Kartoffeln: Heimische Frühkartoffeln am Start
Im Westen der EU meist kleiner Knollenansatz
In der kommenden Woche stehen den Packstationen erstmals in dieser Saison umfangreich stabile Frühkartoffeln aus der Pfalz und aus Burgdorf zur Verfügung. Aufgrund eines Lieferengpasses spanischer Herkünfte durch einen Fernfahrerstreik auf der Iberischen Halbinsel dürften viele Packstationen die Offerten aus Deutschland bald annehmen. Damit gelänge die Umstellung so rasch wie kaum zuvor. Die Absatzmengen könnten sich bis Ende Juni nach einem verzögerten Start verzehnfachen.
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In ihren aktuellen Martinformationen berichtet die REKA Rheinland dass noch max. 15.000 Tonnen spanische Kartoffeln hier erwartet werden. Bei einem täglichen Absatzpotential von 4.500 Tonnen frischer Speisekartoffeln wird deutlich, dass diese Menge schnell verfügt sein wird. Zurzeit steuern deutsche Frühkartoffelproduzenten lediglich 500 Tonnen pro Tag bei. Der Handel verfügt derzeit auch nur über wenige Vorräte, denn bei Preisen von über 50 €/dt und saisonüblich fallenden Notierungen leben alle Marktbeteiligte von der Hand in den Mund.
Um die enormen Absatzpotentiale bedienen zu können, benötigt man optimale Erntebedingungen. Zunächst einmal muss die Ware aber in guter Kondition geborgen werden. Vorab sind umfangreiche, die Abreife fördernden Maßnahmen nötig, damit nur stabile Knollen verladen werden. Dabei haben die Kaufleute ihr Ziel, nur schalenfeste Knollen packen zu wollen, immer noch fest im Auge. Das aktuelle Parole lautet: „Immer die Besten zuerst.“
Trotz der hervorragenden Markteinstiegschancen herrscht auch in diesem Jahr eine Rivalität zwischen den beiden Frühkartoffelregionen Pfalz und Burgdorf. Wegen ihrer klimatisch bevorzugten Lage müssten eigentlich die Pfälzer den Vortritt bekommen. In den letzten Tagen hat es aber im Südwesten immer wieder geregnet, was die Feldarbeiten stark beeinträchtigte. Das üppige Wachstum ließ sich meist nicht so schnell stoppen, was den Erntezeitpunkt nach hinten verschiebt. Dagegen kamen die Niederschläge in Niedersachsen eher spärlich an und man musste meist sogar noch beregnen. Den optimalen Erntezeitpunkt kann man zurzeit in Burgdorf also besser bestimmen, als im Süden. Bei der momentan knappen Vorratslage wird möglicherweise auch in den kommenden Wochen das Wetter entscheiden, wer zuerst zum Zuge kommt. Die Erzeugergemeinschaft Burgdorf präsentiert sich auch an der Preisfront vorne und senkte gestern die Abgabepreise bis zu sechs €/dt.
Die Preise werden in den nächsten Wochen wohl auch noch weiter nachgeben müssen, damit weitere ungeplante Einfuhren wie etwa aus Italien oder Griechenland nicht stören. Die Erlöse werden aber dennoch eine lange Zeit über denen des Vorjahres liegen. Zurzeit werden Auszahlungspreise von gut 48 €/dt genannt, das sind 50 % mehr als zum gleichen Termin im Vorjahr (31,50/dt).
Rheinische Frühkartoffelbestände leiden zurzeit unter Kälte und Nässe. Das Mengenwachstum und die Stärkeeinlagerung sind aktuell sehr gebremst. Die Ernte verzögert sich wegen der vielen Niederschläge. Da die industrieellen Kartoffelverarbeiter immer noch sehr gut mit alterntigen Knollen versorgt werden, drängt hier niemand die Frühkartoffelerzeuger zur Eile. Weil der Knollenansatz in weiten Teilen Westeuropas gering ausfällt, fallen auch die ersten Rodeergebnisse kleiner aus. Bis die Landwirte bereit sind, das Wachstum und den Ertrag durch Krautschlägeln und chemische Maßnahmen zu begrenzen, wird es im Westen wohl noch ein wenig dauern. Insofern droht vorerst keine Konkurrenz aus dem Rheinland. Im Gegenteil, die Rheinischen Packer dürften vorerst die größten Kartoffelkäufer in der Pfalz sein. Die heftigen Hagelschauer von vor 14 Tagen haben zudem auf ca. 500 bis 800 ha frühreifen Kartoffelschlägen einen verheerenden Schaden produziert. Die Ergebnisse dürften zumindest während der Frühkartoffelvermarktung im Rheinland eine Bedeutung erlangen.
Kartoffeln der Haupternte wurden in diesem Jahr in der Zeit vom 25.04. bis 15.05. gepflanzt, sie kamen also viel später als in anderen Jahren in die Erde. Sie entwickeln sich in den verschiedenen Regionen sehr unterschiedlich. Regional ist es inzwischen zu nass, viele andere Regionen warten dagegen händeringend auf Niederschläge. In weiten Teilen Mecklenburgs hat es seit dem 17. April gar nicht wieder geregnet. Dort drohen große Schäden, sofern es nicht bald nachhaltig nass wird. Über Ertrageserwartung zu spekulieren ist noch viel zu früh. Die April-09-Kartoffelnotierungen auf Frittenrohstoff an der RMX in Hannover pendeln zurzeit um die 16 €/dt.
Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH