Kartoffeln: Preise jetzt wieder stabil

Basisberechnung muss stets aktuell sein

Der wochenlange Preisverfall scheint gestoppt. Nach der Hochpreisphase zu Beginn dieses Jahres waren die Kassapreise für Veredelungskartoffeln für viele Marktbeobachter völlig unerwartet zurückgegangen. In einem Rückblick auf den bisherigen Saisonverlauf vermuten Erzeugervertreter der größten europäischen Anbaugebiete eine Strategie der Frittenhersteller, so ein Bericht der Fiwap/PCA in der zurückliegenden Woche. Anfang des Jahres notierte z.B. die Belgapom noch 25 €/dt. In dieser Phase sicherten sich die meisten Verarbeiter relativ teure Vertragskartoffeln und verpflichteten die Vertragspartner zugleich, ihre freien Mengen zu Tagespreisen mitzuliefern. Durch eine reduzierte Nachfrage für freie Kartoffeln verfielen die Preise dafür kontinuierlich bis auf 12,5 €/dt, sodass die Mitliefermengen immer günstiger abgegeben wurden. Landwirte mit fest bepreisten Vertragskartoffeln stehen also aus heutiger Sicht relativ gut dar, was wohl die Absicht dieser Strategie war.

Der Preisverfall der Belgapom-Notierung kam bei 12,5 €/dt zum Halten. Ebenso notierte die französische SNM-Notierung gegenüber der Vorwoche gestern stabil. Das wird von vielen Beobachtern schon als Ende der Baisse gesehen. An der Börse stiegen die Juni-Terminnotierungen im Wochenverlauf sogar um weitere 40 Cent an. Die Juni-Basis zum Index, der bei 16,8 festgestellt wurde, ist unterdessen auf 2,4 €/dt angestiegen. Von dem aufkeimenden Optimismus konnte allerdings der am 28.04. ausgelaufene April-11-Future nicht mehr profitieren. Mit einem Wochen-Minus von 80 Cent, fiel der erwartete Rückgang des Kassapreiszeigers der Frankfurter Börse allerdings noch relativ moderat aus. Denn der deutsche und der niederländische Anteil im Index blieben bereits in der Vorwoche stabil.

Aufmerksamkeit erregte die enorme Preisspanne an den niederländischen Regionalbörsen. In Goes wurden beispielsweise Preise in der Spanne von 15 bis 25 €/dt gemeldet. Selbst die einzelnen Index-Bestandteile unterscheiden sich enorm: Zwischen Frankreich (14 €) und den Niederlanden (20,3 €) könnten die Kassamarktbedingungen kaum unterschiedlicher sein. Die Strategie, von der anfänglich berichtet wurde, könnte möglicherweise auch eher aus Belgien und Frankreich initiiert worden sein. Dort werden noch immer sehr viele Bintje produziert, die in diesem Jahr bekanntlich die größten Schwierigkeiten bereiteten und somit die Unterkante der Preismeldungen begründeten. Dort, wo vermehrt andere Sorten zur Frittenherstellung zum Einsatz kommen, wie z.B. in den Niederlanden und Deutschland, konnten man sich schon etwas frühzeitiger von der Baisse im Westen des europäischen Kartoffelgürtels abkoppeln.

Die großen Preisunterschiede im Kerngebiet der EU-Frittenproduktion forderten die Hedger an der Terminbörse bei ihrer Basisberechnung in diesem Jahr besonders heraus. Landwirte in Deutschland und den Niederlanden, die sich gegen das Risiko fallender Preise abgesichert hatten, konnten, wenn sie lange genug ausgehalten haben, durch ihr Börsenengagement einen Spekulationsgewinn von zwei bis vier Euro/dt erzielen. Die gleiche Strategie in Frankreich und Belgien angewandt, brachte nicht ganz die errechnete Kompensation zum ihrem relativ niedrig dotierten Kassamarkt vor Ort. Umgekehrt proportional stellt sich die Situation für Long-Hedger, also für die Einkäufer der Frittenfabriken und der Schälbetriebe dar. Individueller und nicht gerade einfacher wird die Berechnung immer dann, wenn man Preise für Sorten mit besonders hohen oder niedrigen Qualitäten abzusichern hat.

Damit der Terminkontrakt für die Kassamarktbeteiligten einen Nutzen behält und sich nicht als Spekulation empfunden wird, ist es nötig, ständig – also wirklich täglich - seine persönliche Basisberechnung zum Index zu aktualisieren und gegebenenfalls auf Basisveränderungen zu reagieren. Sollte sich nämlich die Qualität der eigenen Lagerware oder dem eigenen Bedarf im Vergleich zum standardisierten Börsenkontrakt verändern, so kann die Börsenabsicherung kaum noch aufgehen. Für die Börse selber ist es eine große Herausforderung, angesichts der Sorten- und Qualitätsvielfalt einen Kartoffelpreis als Standard zu definieren. Ihr ist kein Vorwurf zu machen, wenn die individuele Absicherung fehlschlägt.

Der Index auf Veredelungskartoffeln errechnet sich am letzten Handelstag für den April-11-Future (28.04.) wir folgt: F = 14,00 €, B = 14,6 €, NL = 20,3 und D = 18,22. Der Abrechnungspreis für den verblieben Kontraktbestand wurde also am Ende einer sehr volatilen Laufzeit mit 16,8 €/dt festgestellt.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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