Kartoffeln: Konsum von Kartoffelprodukten im Januar eingebrochen

Immer noch hohe Ausbeute des Rohstoffs

Eine nicht repräsentative Umfrage unseres Hauses am vergangenen Freitag unter großen Kartoffelverarbeitern ergab, dass der Konsum von Kartoffelprodukten im Januar eingebrochen ist. Nach den Festtagen immer noch gut bevorratete private Haushalte und weniger Außer-Haus-Verzehr werden als Gründe genannt. In den zurückliegenden Monaten hingegen wurde sehr viel besser verkauft. Die jüngste Konsumschwäche nutze man zum Auffüllen der Produktläger; es wurden sogar Sonderschichten gefahren, um den preiswerten Rohstoff bestmöglich auszunutzen.

Trotz vieler Beschädigungen an den Knollen, die aufgrund der überwiegend trockenen Erntephase entstanden waren, sei die Ausbeute des Rohstoffes immer noch bis zu 4 % höher als im Durchschnitt der Jahre. Die meist höheren Stärkegehalte kompensieren den ebenfalls außerordentlich hohen Schälabfall immer noch. Mit fortschreitender Alterung der Lagervorräte müsse man aber mit schlechteren Ausbeuten rechnen. Deshalb produziere man jetzt soviel wie möglich und füllt die Tiefkühlregale, auch wenn das hohe Kosten verursacht. Man will sogar weiterhin Sonderschichten fahren, um die günstigen Rahmenbedingungen so lange wie möglich zu nutzen.

Die Versorgung mit preiswertem Rohstoff ist trotz des winterlichen Wetters zu keinem Zeitpunkt ein Problem gewesen; es wurde aber zuletzt schon häufiger von Backfarbenproblemen berichtet. In vielen Scheunen können die Temperaturen nicht wirklich reguliert werden, man schützt die Kartoffeln so gut es geht vor Frost, sobald aber vier Grad Celsius Knollentemperatur unterschritten werden, wandelt sich die Stärke in Zucker und es kommt zu ungewollten Dunkelungen nach dem Backen. Selbst Stärkefabriken können nicht alles mehr verarbeiten und verweigern die Annahme, sobald mehr als 10 % der Knollen Frostschäden aufweisen.

In der kommenden Woche wird in den Niederlanden der zweite Vorratsbericht dieser Sai-son veröffentlicht. Daraus werden sich möglicherweise neue Preisimpulse ergeben. Man hat bislang nur wenige Konsumkartoffeln ins Ausland verkaufen können. Die vielen Anfragen aus Osteuropa wurden meist aus Deutschland bedient. Wenn die holländischen Lagerbestände nun hoch ausfallen, wird man sich wohl oder übel an das Preisniveau der Konkurrenz anpassen müssen. Die Preisunterschiede zwischen Belgien (6,8 €/dt für 35 mm+) und den Niederlanden (knapp unter 10 €/dt für 40 mm+) sind mit ca. 3 €/dt außergewöhnlich hoch. Wenn dann auch noch aufgrund etwas milderer Temperaturen mehr Angebot kommt, dürften die Notierungen insgesamt unter Druck geraten.

Damit könnte es dann aber auch endlich zu einer Exportbelebung kommen. Ungarn, Rumänien und Bulgarien bekunden schon Interesse. Aber die Konkurrenz unter den Anbietern ist groß. Neben Deutschland, wo unzweifelhaft die günstigsten Frachtkosten anfallen, stehen auch Belgien und Frankreich bereit, zu liefern. Man muss aber die Größenverhältnisse richtig einordnen: Mit seinen großen Überhängen und dem bisherigen Exportrückstand gegenüber dem Vorjahr, wäre alleine Frankreich in der Lage, den akuten Importbedarf der drei genannten Empfängerländer zu decken. Insofern komme ich zum Schluss, dass der Export dringend erforderlich ist, um hierzulande ausgewogene Marktumstände zu erhalten.

Für Preisfantasien bleibt also auch in dieser Woche wenig Raum. Das zeigt sich auch an den Börsennotierungen der Eurex. Auf allen drei Fälligkeiten für Veredelungskartoffeln gaben die Kurse nach. Dennoch beobachten wir immer noch eine positive Basis zum Frontmonat von 70 Cent. Der Index stagnierte zuletzt auf 8,4 €/dt, die April-2010-Notierung notierte am Freitag auf 9,1 €/dt, das Wochentief lag bei 9,0 €/dt. Der Juni-Future notiert mit 11 €/dt zwar deutlich höher, verlor aber in den zurückliegenden Wochen überproportional. Die Erwartungen einer Preiserholung auf deutlich über 10 €/dt schmelzen dahin. Der Apil-2011-Kontrakt gerät unterdessen zunehmend in den Fokus der Marktbeteiligten. Die insgesamt negative Stimmungslage der letzten Wochen veranlasst die Produzenten zumindest schon mit einer Teilabsicherung zu beginnen.

Nachdem einige große Verarbeiter ihre Preisideen für Festpreisverträge geäußert haben, erscheinen Preis von 13 €/dt an der Börse für den Landwirt recht attraktiv.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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