Kartoffeln: Neue Rekorde bei der Herstellung von Kartoffelprodukten
Trockenheit regt Phantasie für nächste Ernte an
Die Verarbeiter in Belgien und Deutschland setzten in 2010 mit jeweils gut 3,2 Mio. Tonnen nahezu gleich viel Rohstoff für die Herstellung von Kartoffelprodukten ein. Das ergaben die Auswertungen der Belgapom sowie des deutschen Statistischem Bundesamtes, die in der zurückliegenden Woche bekannt wurden. In beiden Fällen stellten diese Werte neue Rekorde dar. Zusammen mit der niederländischen Industrie, dem (noch) amtierenden Europameister in der Kartoffelproduktion (3,5 Mio. Tonnen), wurden in 2010 in dieser Region rund 10 Mio. Tonnen Kartoffeln zu Produkten veredelt.
Belgiens Industrie wächst allerdings doppelt so schnell wie die Deutsche. Für die Steigerung der letzten Millionen Tonnen benötigte Deutschland zehn Jahre, in Belgien dauerte es nur fünf. Besonders stark wuchs in allen genannten Ländern die Produktion im vierten Quartal 2010. Der Eindruck einer knapp ausreichenden Ernte, einer zweifelhaften Haltbarkeit sowie riesigem Exportmöglichkeiten, spornten die Fabriken zu neuen Höchstleistungen an. Die Befürchtungen haben sich aber nur in Teilen bestätigt. Die vorsorgliche und aus heutiger Sicht recht teure Rohstoffsicherung der Verarbeiter in den Monaten Dezember und Januar reicht bis in diese Tage aus. Die Produktläger scheinen recht ordentlich gefüllt zu sein und die Rohstoffexporte hatten zuletzt stark nachgelassen.
Obwohl Befragungen unter den Mitgliedern vieler Erzeugerorganisationen sehr niedrige Vorräte und eine frühes Ende der Vermarktungssaison prognostizieren, bleiben die Erzeugerpreise unter Druck. Landwirte müssen immer noch fürchten, dass ihre Vorräte qualitativ nicht bis in den Juni durchhalten. Sie drängen fortwährend auf Absatz, wobei die Industrie Vertragskartoffeln bevorzugt. Die noch unverkauften Partien sollten rechnerisch zwar nur noch bis Anfang Juni ausreichen, werden aber ebenfalls unter (Qualitäts-)Druck angeboten, sodass Spot-Preise weiter nachgeben. Das gilt zumindest für die Sorte Bintje mit niedrigen Stärkegehalten. Diese dominiert am belgischen Markt bekanntlich immer noch. Am heutigen Kar-Freitag, der in Belgien kein Feiertag ist, gab die Belgapom Notierung erneut um 1,5 €/dt nach und notieren nun nur noch auf 12,5 €7dt. Gleichzeitig gibt es Preismeldungen für bevorzugte andere Sorten, die bis an die 20 €/dt heranreichen.
Am deutschen Niederrhein sollen für Mai-Lieferungen der Sorte Fontane sogar 22,5 bis 25 €/dt im Raume stehen, die allerdings nur unter dem Vorbehalt guter Qualitäten geboten werden. Der erwartete Wendepunkt ist allerdings in den Notierungen noch nicht sichtbar. Dagegen regt sich an der Börse aber schon einige Phantasie. Während sich der am kommenden Donnerstag auslaufende April-11-Future an der Frankfurter Börse nahe am Index orientiert, konnte der Juni-11-Future in der zurückliegenden Woche zulegen. Die Juni-Basis zum aktuellen Index von 17,6 €/dt betrug gestern 1,2 €/dt. Soviel müsste der Kassamarkt also noch bis zum 2. Juni zulegen.
Mit dem heutigen Rückgang der Belgapom Notierung um 1,5 €/dt wird der Index aber in der kommenden Woche eher auf die 17 €/dt zugehen, bevor er dann im Mai eine rasante Kehrtwende vollziehen müsste. Das wird aber von den Börsenteilnehmern als absolut plausibel angesehen, denn die Nachfrage sollte sich spätestens ab der ersten vollen Arbeitswoche nach Ostern wieder beleben. Die Veröffentlichungen maßgeblicher Erzeugerorganisationen über niedrige Vorräte hinterlassen ihre Spuren. Immer mehr Länder melden ihren restlichen Bedarf an und als Lieferanten kommen nur noch wenige Regionen in Frage. Neben Russland sind es vor allem Osteuropäische und Skandinavische Kunden, die in Holland, Belgien und Deutschland vorstellig werden. Die Nachfrage der Stammkunden aus Südeuropa wird allerdings als klein beschrieben. Das trifft die Franzosen, die diese Märkte vorrangig bedienen, aber kaum, denn auch ihre Vorräte sind schon so übersichtlich, dass man keine Angst vor Übermengen hat. Bemerkenswert scheint mir dann noch, dass ab kommender Woche selbst die Briten Verarbeitungsrohstoff in Holland laden wollen. Dort stellt sich der Markt genau umgekehrt dar, wie hierzulande: Frische Speisekartoffeln stehen preislich unter Druck, während Verarbeitungsrohstoff knapp ist und teurer wird.
Die seit Anfang März anhaltende Trockenheit in Mitteleuropa könnte sich schon bald auch auf den Vegetationsstart von Kartoffeln auswirken. Die mittlerweile 10-15 cm großen Kartoffelstauden in Belgien stehen unmittelbar vor dem Knollenansatz. Bleibt es trocken, wird die Stückzahl klein ausfallen. Der April-12-Future der Frankfurter Eurex erreichte gestern sein vorläufiges Hoch mit 15,4 €/dt.
Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH