie deshalb besser ge-worden sind, bezweifeln einige Beobachter stark.
Es wäre wünschenswert, wenn die Verkäufer wieder über ein größeres Kartoffelangebot besserer Qualitäten verfügten. Das würde die Verhandlungsposition der Versender wesentlich verbessern, denn zuletzt drängten fast ausschließlich Kartoffeln minderer Qualität auf Absatz und verursachte dadurch einen unnötigen Preisdruck. Die Belgapom-Notierung wurde gestern mit 5,75 €/dt immerhin 1,25 €/dt schwächer als noch vor vier Wochen festgestellt. Selbst Einkäufer der Frittenindustrie sehen dieses Preisniveau als Unterkante für die Sorte Bintje. Die sieben Euro für feldsortierte Ware 35 mm + vom 11.09.09 könnten möglicherweise bald wieder erreicht werden, wenn die Exporte wieder mehr Fahrt aufnehmen.
Mit sehr viel Interesse wird von den Exporteuren zur Kenntnis genommen, dass Russland bereits zu diesem frühen Zeitpunkt Kaufinteresse signalisiert. Angesichts der anhaltend hohen Abgabebereitschaft grenzwertiger Qualitäten, gelingt ist es ihnen allerdings problemlos, die Anbieter untereinander auszuspielen und die Preise zu drücken. Es ist aber auch bekannt, dass Russland immer nur zu besonders niedrigen Preisen kauft. Sie werden wohl noch zum Abschluss kommen, solange die Ernte anhält, denn kaum einer bezweifelt, dass die Preise anziehen, sobald die Ernte abgeschlossen ist.
Darauf stellen sich auch die Fabriken ein, denn sie fahren ihre Produktion weiterhin am Rande ihrer Kapazitätsgrenzen. Fast überall werden bis auf weiteres sogar auch Wochenendschichten gefahren. Gerade belgische Pommesfabrikanten, die unter dem Eindruck einer großen Frühkartoffelernte ihre Produktion über Monate im Voraus zu Dumpingpreisen verschleudert haben, können damit ihre Chancen wahren, das Problem eines Wertschöpfungsverlusts zu mindern. Aber sie produzieren nicht nur auf Hochtouren, sondern sie lagern in diesen Tagen auch soviel Rohstoff wie möglich auf eigene Rechnung ein. Damit wollen sie sich von höheren Preisforderungen aus der Landwirtschaft unabhängiger machen. Erst vor wenigen Tagen haben die Großen in Belgien, wie Klagebaut oder Lutosa die ersten Boxen befüllt. Um die Scheunen voll zu fahren, benötigen sie aber noch zwei, drei Wochen gutes Erntewetter.
Wegen vieler Partien, die nicht dem hohen Qualitätsanspruch des CKA II-Standards entsprechen, hat die NAO im niederländischen Rotterdam bekannt gegeben, dass sie für die Anfang November beginnende Erhebung der Kassanotierung nur Preisnennungen berücksichtigen wird, die weniger als 50 Mängelpunkte aufweisen. Außerdem will sie neben den weiß- und gelbfleischigen Sorten zusätzlich eine 40mm-Exportnotierung erheben. Damit spiegelt man das Marktgeschehen noch genauer wieder, so die Aussage vom Verbandsgeschäftsführer René van Diepen. Diese Maßnahmen sind für die Index-Bildung der Eurex-Veredelungskartoffeln von Bedeutung, denn die wohl bedeutendste Kassanotierung im Kartoffelindex soll nur Rohstoffpreise widerspiegeln, die dem üblichen Qualitätsstandard der Kartoffeln verarbeitenden Industrie und der Exporteure entspricht.
Auch die Stiftung Poolfonds Aardappelen (STA) hat sich zum Ziel gesetzt, den Einfluss minderwertiger Kartoffelpartien auf die Preisbildung der Standardware zu begrenzen. Sie will, sofern sich 30 % aller holländischen Kartoffelerzeuger beteiligen, qualitätsschwache Partien aufkaufen, um sie außerhalb der Kartoffelindustrie zu verwerten. So sollen die Erlöse für die besseren Knollen schneller ansteigen.
Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH