Kartoffeln: In Nordwest-Europa ist es zu trocken und zu kalt

EZG fordern von ihren Landwirten Disziplin

In den meisten Kartoffelbau-Regionen Nordwesteuropas ist es viel zu trocken und die Wettervorhersage verkündigt vorerst keine Änderung. Das Meteorologische Institut in Großbritannien stellt fest, dass es in keinem Frühjahr seit 1964 derart trocken war. Hinzu kommen die kühlen Temperaturen. In einigen Frühkartoffelregionen beobachtet man bei der Frittensorte Premiere bereits Stresssymptome. Die Ernte wird wohl 2-3 Wochen später beginnen und die Erträge können unter den bisherigen Umständen nur kleiner sein, als im Vorjahr.

Die Kartoffeln verarbeitende Industrie ist nach eigenem Bekunden derweil aber noch gut mit alterntigem Rohstoff versorgt. Trotz zunehmender Qualitätsprobleme können sich die Preise halten. Preisreduktionen kann man sich nicht erlauben, zu gut ist die Nachfrage aus dem Ausland. Dennoch sind vereinzelt wieder Schwächetendenzen bei den Tagespreisen zu beobachten. Landwirte drän-gen nämlich immer noch auf Absatz der restlichen Vorräte obwohl sie wissen, dass der neue Rohstoff später kommen wird und Importkartoffeln in diesem Jahr für die Verarbeiter viel zu teuer sind. Für den zurzeit angebotenen Rohstoff können dennoch keine höheren Preise erwartet werden.

Ob sich die Versorgungslage der Fabriken noch vor dem Einstieg in die neue Ernte einengt, wie mehrfach schon vermutet, ist weiter offen. Händler in den Niederlanden sehen bereits in 14 Tagen die Scheunen geräumt. Aber Anfang Juli gibt es weder am deutschen Niederrhein, noch in Belgien ein nachhaltiges Angebot mit ausreichend hohem Stärkegehalt. Deshalb haben sich die meisten Verarbeiter bis weit in den Juli hinein mit Vorkontrakten auf Lagerkartoffeln eingedeckt. Von diesen Vertragslandwirten ist zu hören, dass man gerne schneller liefern würde, aber die Disponen-ten würden immer wieder freien Rohstoff vorziehen, sodass die vertraglich vereinbarten Termine geschoben werden.

An der Terminbörse gab es in der zurückliegenden Woche einen Preisauftrieb von mehr als acht Prozent. Mittlerweile wurde die Widerstandslinie von 14,5 € mehrfach nach oben durchbrochen. Der Kontraktbestand (Open Interest) stieg mit steigenden Preisen ebenfalls um knapp acht Prozent. Nach charttechnischer Auswertung befindet sich der Markt also in einem gesunden Aufwärtstrend. Dass der Kontraktbestand nicht noch mehr anstieg liegt daran, dass der eine oder andere Landwirt vorerst seine früher eingegangene Hedgeposition glattstellte, um die Chance zu wahren, später zu höheren Preisen sich erneut abzusichern.

Die Stimmung unter den Landwirten kann also als sehr erwartungsfroh bezeichnet werden. Da die importierten Speisekartoffeln aus dem Süden deutlich kleiner sein werden und die 60 € - Marke frachtfrei deutscher Packstation als Unterkante festgezurrt wurde, wollen die hiesigen Bauern auch für ihre Ernte so viel wie möglich bekommen. Und die Chancen dafür sind gut. Während Landwirte in Portugal und Spanien durchschnittlich 40 €/dt bekommen, haben deutsche Packer bis Anfang Juli Erzeugerpreise von 50 und mehr Euros für 100 kg festgeschrieben. Dass sich auch die Discounter und der LEH darauf einlassen, spricht für die außerordentlich knappe Versorgungslage mit Speisekartoffeln. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Qualitätsversprechen der Packer an ihre Abnehmer eingehalten werden können. Denn losschalige Kartoffeln könnten bereits in allen Anbauregionen geerntet werden. Offen ist, ob die Einkäufer ihre Lieferanten im Griff haben.

Dass die große Vorjahresernte des Frittenrohstoffs so früh geräumt werden kann, liegt in erster Linie an dem außerordentlich großen Verkauferfolg europäischer Kartoffelverarbeiter. Die Märk-te in Asien und Südamerika werden nun bereits seit Monaten nachhaltig von Fabriken aus Belgien und den Niederlanden, aus Frankreich und Großbritannien bedient und die Nachfrage hält an. Lange Pausen wegen Rohstoffmangel oder Wartungsarbeiten können sich die Fabriken in diesem Jahr wohl kaum leisten. Damit sich die Bauern nicht von den einkäufern auseinander dividieren lassen, schwören die Erzeugergemeinschaften ihre Landwirte darauf ein, von Beginn an Marktdisziplin zu wahren und nicht mehr anzubieten, als von den Einkäufern abgefragt wird. Das gilt insbesondere für die Qualitäten bei Speisekartoffeln. Sollte z.B. das Festschaligkeitsprogramm unterlaufen werden, wäre das mühsam aufgebaute Vertrauen zum LEH gefährdet. Den Einzelhändlern kann es nämlich fast egal sein, wie teuer die Kartoffeln sind, sie wollen nur keinen Ärger mit der Qualität und werden dann auch marktgerechte Preise zahlen.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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