Kartoffeln: Polens Anbaufläche um 7 % eingeschränkt
Trockener Frühsommer nimmt Ertragsspitzen
Das staatliche Marktforschungsinstitut IERGIZ schätzt die diesjährige polnische Kartoffelernte auf 10,6 Mio. Tonnen und somit um 10,2 % kleiner als im Vorjahr. Dabei wird unterstellt, dass die Anbaufläche um 7 % eingeschränkt wurde und der Hektar-Ertrag stabil bleibt. Angesichts der Trockenheit im Frühsommer und des frühen Zeitpunkts der Veröffentlichung, muss diese erste offizielle Prognose des EU-Landes mit der größten Kartoffelanbaufläche noch als vage bezeichnet werden. Gleichwohl werden die Zahlen in der Eurostat-Datenbank als vorläufig/geschätzt bestätigt.
Die Entwicklung der polnischen Kartoffelwirtschaft der letzten Jahre ist turbulent. Im Jahre 2000 wurden in unserem östlichen Nachbarland noch auf 1,251 Mio. ha Kartoffeln angebaut in diesem Jahr sind es nur noch 530.000 ha. Bei nur leicht gestiegenen Hektarerträgen reduzierte sich die jährliche Gesamternte von 24,2 Mio. Tonnen (2000) auf vorläufige 10,6 Mio. Tonnen (2008). Trotzdem ist Polen, gefolgt von Deutschland, das Flächen- und Mengenmäßig wichtigste Kartoffelanbauland in der EU geblieben. Seit Polen in der EU ist, liegen die Gesamternten Deutschlands und Polens meist dicht beieinander.
Die recht ertragreiche Ernte im Vorjahr mit 197 dt/ha bescherte eine Gesamternte von 11,8 Mio. Tonnen. Obwohl diese Menge den Bedarf und die Exportmöglichkeiten überstieg und für sehr niedrige Preise sorgte, wurde die Stärkequote zum wiederholten male nicht erfüllt werden. Auch in diesem Jahr, so die Prognose des Instituts, werden nicht genügend Stärkekartoffeln heranwachsen. Dagegen beobachtete man eine 9 %ige Steigerung bei der Erzeugung von Kartoffelprodukten. Immerhin 30 % der Gesamternte wird zu Produkten verarbeitet.
Die niedrigen Kartoffelpreise sowie die große Verfügbarkeit sorgten in 2007 wieder für eine Steigerung bei der Verfütterung. Der auch in Polen beobachtete Trend eines rückläufigen Pro-Kopf-Verbrauchs konnte im Vorjahr gestoppt werden. Er liegt hier immer noch bei bemerkenswerten 120 kg je Kopf der 38,2 Mio.-Bevölkerung. Auch die deutliche Qualitätssteigerung wirkt sich positiv auf das Verbraucherverhalten aus. Bei einem Gesamtbedarf von 10,7 Mio. Tonnen und einer Produktion von 10,6 Mio. Tonnen wird Polen in dieser Saison wieder mehr Kartoffeln importieren.
Im Vorjahr hatte Polen nur wenige Kartoffeln bzw. Kartoffelprodukte importiert. Im Gegenteil: man konnte sogar nach Russland exportieren und schnitt damit für lange Zeit den westlichen Ländern den Absatz ab. Erst nachdem in Polen nicht mehr genügend gute Qualitäten zur Verfügung standen, kauften die Russen in Holland und Belgien. Die Holländer lieferten alleine im Mai 2008 cirka 65.000 Tonnen nach Russland und entledigten sich damit ihrer Überschüsse.
Wenn man auch in diesem Jahr davon ausgehen kann, dass die deutschen und die polnischen Erntemengen ähnlich hoch ausfallen, so reduziert sich die EU-Menge bereits um mindestens 2,4 Mio. Tonnen. Würde man den 10%igen Ernterückgang für die gesamte EU unterstellen, so errechnet sich eine Menge von nur noch 56,358 Mio. Tonnen. Ein Ergebnis, das im Jahre 2006 zu Erzeugerpreisen von zeitweise 40 €/dt führte.
Danach sieht es in diesen Tagen allerdings nicht aus. Seit es wohl überall geregnet hat, können die Verarbeiter darauf hoffen, dass schon bald wieder eine ordentliche Versorgung mit Frittenrohstoff gegeben ist. In diesen Tagen ist die Versorgungslage allerdings noch angespannt. Nachdem alter Frittenrohstoff vorzeitig aufgebraucht ist und die neue Ernte noch nicht genügend Ertrag bringt, wollten die Bauern ihre Vertragsware nicht frühzeitig hergeben. Bei Vertragspreisen um die 12 €/dt und einem Ertrag um die 35 Tonnen/ha produziert man keine Gewinne. Einige Verarbeiter mussten sich deshalb vorläufig und außerordentlich früh mit freiem Rohstoff versorgen. Die erste Belgapom-Notierung der neuen Saison lagt mit 18,75 €/dt für feldsortierte Ware ab Belgien recht hoch.
Für die Kartoffeln der Haupternte kommt der Regen meist noch rechtzeitig. Wenn der aktuelle Infektionsdruck der Krautfäule beherrschbar und das Wetter im August wechselhaft bleiben, können noch ganz passable Erträge heranwachsen. Da der Knollenansatz vielerorts allerdings recht klein ausfällt, werden keine Spitzenerträge mehr erwartet.
Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH