Kartoffeln: Nordwesteuropa: Warten auf wüchsiges Wetter

Terminmarkt reagiert auf Wetter und Testergebnisse

Späte Pflanztermine und Trockenheit im Frühsommer haben auch in Frankreich ihre Spuren hinterlassen. Die Ergebnisse erster Proberodungen weisen einen Rückstand von 20 % gegenüber einem mehrjährigen Mittel aus. Nun hofft man den Rückstand zumindest noch bei den spät reifenden Sorten aufzuholen. Doch bislang fehlen die dafür nötigen ergiebigen Niederschläge.

Am gestrigen Freitag veröffentlichte die AMI eine erste Flächenschätzung zum Europäischen Kartoffelanbau. Maßgeblich für unsere Eigenversorgung sind zunächst einmal die großen fünf Kartoffelnationen Deutschland, Holland, Belgien Frankreich und Großbritannien. Hier schrumpfte der Anbau um 14.000 ha oder 1,7 %. Konsum- und Pflanzkartoffelflächen wurden allerdings meist auf Vorjahreshöhe beibehalten, sodass selbst bei unterdurchschnittlichen Erträgen kein Notstand entstehen würde. Der starke Flächenschwund in den anderen EU-Ländern z.B. in Polen (-18.000 ha) oder Rumänien (-14.000 ha) lässt erwarten, dass die internationale Nachfrage in der kommenden Saison groß sein wird. Dennoch glauben einige Marktteilnehmer, dass hohe Preise die Exportmengen klein halten werden. Zumal wir hierzulande einen Mangel an Übergrößen unterstellen können, die insbesondere von Südeuropäern bevorzugt werden.

Nachdem nun fast alle Fabriken ihre Werksferien beendet haben, ist ein Wettbewerb um den Rohstoff entstanden. Da sowohl die Erträge insgesamt aber speziell auch der Anteil an Übergrößen enttäuschen, werden gleich von Saisonbeginn an vertragfreie Mengen zugekauft. Die Kassapreise hierfür können sich auf einem sehr hohen Preisniveau behaupten. Die Belgapom Notierung gestern blieb bei 20 €/dt. Für die kommende Woche erwarten deutsche Versender dass die Fabriken weniger bezahlen wollen, darauf ist man aber nicht bereit, sich einzulassen. Schließlich räumen die ersten Flächen schon viel zu schnell und auch bei den Sorten der Haupternte zeigen die Proberodungen um ca. 20 % weniger Ertrag als zum gleichen Testtermin im Vorjahr.

Das August-Wetter kann noch einiges richten, ist immer wieder zu hören. Dementsprechend verhalten sich auch die Einkäufer. Sie verfügen über eine Grundversorgung mit Vertragskartoffeln und kaufen nur immer soviel zu, um die Anlagen entsprechend ihrer Auftragslage auszulasten. Ihre Produktläger wollen sie aber mit derart teurem Rohstoffeinkauf nicht füllen.

Um die Kartoffelpflanzen allerdings von dem Hitzetrauma des Frühsommers zu erlösen und das Wachstum wieder in Fahrt zu bringen, muss noch deutlich mehr Regen fallen, so die Fachleute. Selbst in Regionen, wo es zuletzt bis zu 50 Liter/qm Regen gegeben hat, sind die Dämme noch nicht wieder durchfeuchtet. Es gibt aber auch andere Regionen, in denen es kaum geregnet hat. Eine Rückkehr zu trockenem Hochsommerwetter würden die meisten Bestände nicht ohne weitere Ertragsrückstande überstehen.

Eine allgemeine Einschätzung für die Kartoffelernte 2010 bleibt wegen der regionalen Wetterbedingungen aber äußerst schwer. Diese Unsicherheit spiegelt sich auch in den Notierungen am Terminmarkt wieder. Einem wieder erstarkten Optimismus zum Ende der Vorwoche folgte am vergangenen Montag prompt ein Preisdämpfer. Irgendwo muss es wohl geregnet haben. Im Laufe der Woche sanken die Kurse sogar unter 19,5 € bis sie sich gestern in der Spitze wieder auf über 21 € einfanden.

Der Terminmarkt wird wohl auch in den nächsten Tagen sehr wetterfühlig bleiben. Weiterhin werden die Ergebnisse systematischer Proberodungen ihren Anteil zum Gesamtbild beitragen. Mit Spannung wird zum Ende des Monats dann auch die erste deutsche Großveranstaltung in Sachen Kartoffeln bei der Firma Weuthen dieser Saison erwartet. Die Markteinschätzung von Herrn Buffen gilt auch international als richtungweisend.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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