Kartoffeln: Kalter Winter schränkt Angebot ein
Exporteure befürchten schwierige Zeiten
Niedrige Temperaturen während der Festtage veranlassten die Bauern sich mit der Vermarktung ihrer Lagerkartoffeln zurückzuhalten. Die Erlöse dafür waren im Dezember auf das niedrigste Niveau dieser Vermarktungssaison gesunken und boten so auch keinen Verkaufsanreiz. Bereits seit Ende Oktober war der Absatz von frischen Konsumkartoffeln und Verarbeitungsrohstoff dank eines regen Exportgeschäfts nach Osteuropa nicht mehr rückläufig. Landwirte verlangen deshalb höhere Preise. Die Belgapom-Notierung zog bereits am vergangenen Freitag um 1,5 €/dt an.
Für viele Einkäufer kommt diese Kehrtwende im Kartoffelmarkt überraschend, war doch das Angebot bislang eher drängend. Plötzlich muss man nun auf freie Ware zurückgreifen, die man eigentlich gar nicht abnehmen wollte; Vertragspartner mit lang laufenden Festpreisverträgen sollten den Vorzug haben. Da die Pommeshersteller vor dem 5. Januar die Produktion für Tiefkühlware nicht wieder anstellen wollten, liefen zuletzt nur noch die Linien für frische Fritten. Bei anhaltend niedrigen Außentemperaturen, wollen die Vertragsbauern ihre großen Lagereinheiten nicht gerne öffnen und so übersteigt das reine Bedarfsgeschäft das kleine Rohwarenangebot schon jetzt. Anbieter in Belgien wollen unter 9 €/dt keine Kartoffeln mehr abgeben.
Erstaunlicherweise läuft auch der Absatz ins benachbarte östliche Ausland immer noch stetig. Die Behinderungen durch die dort noch schärfere Kälte erschweren zwar die Abwicklung, werden aber bisher gut gemeistert. Die frostempfindlichen Knollen werden in Thermo-LKW in Pappe verpackt und treten so den weiten Weg nach Rumänien und Ungarn an. Höhere Erzeugerpreise als acht Euro gab es aber bisher noch nicht. Dafür können aber die Vorräte fristgerecht abgebaut werden und das scheint nach wie vor nötig. Denn die Versender in der Lüneburger Heide befürchten einen baldigen Markteintritt französischer Anbieter auf dem deutschen Markt.
Dem Vernehmen nach konnten die Franzosen bisher kaum an ihre Verkaufserfolge der Vorjahre anknüpfen. Sie horten noch immer fast ihre komplette Ernte. Kartoffeln von dort kommen bei deutschen Einkäufern der Supermärkte besonders gut an. Sind sie hier erst einmal gelistet, sieht ein Großteil deutscher Knollen im wahrsten Sinne des Wortes alt aus. Durch den Frost haben wir wohl drei Wochen gewonnen, diese Zeit müssen wir aber auch nutzen, so ein großer Vermarkter in Deutschlands Versandregion Nr. 1.
Die Vermarkter von Frittenrohstoff am deutschen Niederrhein wollen ebenfalls den überraschenden Stimmungswechsel nutzen, um die Lagervorräte aus einer großen Ernte zügig abzubauen. Aufgrund von weit verbreiteten Unzulänglichkeiten bei der Lagerung auf den landwirtschaftlichen Betrieben, die im Februar und März meist zu erhöhtem Angebotsdruck führen, sind diese Monate prädestiniert für eine Depression der Preise. Dem gilt es jetzt vorzubeugen. Schließlich weiß man nicht, wie lange die für den Landwirt positiven Umstände anhalten.
Man beobachtet nämlich mit Sorge, dass der Euro gegenüber dem Rubel, dem Zloty oder dem britischen Pfund auf historische Höchststände angestiegen ist. Seit Ende November verlor der Rubel 20 % an Wert, beim britischen Pfund waren es ca. 17 %. Das heißt die Kaufkraft dieser Nationen ist für Waren aus der Eurozone erheblich eingeschränkt. Die Marktoptimisten halten dagegen, dass ein strenger Frost die Lagervorräte auf den Hofwirtschaften im Osten Europas soviel Schaden anrichten kann, dass die Währungsturbulenzen keine Rolle mehr spielen dürften.
Die Währungsschwankungen sind aber nur ein äußeres Zeichen für die Wirtschaftskrise, deren volles Ausmaß sich wohl erst in den nächsten Monaten zeigen wird. Die exportorientierten Frittenproduzenten dürften das beim Absatz ihrer Produkte nach Osteuropa oder Asien deutlich zu spüren bekommen. Insofern werden sie auch in den nächsten Monaten ihren Rohstoff sehr kostenbewusst einkaufen.
Da der Euro im Gegenteil nun eine höhere Kaufkraft hat, dürfte das den Import von Waren, also z.B. auch von Kartoffeln aus dem Mittelmeerraum, begünstigen. Neben der reichlichen Verfügbarkeit von sowohl eigenen Knollen, als auch der Importware ist das ein weiteres Argument, weshalb man die Chancen, die sich aus steigenden Preisen ergeben, unbedingt nutzen sollte. Wer seine Kartoffeln noch nicht verkauft hat und zudem aufgrund widriger Umstände nicht sofort liefern will oder kann, der sollte die steigenden Kurse an der Terminbörse nutzen, um sich gegen das Risiko fallender Preise abzusichern.
Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH