Kartoffeln: Lagerhalter haben hohe Erwartungen für Juni

Anbauausweitung in Holland und Belgien

Für die überschaubaren Restmengen an Kartoffeln der alten Ernte wollen die Lagerhalter mehr Geld. Angesichts eines weiterhin flotten Exports, einem hohen Verarbeitungstempo und angeblich kleinen Produktvorräten, erscheinen diese Forderungen nicht aus der Luft gegriffen.

Dennoch blieben die Kassapreise vorerst auf dem erreichten Niveau. Es gibt immer noch zu viele Restpartien, die aus nur einfach klimatisierten Flächenlägern kommen. Die Qualitäten sind für die Fabriken nach aufwendiger Aufbereitung meist noch akzeptabel. Die Anbieter haben hingegen keine hohen Forderungen; oft sind sie sogar froh, dass sich endlich jemand über ihre Restmengen erbarmt. Die Moral ist zum Teil gebrochen, denn schon seit Wochen gibt es eine hohe Beanstandungsquote wobei viele Partien sogar wieder zum Absender zurückgeschickt werden. Dadurch beschleunigte sich der Bestandsabbau aber umso mehr, was eine weitere Begründung dafür ist, dass es in den Scheunen der Landwirte sehr viel übersichtlicher ist, als in anderen Jahren.

Da aber auch die neue Ernte des Verarbeitungsrohstoffs schon um mindestens eine Woche früher zur Verfügung stehen wird, kommt bei den großen Fabriken noch keine Panik auf. Man versorgt sich immer noch bevorzugt aus den Vorverträgen und reduziert lieber die Produktbestände. Wenn erst der neue Rohstoff genügend Stärke eingelagert hat und in ausreichender Menge zur Verfügung steht, sollen die Tiefkühlläger geräumt sein. Bei der Rohstoffversorgung lebt man zurzeit mehr oder weniger „von der Hand in den Mund“. Die Restmengen reichen dafür noch allemal aus und am freien Rohstoffmarkt wird weiterhin nur zu alten Konditionen eingekauft. In der zurückliegenden Woche stagnierten deshalb auch alle maßgeblichen Kassapreis-Notierungen in Mitteleuropa. Der Index blieb bei 9,6 €/dt.

Ab Ende Juni wird eine große neue Ernte für die Verarbeiter zur Verfügung stehen. Die Vegetationsbedingungen waren bislang hervorragend. Einen maßgeblichen Vorsprung konnten die Pflanzen durch den außergewöhnlich warmen April gewinnen. Nun hört man, dass die Anbaufläche in Belgien um acht bis zwölf Prozent ausgeweitet wurde. Auch aus Holland wird mittlerweile von einer um drei Prozent größeren Konsumkartoffelfläche berichtet. Auch das alles macht die abwartende Haltung der Einkäufer nachvollziehbar. Sollten sie kurz vor der Umstellung auf die neue Ernte doch noch mehr bezahlen müssen, so dürften es doch wohl nur ganz wenige Ladungen betreffen.

Im Rückblick kann man sagen: Der Marktverlauf ist für die Landwirte in dieser Saison relativ glimpflich abgegangen. Die letzte Ernte konnte zu relativ auskömmlichen Preisen komplett vermarktet werden. Das war aber nur durch außerordentlich gute Exporte möglich. Wenn neben den traditionellen Käufern aus dem Süden nicht auch noch Osteuropa am Markt gewesen wäre, würden wir heute wohl eher zwei bis drei Euro weniger für den 100 kg notieren.

Umso unverständlicher ist mir deshalb die Flächenausweitung; insbesondere die in den Niederlanden. Die dortigen Fabriken standen in den letzten Jahren in einem erbitterten Wettbewerb mit den belgischen Anlagen. Belgien nahm seinen Nachbarn immer mehr Marktanteile im Absatz von Kartoffelprodukten ab. Während man bei einer Gesamternte von rund drei Mio. Tonnen mittlerweile 2,7 Mio. Tonnen Rohstoff für Kartoffelprodukte einsetzt und dafür eine große Menge meist aus Holland importieren musste, war in den Niederlanden die Exportabhängigkeit bisher schon sehr groß. Bei einer Gesamternte von gut sieben Mio. Tonnen verarbeiten man dort auch gut drei Mio. Tonnen in den Fabriken. Der Rest muss in alle Welt verkauft werden. Da sich Belgien nun anschickt, mit einer Flächenausweitung von ca. zehn Prozent, die Eigenversorgung zu Lasten der Niederlande zu erhöhen, wird die Exportabhängigkeit Hollands nochmals zunehmen.

Das könnte auch der Grund dafür sein, dass die Börsennotierungen für den Liefertermin April-2010 bislang noch keinen außerordentlichen Höhenflug vorgenommen haben. Gerade in den Monaten Mai bis Juni, wenn sich in den Terminkontrakten auf die neue Ernte das Open-Intrest aufbaut, kam es früher immer wieder zu Preisausschlägen nach oben. Das könnte angesichts der idealen Wachstumsbedingungen und der nicht unerheblichen Flächenausweitungen in diesem Jahr vorerst ausbleiben. Mit rund 14 €/dt liegt der Terminmarktkurs schließlich um ca. vier €/dt über den aktuellen Forewardpreisen für Lieferung Frühjahr 2010 und sogar rund fünf €/dt über den aktuellen Kassapreisnotierungen.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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