Kartoffeln: Mörderischer Wettbewerb führt zu riskanten Abschlüssen

Kommt der Wettbewerb über den Export?

Der Wettbewerb um den Frittenabsatz ist groß. Das verleitet den einen oder anderen Verkäufer außerordentlich riskante Abschlüsse zu tätigen. Aufgrund der hohen Ernteerwartungen während der letzten Wochen fielen auch die Preise für Pommes-Frites. Zu dieser Zeit haben Großkunden wie Mc Donalds oder Burger King versucht, ihren Jahresbedarf zu sichern. Scheinbar mit Erfolg. Preise, die dabei zustande kamen sollen auf 7 €/dt Rohstoffpreisen basieren. Angesichts der nun doch nicht so hohen Erträge in den Niederlanden und Belgien haben Verarbeiter damit begonnen, in angemieteten Hallen, direkt aus der Ernte Bintje einzulagern.

Diese außergewöhnliche Vorgehensweise ist nur mit den neuesten Erntschätzungen zu begründen. PCA und Fiwap zum Beispiel veröffentlichten am Freitag ihre Proberodungsergebnisse nach 131 Wachstumstagen mit mindestens vier Tonnen unter dem Ergebnis des Vorjahres. Die Parzellen verzeichneten in der letzten Woche nur noch 216 kg/ha Zuwachs und vermitteln den Eindruck, dass kaum noch etwas hinzukommt. Im Vergleich zum Erntejahr 2007 verfehlen die diesjährigen Erträge nach 133 Wachstumstagen das Ergebnis in Flandern sogar um acht bis zehn Tonnen/ha und in Wallonien nach 129 Tagen fünf Tonnen. Der Anteil von 50 mm+ Knollen beträgt zurzeit nur 67 %, 2007 waren es schon 77 %, wobei das Wachstum noch nicht beendet war.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen auch Erzeuger im westlichen Niedersachsen. Dort hatte man bei der Sorte Bintje 70 % Übergrößen erwartet, tatsächlich sind es aber am Ende der Wachstumsperiode nur 60 % geworden. Aus diesem Grunde nimmt die Bereitschaft aus der Landwirtschaft, Lieferverträge für den Winterzeitraum zu anzubieten, ab. Es besteht für die Verarbeiter nur noch die Chance, direkt aus der Ernte den Rohstoff für die eingegangenen Pommes-Verträge physisch zu übernehmen.

In einem britischen Marktkommentar war zudem wiederholt zu lesen, dass die belgische Flächenausweitung von mehr als 16 % sich noch bestätigen müsse. Zweifel an diesem hohen Flächenplus waren früher schon einmal aufgekommen, denn man vermutet, dass die Flächenbeihilfen aus Brüssel den Wahrheitsgehalt der Angaben beeinflusst hätten. Niedrigere Ertragserwartungen haben auch Tschechien, Ungarn und Rumänien, die schon in den letzten Wochen in Deutschland zukauften. Daneben auch noch die baltischen Länder und Spanien und Portugal. Hier könnten allerdings die höheren Anbauflächen das Ertragsmanko ausgleichen. Darüber hinaus ist, entgegen den Hoffnungen der Kartoffelbauern, in den maßgeblichen Anbaugebieten Mitteleuropas wieder kaum Regen gefallen. Die Rodebehinderungen halten an und treiben auch den derzeitigen Kassapreis für Frittenrohstoff in die Höhe.

Vor dem Hintergrund dieser Gemengelage sind die jüngsten Preisbewegungen an der Börse zu verstehen. Bis Mitte der Woche ging es mit den Notierungen bis 10,5 €/dt in Richtung Süden. Es wäre durchaus im Interesse der um die großen Frittenaufträge konkurrierenden Verarbeiter gewesen, dass der Terminmarktpreis an der Eurex wieder unter die 10 €-Marke fällt. Als aber seit Mittwoch die Meldungen über deutlich niedrigere Erträge die Runde machten, kehrte der Trend und so kosteten April-10-Veredelungskartoffeln gestern sogar wieder 12 €.

Es zeugt schon von einer außerordentlich Situation, wenn kurz vor Beginn der Haupternte ein derartiger Stimmungswechsel möglich würde. Die Frage ist: Bekommen die Verarbeiter in den nächsten Wochen ihre Preisrisiken in den Griff oder nicht? Und weiter: kann über den Exporte ein regelrechter Wettbewerb um den Rohstoff entstehen? Sobald es dafür Anzeichen gibt, dürfte die Preissicherung über die Frankfurter Börse auch für die Verarbeiter eine plausible Möglichkeit sein. Da die Kartoffeln mittlerweile an einem großen, internationalen Handelsplatz gelistet sind, haben auch ausländische Unternehmen einen leichten Zugriff auf diese Finanzderivate. Sobald nämlich der Käufer seine Terminmarktpositionen im Portfolio hat, kann er sich seinen Rohstoffbedarf im Kassamarkt zu Tagespreisen sichern – dafür bekommt jeder ordentliche Kaufmann nämlich immer ein Angebot. Im Übrigen, unter den Getreidehändlern sind derartige Abschlüsse tägliche Praxis.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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