Kartoffeln: Lidl grenzt deutsche Anbieter aus
Gute Qualitäten und langfristige Verträge gesucht
Der Discounter Lidl bezieht immer mehr Frischkartoffeln aus Frankreich. In den letzten Wochen wurden nicht nur für den Westen unserer Republik fertig gepackte Kartoffeln auf der Preisbasis von 20 €/dt lose ab in Frankreich eingekauft. Deutsche Packer haben das Nachsehen, auch wenn ihre Kartoffeln mit 12,5 €/dt deutlich billiger zu haben sind.
Wenn der deutsche Verbraucher heimische Knollen kaufen will, muss er bei anderen Discountern oder bei den Vollsortimentern einkaufen. Die dort gelisteten Packstationen verzeichnen zuletzt wieder normale Umsätze. Die Vermarktung qualitativ hochwertiger Knollen für den Frischverzehr ist trotz der Ausgrenzungspolitik von Lidl zeitgemäß, weil die gewünschten Kaliber und Qualitäten knapp sind. Dagegen gibt es ein drängendes Angebot zweitklassiger Ware, die die Packstationen konsequent meiden. Darin sind sich die Packer und der LEH einig: es kommt nur noch das Beste in die Tüte, um den Frischkartoffelkonsum der privaten Haushalte wieder aufzubauen.
Diese Qualitätsoffensive der Kartoffelkaufleute zeigt auch erste Erfolge. Glaubt man den Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), so hat der Frischkartoffelverzehr erstmals seit Jahren leicht zugelegt. Zum Leidwesen deutscher Produzenten wurden jedoch immer mehr Kartoffeln aus Frankreich eingeführt. In diesem Jahr werden neue Importrekorde erreicht. Dem Handel geht es darum, die deutschen Produzenten noch mehr auf Qualität zu trimmen, damit der Grad der Eigenversorgung wieder zunimmt. Man versucht, durch eine konsequente Preisdifferenzierung die Qualitätsproduktion zu fördern und damit die besten Produzenten zu halten. Dass dieses Unterfangen einen Strukturwandel provoziert und für einige Lieferregionen sogar das Aus bedeutet, nimmt man dabei billigend in Kauf.
Den erfolgreichen Qualitätsbemühungen französischer Produzenten vor Augen, wollen deutsche Kartoffelkaufleute nun auch die Wertschöpfung ihrer heimischen Stammlieferanten fördern und um ihre Rohstoffversorgung besser im Griff zu haben. Das kann man auch den Verbrauchern gut verkaufen, die immer häufiger nach den ökologischen Vorbelastungen der Produkte ihren Einkauf ausrichten. In Großbritannien spricht man von dem Kohlendioxyd-Fußabdruck der Produkte, dem carbon-footprint. Die regionalen Erzeugnisse schneiden dabei i.d.R. am besten ab und die ökologische Begründung ist dabei weniger anrüchig, als die der Protektion.
Frankreich ist angesichts eine großen Ernte in diesem Jahr besonders auf Auslandsmärkte angewiesen. Man beklagt einen schwachen Inlandsabsatz und seit Beginn des Jahres auch einen vergleichbar schwachen Verkauf auf die iberische Halbinsel, ihrem größten Abnehmer. Es gibt aber Hoffnung, dass die Exporte bereits kurzfristig deutlich zulegen werden, ist dem Protokoll der NEPG-Tagung (Northwesteuropäischen Kartoffelerzeuger) in Gembloux (B) zu entnehmen. In dem Protokoll steht auch, dass in dem Kartoffelgürtel auf dem Festland der EU noch auffällig viel freie Ware liegt.
Das kommt nicht von Ungefähr, denn schon seit Wochen haben viele Einkäufer den Bezug ihrer freien Kartoffeln im Tagesgeschäft mit einer festen Lieferzusage für die nächste Saison verbunden. Um auch die bislang ungebundenen Bauern zukünftig als verlässliche Vertragspartner zu gewinnen, stellt man jetzt, wo diese verstärkt auf Absatz drängen, Bedingungen. Wer in diesem Poker obsiegt, hängt in erster Linie von den Exportmöglichkeiten der nächsten Wochen ab. So klingt es fast als Drohung, wenn einige Verarbeiter erklären, dass sie ihre Rohstoffe bereits bis April gesichert haben.
Da sich die Packstationen aber dem Qualitätsdiktat unterworfen haben, werden sie nicht auf mögliche Überhänge an Verarbeitungsrohstoff ausweichen. Ganz im Gegenteil, ein Großteil der eigentlich für den Frischverzehr vorgesehene Kartoffeln gelangt sogar noch in die Verarbeitung, denn kleine Sortiermaße unter 40 mm sind in diesem Jahr bekanntermaßen knapp und werden für gutes Geld verkauft und veredelt. Darüber hinaus gelangen viele optisch nicht so ansprechende Partien in die Produktion von Trockenprodukten. Mit dem Export der Übergrößen (65mm+) ging es in den letzten Tagen auch wieder etwas besser, sodass den Packern nur die 40-65er Sortierung für die Kleinpackungen übrig bleiben. Deshalb bleiben die für den LEH verfügbaren Mengen überschaubar und erzielen, im Gegensatz zu dem Verarbeitungsrohstoff stabile Preise.
Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH
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