Kartoffeln: Polnische Kartoffelernte unter 9,5 Mio. Tonnen

Europäische Gesamternte unter Vorjahr

Das Warschauer Büro für Agrarstatistik schätzt die polnische Kartoffelernte auf 9,5 Mio. Tonnen. Im Vorjahr erntete man noch 10,5 Mio. to. Als Grund für den Ertragsrückgang wird eine um 55.000 Hektar kleinere Anbaufläche und niedrigere Hektarerträge genannt. Aufgrund widriger Wetterumstände, wie anfänglich zuviel Regen gefolgt von Trockenheit, standen die Bestände andauernd unter Stress. Viele Bestände auf den schweren Standorten konnten bis heute nicht gerodet werden und nun steht auch schon der Winter vor der Tür. Im Südwesten des Landes, wo hauptsächlich Frittenrohstoff produziert wird, ist schon der erste Schnee gefallen.

In den letzten Jahren hatte Deutschland meist eine ebenso große Kartoffelernte wie Polen. In diesem Jahr ist der Unterschied aber mehr als zwei Mio. to. Das ermöglicht dem deutschen Kartoffelhandel seine bereits in den Vorjahren etablierten Geschäftsbeziehungen weiter auszubauen. Der Kartoffelstrom aus Deutschland in Richtung Osten ist in diesem Jahr bereits sehr frühzeitig gestartet. Aufgrund der guten Eigenversorgung direkt aus der Ernte ist allerdings in diesen Tagen nur wenig Export möglich. Erstaunlich ist trotzdem, dass zu so einem frühen Zeitpunkt überhaupt etwas geht.

Auch andere osteuropäische Länder wie die Ukraine (-30 %) und Weißrussland (-10 %), waren von den schwierigen Wachstumsbedingungen betroffen und ernten zum Teil erheblich weniger als im Vorjahr. Die Exportchancen für die großen West- und Mitteleuropäischen Kartoffelländer sind also ausgezeichnet. Wenn alles reinkommt, so muss man hier von einer gleich großen Menge ausgehen, wie im Vorjahr. Gestern vermeldete das niederländische Centraalbüro foor Statistiek (CBS) eine erste Prognose zur Kartoffelernte. Danach sind 3,635 Mio. to Konsumkartoffeln herangewachsen, ebenso viel wie in 2008. Aber noch längst nicht alle schweren Böden, insbesondere im Süden des Landes, sind nach den Regenfällen der Vorwoche wieder befahrbar. Außerdem sind die Bodentemperaturen für eine Qualitätsschonende Ernte kaum noch akzeptabel. Das gleiche gilt für Teile des deutschen Niederrheins, Belgiens und der Magdeburger Börde.

Die Schwedische Organisation der Kartoffelerzeuger geht davon aus, dass aufgrund von Erwinia- und Schorfproblemen ihre netto zur Verfügung stehende Ernte um 7 % kleiner als im Vorjahr ausfallen wird. Das entspricht ungefähr ein Minus von 35.000 to. Zudem haben ca. 100 ha im Westen und in der Mitte des Landes haben Frostschäden erlitten, die in der Statistik noch nicht berücksichtigt sind.

Der Inlandsabsatz hierzulande läuft laut Aussagen der Versender weiterhin zufrieden stellend. Man ist von der Wirtschaftskrise offensichtlich kaum betroffen. Entgegen anders lautenden Aussagen über den Konsum aus dem Statistischen Bundesamt, berichten große Kartoffelhandelshäuser von einem zuletzt guten Frischkartoffelabsatz. Alle Monatsergebnisse lagen bisher über denen des Vorjahres, so ein bedeutender Marktteilnehmer. Gerade die Vollsortimenter des LEH seien mit dem bisherigen Geschäft zufrieden. Dafür hat aber wohl das Essen außer Haus verloren, weshalb der Absatz von Halbfertig- und Fertigprodukten leiden könnte. Hier gab es in den letzten Jahren aber derart dynamische Exportsteigerungen, dass mit einem Einbruch aufgrund einer schwächeren Inlandsnachfrage nicht zurechnen ist. Die Fabriken haben deshalb den extrem preiswerten Rohstoffbezug genutzt und ihre Produktläger gut gefüllt.

Insbesondere die hochwertigen Produkte, wofür nur bester Rohstoff eingesetzt wird, werden auf Halde produziert. Man hat zu dem eingelagerten Rohstoff kein sonderlich großes Vertrauen. Auch wenn nicht alle Beschädigungen gleich blau verfärben, so befürchtet man bei der Lagerware doch massive Probleme mit den Backfarben. Auch wenn die Einkäufer zurzeit noch toleranter sind als in anderen Jahren und kaum noch LKW wieder voll nach Hause schicken, so sind die Mängelrügen meist doch erheblich. Bei Wurmfraßbefall ist aber beim besten Willen nichts mehr zu Wollen. Diese Partien gehen schon jetzt in andere Verwertungsrichtungen. Vorsorglich haben die Flocken- und Granulathersteller schon ihre Einkaufsvorstellungen nach unten revidiert. Sie sind zwar aufnahmefähig, müssen aber mit anderen Stärkehaltigen Rohstoffen konkurrieren können und die Getreidepreise sind bekanntlich immer noch sehr niedrig.

Fazit: Die Europäische Kartoffelernte wird aufgrund der osteuropäischen Ertragsdefizite um zwei bis drei Mio. to kleiner als im Vorjahr ausfallen, die Exportchancen aus West- und Mitteleuropa sind ausgesprochen gut und für abfallende Qualitäten sind die Fabriken, wenn auch zu niedrigen Preisen, aufnahmefähig.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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